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Komplexes Reporting nach Solvency II gefährdet Investoren-Interesse an Versicherungsbranche

Solvency II zeigt Performance nur lückenhaft auf

11. Mai 2017
| Deutschland

KÖLN, 11. Mai 2017 — Der Versicherungssektor droht bei Investoren weiter ins Abseits zu geraten. Grund dafür ist Solvency II, das die Analyse der Ertragskraft und Profitabilität der Versicherer erschwert. Das ergab eine Auswertung der Solvency II Berichterstattung von 31 europäischen Versicherungsunternehmen, die Willis Towers Watson gemeinsam mit Autonomous Research durchgeführt hat. „Solvency II vergrößert die Lücke zwischen der Solvabilitätsberichterstattung und der Rechnungslegung“, erklärt Michael Klüttgens, Leiter der Versicherungsberatung bei Willis Towers Watson. „Bisher wurden diese Informationen durch die Embedded Value Veröffentlichungen abgedeckt, die aber heute von immer weniger Versicherern publiziert werden. Diese Lücke werden Versicherer künftig selbst schließen müssen.“

Die Analyse zeigt, dass Solvency II als Maß für Gewinnentwicklung und Cash Generierung zu kurz greift, um den Embedded Value zu ersetzen. Dies wird noch verschärft durch die Tatsache, dass auch der neue Rechnungslegungsstandard IFRS 17 für Versicherungsverträge noch lange nicht umgesetzt ist und frühestens ab 2020 greifen wird.

Ein Schritt vor – zwei zurück

„Solvency II gibt eine bessere Sicht auf die Kapitaladäquanz europäischer Versicherer und zeigt zudem Risiken im Bereich der Dividenden oder Kapitalausstattung auf. Das ist ein Fortschritt. Allerdings wird die Perspektive von Investoren zu wenig berücksichtigt“, sagt Andrew Crean, Managing Partner bei Autonomous Research. „Sie haben es schwerer, die Ertragskraft und die Nachhaltigkeit der Dividenden eines Versicherers abzuschätzen – das wirft die Versicherer direkt wieder zwei Schritte zurück.“

Versicherer müssen Investoren jetzt den Weg ebnen

Versicherer seien aufgerufen, proaktiv die Unternehmensentwicklung – unter Solvency II, IFRS und dem Embedded Value – aufzuzeigen. „Hierfür haben wir standardisierte Templates zur Erfassung dieser Größen entwickelt. Diese können helfen, den Informationsbedarf der Analysten wieder gerecht zu werden“, so Klüttgens. „Nur durch einheitliche Darstellung von Zusatzinformationen schaffen Versicherer in den kommenden Jahren die notwendige Transparenz.“

Über den Report: ein Jahr lang Solvency II

In einer gemeinsamen Publikation von Willis Towers Watson und Autonomous wurden die Solvency-II-Statements von 31 europäischen Versicherern durch die Verwendung eines einzigen Templates analysiert, um den disparaten und unvollständigen Zustand der geltenden Offenlegungspflicht herauszustellen. Weder die von Solvency II für Mai oder Juni vorgesehenen „SFCR“-Offenlegungen (Solvency and Financial Condition Reports) noch die Langzeit-Reform von IFRS werden den Anforderungen von Investoren genügen. Die Analyse mündet in der Empfehlung für Versicherer, Solvency II als Metrik für Gewinnentwicklung und Wertschöpfung durch standardisierte Templates zu ergänzen.

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