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Deutsche Vorstandsgehälter auf Platz vier im Vergleich der europäischen Top-Unternehmen

Studie „CEO pay landscape in the Eurotop 100“ von Willis Towers Watson

17. Oktober 2017
| Deutschland

Frankfurt, 17. Oktober 2017 – Die Gesamtdirektvergütungshöhen der im Eurotop vertretenen deutschen Vorstandsvorsitzenden haben 2016 im europäischen Vergleich wie im Vorjahr den 4. Rang erreicht. Im Vergleich zu 2015 sind sie leicht gestiegen. Gemessen am Median bekamen die höchsten Gesamtdirektvergütungen die Top-Manager in der Schweiz, gefolgt von Großbritannien und Spanien. Das geht aus der Studie „CEO pay landscape in the Eurotop 100“ von Willis Towers Watson hervor, die jährlich die Vergütungen der Vorstandsvorsitzenden in den nach Marktkapitalisierung führenden europäischen Unternehmen untersucht.

Fixgehälter kaum gestiegen, Boni stark gesunken

Im Vergleich zu 2015 sind die Gesamtdirektvergütungen in Europa um rund 6 Prozent gesunken: von 5,8 Millionen Euro im Median auf 5,4 Millionen Euro 2016. „Während die Grundgehälter und auch die Höhen der gewährten langfristig variablen Vergütung stabil blieben, sind die ausbezahlten Boni für das Jahr 2016 zurück gegangen. Verantwortlich dafür sind einerseits rückläufige Unternehmensergebnisse, andererseits natürliche Änderungen der Datengrundlage“, sagt Helmuth L. Uder, Leiter des Beratungssegments Talents & Rewards bei Willis Towers Watson. Die 2016 ausgezahlten Boni erreichten europaweit im Median nur noch 126 Prozent des Fixgehalts (Vorjahr: 144 Prozent).

Die höchsten Gesamtdirektvergütungen unter den 100 europäischen Top-Unternehmen wurden gemäß der Median-Auswertung in diesem Jahr erneut unter den Schweizer CEOs gezahlt (Median 10,29 Millionen Euro), gefolgt von UK (Median 7,44 Millionen Euro) und Spanien mit (5,63 Millionen Euro). Die CEOs der deutschen Eurotop-Unternehmen liegen mit einem Median von 5,06 Mio. Euro auf dem vierten Rang. Der Median der Gesamtdirektvergütung der CEOs des DAX 30 liegt mit 4,99 Mio. Euro nur leicht unterhalb der deutschen Eurotop-Unternehmen.

CEO von SAP europaweit auf dem 4. Platz

Die höchste Gesamtdirektvergütung unter den Eurotop 100 erreichte mit 14,4 Millionen Euro Rakesh Kapoor von Reckitt Benckiser, einem britischen Konsumgüterhersteller. Es folgten die CEOs des britischen Medienunternehmens WPP (13,3 Millionen Euro) und der Schweizer UBS Group (12,3 Millionen Euro). Auf Platz vier kam der bestbezahlte CEO eines deutschen Unternehmens: Bill McDermott bei SAP mit knapp 12,1 Millionen Euro. Daimlers Vorstandschef Dieter Zetsche, der 2015 auf den 4. Platz kam, schaffte es 2016 nicht mehr in die Top Ten.

In folgenden Branchen wurden im Median die höchsten Gesamtdirektvergütungen erreicht: Auf dem 1. Platz rangierten die Top-Manager der Pharmabranche (7,7 Millionen Euro Gesamtvergütung im Median), ihnen folgten die CEOs der Konsumgüterhersteller (7,3 Millionen Euro) und der Energiebranche (5,6 Millionen Euro).

Schweizer mit verhältnismäßig geringsten Grundgehältern

Der Anteil der fixen Vergütung ist unter den Schweizer CEOs der Eurotop-Unternehmen mit 25 Prozent am niedrigsten. „Die höchsten Gesamtdirektvergütungen korrelieren mit den niedrigsten Grundgehältern wie in der Schweiz und Großbritannien. Hier haben Top-Manager weniger Garantie, aber durch die hohen variablen Anteile auch größere Chancen auf ein Spitzengehalt“, sagt Uder. Hohe Gesamtdirektvergütungen bestehen in der Regel zu mindestens zwei Dritteln aus variablen Bestandteilen. Der Anteil der gewährten Long-Term-Incentive-Pläne (LTI) ist mit 46 Prozent unter den britischen CEOs am höchsten.

Dagegen in Skandinavien wird deutlich mehr Gewicht auf die feste Vergütung gelegt (59 Prozent). Auf der anderen Seite müssen dort viele CEOs eigenes Geld in die Hand nehmen, um an den LTI-Plänen partizipieren zu können.

Unter vielen der europäischen Top-Unternehmen werden Teile der Bonusauszahlungen erst aufgeschoben ausbezahlt. Auch diese Vergütungskomponenten tragen zur nachhaltigen Ausgestaltung der Vergütung bei.

Änderungen durch neue Aktionärsrechterichtlinie

Einen frischen Wind in das Thema Offenlegung und Abstimmung der Aktionäre zum Thema Vorstandsvergütung wird die von der EU verabschiedete neue Aktionärsrichtlinie bringen, die in den kommenden zwei Jahren von den Mitgliedstaaten in lokale Gesetzgebung bis spätestens Juni 2019 eingebettet werden muss. Das wird, je nach aktueller Praxis in den einzelnen EU-Ländern, unterschiedlich starke Auswirkungen haben. „Wir empfehlen Unternehmen, sich rechtzeitig mit den neuen Anforderungen auseinander zu setzen und gemeinsam mit allen wichtigen Stakeholdern die jetzige Praxis zu überprüfen, um rechtzeitig gewappnet zu sein“, sagt Stephanie Schmelter, Managerin im Bereich Executive Compensation bei Willis Towers Watson.

Künftig müssen die deutschen Vergütungsberichte sehr viel präzisere und ausführlichere Angaben zur Ausgestaltung der Vergütung und dem Einhergehen zwischen der Vergütungspolitik und den tatsächlichen Auszahlungshöhen veröffentlichen. Der Fokus wird insbesondere auf der Schwankung der Vergütung mit der Performance des Unternehmens und das über mehrere Jahre liegen. Das macht einige Umstellungen notwendig, die schon jetzt begonnen werden sollten. „Aufgrund regulatorischer Anforderungen und der Anforderungen seitens der Vorgaben der Kodizes in den europäischen Ländern hat sich die Transparenz in den vergangenen Jahren deutlich gesteigert. Mit der Umsetzung der Aktionärsrechterichtlinie kommt nun der nächste entscheidende Schritt“, so Vergütungsexpertin Schmelter. Darüber hinaus werden die Aktionäre mit mehr Abstimmungsmacht ausgestattet und der Druck seitens Abstimmungsberatern wird steigen. Eine rechtzeitige Kommunikation und Diskussion kann an dieser Stelle helfen.

Zur Studie

Die Studie „CEO pay landscape in the Eurotop 100“ von Willis Towers Watson analysiert seit 2013 jährlich die Vergütungen der Vorstandsvorsitzenden der in Europa nach Marktkapitalisierung führenden Unternehmen. Für die Auswertung werden nur CEOs berücksichtigt, die über das gesamte Geschäftsjahr im Amt und deren Vergütungsinformationen in den jeweiligen Geschäftsberichten vollständig verfügbar waren. Die folgenden deutschen Unternehmen sind im Eurotop enthalten: Allianz, BASF, Bayer, BMW, Continental, Daimler, Deutsche Bank, Deutsche Post, Deutsche Telekom, Fresenius Medical Care, Henkel, Linde, Münchner Rück, SAP, Siemens, Volkswagen. Von der Auswertung ausgeschlossen wurden aufgrund unterjähriger CEO-Wechsel Bayer, Henkel und Linde.