Pressemitteilungen

Betriebsrentenstärkungsgesetz: Verhaltenes Echo bei Pensionskassen (Umfrage)

Nur ein Drittel plant Tarife ohne Garantien / Pensionskassensurvey von Willis Towers Watson

3. Juli 2017
| Deutschland

FRANKFRURT, 3. Juli 2017 – Pensionskassenvertreter stehen dem Betriebsrentenstärkungsgesetz eher zurückhaltend gegenüber. Dies zeigt eine Umfrage von Willis Towers Watson unter 23 Pensionskassen mit einer Bilanzsumme von insgesamt mehr als 36 Mrd. Mrd. Euro. Nur gut ein Fünftel (22 Prozent) sehen es als eine wichtige strategische Herausforderung. Knapp ein Viertel (24 Prozent) halten es für eine Chance für ihre eigene Einrichtung der bAV, während fast zwei Drittel (62 Prozent) darin weder eine Chance noch ein Risiko sehen. Die Hälfte (52 Prozent) erwartet keine Auswirkungen des Gesetzes für die eigene Einrichtung. Nur ein Drittel plant, konkret einen Tarif ohne Garantien einzuführen, während knapp die Hälfte (43 Prozent) diese Möglichkeit, die erst durch das BRSG in Deutschland neu eingeführt werden wird, explizit ablehnen.

„Für Unternehmen, die ihren Mitarbeitern noch gar keine bAV zur Verfügung stellen, bietet das Gesetz, das am 7. Juli auf der Agenda des Bundesrats steht, positive Impulse. Hingegen holt es die Unternehmen, die bereits eine bAV anbieten, noch nicht so recht ab“, berichtet Dr. Reiner Schwinger, Head of the Northern Europe Region von Willis Towers Watson. „Dies hat sich bereits in einer Umfrage unter Unternehmen im März gezeigt – und die Aussagen der Pensionskassen, die ja eine bestehende bAV für einzelne Unternehmen oder für Branchen durchführen, bestätigen dieses Bild“, so Schwinger. „Die Durchschlagskraft des neuen Gesetzes wird im Wesentlichen davon abhängen ob es gelingt mit dessen heute noch vorhandenen Widersprüchlichkeiten umzugehen und inwieweit die Tarifparteien auf das neue Angebot einsteigen.“

Regulierung und Niedrigzins als wichtigste Herausforderungen

Der Umfrage nach bereiten europäische Regulierungsanforderungen den Pensionskassen deutlich mehr Kopfzerbrechen als die bAV-Reform. „Die Debatte um Solvency II in der bAV ist zwar vom Tisch, aber das lange und mühevolle Ringen um eine sachgerechte Regulierung – und damit auch die Sorge vor neuen überzogenen Regulierungsinitiativen – bleibt allen Einrichtungen der bAV sicher noch lange in unguter Erinnerung“, vermutet Schwinger. Auch die eng gefassten nationalen aufsichtsrechtlichen Anforderungen mit Blick auf Berichtswesen und Stresstests machen den Pensionskassen mehr zu schaffen. Bei den jüngsten BaFin-Stresstests waren acht der 123 getesteten Pensionskassen durchgefallen.

Abb. 1: Wichtigste strategische Herausforderungen für Pensionskassen (neben dem anhaltenden Niedrigzinsumfeld) – aktuelle Angaben (lila) im Vergleich zum Vorjahr (grau). Quelle: Umfrage von Willis Towers Watson

 Towers Watson Media 

Auf der operativen Ebene sehen Pensionskassenvertreter vor allem eine kostengünstige Kapitalanlage und das Asset-Liability-Matching sowie notwendige Modernisierungen der IT-Infrastruktur als wichtigste Themen an. „Im Niedrigzinsumfeld bei schmalen Renditen rücken – nicht überraschend – die Kostenblöcke für den normalen bAV-Betrieb stärker in den Fokus“, so Schwinger.

Abb. 2: Wichtigste operative Herausforderungen für Pensionskassen (neben dem anhaltenden Niedrigzinsumfeld) – aktuelle Angaben (lila) im Vergleich zum Vorjahr (grau). Quelle: Umfrage von Willis Towers Watson

 Towers Watson Media

Vier Baustellen für Pensionskassen

Schwinger betont: „Auch nach der bAV-Reform bleiben für Pensionskassen vier wesentliche Baustellen erhalten“. Diese beschreibt er wie folgt:

  1. Bestände managen: Das heißt: auch in einem schwierigeren Kapitalmarktumfeld die Kapitalausstattungsvorschriften erfüllen.
  2. Kosten managen: Dabei werden Pensionskassen in Zukunft stärker auf integrierte Verwaltungs- und Kommunikationsplattformen setzen.
  3. Haftungsrisiken managen: Das betrifft die Haftung aus Garantien und – auch bei Tarifen ohne Garantie – die Haftung aus arbeitsrechtlichen Risiken und treuhänderischen Pflichten.
  4. Mit den Bruchstellen des Systems zurechtkommen: „Die Inkonsistenzen zwischen Steuer- und Abgabenrecht, aber auch das in Bezug auf die bAV inkonsistente Arbeitsrecht packt die Reform nicht an – hier besteht weiterer Reformbedarf.“

Über die Studie

Im April und Mai 2017 hatte Willis Towers Watson 23 – größtenteils BaFin-beaufsichtigte – Unternehmens-und Branchenpensionskassen zu ihren aktuell herausforderndsten Aufgaben und ihrer Einschätzung des geplanten Betriebsrentenstärkungsgesetzes befragt. Die Studienteilnehmer verfügen insgesamt über eine Bilanzsumme mehr als 36 Mrd. Mrd. Euro. Unter den 23 befragen Pensionskassen werden 17 von der BaFin beaufsichtigt. Ihre Bilanzsumme beträgt insgesamt mehr als 21 Mrd. Euro (das entspricht rund 14 Prozent der Gesamtbilanzsumme aller BaFin-beaufsichtigten Pensionskassen). Mehr als zwei Drittel aller befragten Pensionskassen (70 Prozent) betreiben weiterhin aktives Neugeschäft.