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Personalmanager zwischen Regulierung und Digitalisierung

16. März 2017
| Deutschland

FRANKFURT, 16. März 2017 – Für die Banken- und Versicherungsbranche ist das Personalmanagement im Vergleich zu anderen Industrien schon seit jeher komplexer gewesen. In den vergangenen zehn Jahren, also seit dem Bestehen der HR Branchen- und Versicherungskonferenz, hat sich dies verdichtet. „Die Finanzkrise hat sicherlich die eine oder andere Entwicklung beschleunigt – doch die Hauptherausforderungen für die Personalmanager heißen Regulierung, Digitalisierung und der Wettbewerb um Talente in einem sich stark verändernden Umfeld“, sagt Martin Emmerich, Director Financial Services Practice Western Europe bei Willis Towers Watson und fügt hinzu: „Den Fokus legten sie hierbei in den vergangenen zehn Jahren eindeutig auf die Automatisierung von Prozessen.“ Bei einer Umfrage unter den rund 100 teilnehmenden Personalexperten aus der Banken und Versicherungsbranche nannten 57 Prozent diesen als den stärksten Digitalisierungstreiber für ihre Arbeit. Für 35 Prozent sind die neuen Anforderungen an das Management von Mitarbeitern am wichtigsten und für 8 Prozent die neuen Anforderungen an die Bewerberprofile.

Der digitale Wandel ist nicht nur in den Köpfen verankert. Auf die Frage, inwieweit die Personalmanager den Einfluss der Digitalisierung auf die Arbeitswelt bereits Rechnung tragen, antwortete lediglich eine deutliche Minderheit von 4 Prozent, dass dies vorerst nicht auf ihrer Agenda stehe. Die deutliche Mehrheit mit einem Anteil von 71 Prozent ist dabei, ihre HR-Programme zu digitalisieren. Das sind 14 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr (57 Prozent). Der Anteil derer, die immer noch in der Planung stecken, ist mit 25 Prozent deutlich gesunken. „Das sind 15 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr und zeigt, dass dieses Thema spürbar an Bedeutung gewonnen hat “, sagt Emmerich.

Ein Hauptthema für die Personalverantwortlichen in Banken ist das Thema Institutsvergütungsverordnung. Der finale Entwurf wurde von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistung (BaFin) am 19. Januar veröffentlicht. Bislang fehlt die endgültige Fassung und die Auslegungshilfe. Willis Towers Watson hat zudem Banken befragt, von denen mehr rund 90 Prozent als bedeutend eingestuft sind. Insgesamt deckt die Umfrage mehr als 40 Prozent der laut Bilanzsumme als bedeutend geltenden Banken in Deutschland ab. Wie diese Studie zeigt, besteht noch Anpassungsbedarf bei der Identifizierung von Risk Takern – also Mitarbeiter, deren Tätigkeit einen maßgeblichen Einfluss auf das Risikoprofil des Instituts haben. „Bei der Risk-Taker-Analyse müssen zusätzliche, interne Kriterien, die die allgemeinen Kriterien der European Banking Authority (EBA) ergänzen sollen, angewendet werden. Doch erst gut ein Fünftel der befragten Institute nutzt bereits diese Zusatzkriterien“, sagt Florian Frank, verantwortlich für den Bereich Rewards bei Willis Towers Watson.

Eine wichtige Änderung im Zuge der IVV-Novelle ist die Einführung von Rückforderungen für bereits gewährte Bonuszahlungen, den sogenannten Clawbacks. Diese werden mit Inkrafttreten der neuen Institutsvergütungsverordnung vorgeschrieben. Zwar waren Clawbacks in der Capital Requirements Directive (CRD) zwar bereits vorgeschrieben. Doch in der deutschen Vergütungslandschaft wurden sie bisher nicht umgesetzt. Lediglich 14 Prozent der befragten Institute hatten bereits vor 2017 interne Clawback-Regelungen. „Das Hauptargument der Gegner von Clawbacks sind Vorbehalte wegen der arbeitsrechtlichen Durchsetzbarkeit, sollte es tatsächlich einmal zur Rückforderung von bereits gezahlter variabler Vergütung kommen“, sagt Frank. Wie die Umfrage auch zeigt wird reagiert. Die überwiegende Mehrheit (63 Prozent) der befragten Institute gab an, Clawbacks im Rahmen individueller vertraglicher Vereinbarungen einzuführen. Lediglich ein Viertel der Institute plant allgemeine Zusatzvereinbarungen zum Vergütungssystem, die kollektiv geschlossen werden sollen. Die restlichen Institute sind von dieser Vorgabe nicht betroffen.

Druckfähige Bilder der Veranstaltung sind auf Anfrage verfügbar.