Deutsche Vorstände im Mittelfeld

Vergütungen der Top-Manager im DAX liegen 21 Prozent unter dem europäischen Niveau

21. September 2016

FRANKFURT, 21. September 2016 — Die Vorstandsvorsitzenden deutscher Unternehmen haben 2015 im Median weniger verdient als ihre Kollegen in Europas 100 größten Unternehmen. Das geht aus der Studie „CEO pay landscape in the Eurotop 100“ von Willis Towers Watson hervor, die jährlich die Gesamtdirektvergütungen von Chief Executive Officers (CEOs) des letzten Geschäftsjahres in den nach Marktkapitalisierung führenden Unternehmen untersucht. Während 2015 im Vergleich zum Vorjahr die Vergütungen der CEOs in Europa im Median um rund sechs Prozent von 5,4 auf 5,8 Millionen Euro anstiegen, sanken diese in den DAX-Unternehmen von 5,1 auf 4,5 Millionen Euro.

Deutschland auf Platz vier

Deutschland rangiert im europäischen Vergleich auf Platz vier. Danach folgen Frankreich, die Benelux-Staaten, Italien und die nordeuropäischen Länder. Am besten werden Top-Manager in der Schweiz bezahlt. Ihre Gesamtdirektvergütung stieg im Mittel im Vergleich zum Vorjahr um 14,7 Prozent. Mit 8,8 Millionen Euro liegen sie 52 Prozent über dem Median der untersuchten europäischen Unternehmen. Danach folgt Spanien mit 7,2 Millionen Euro und Großbritannien mit 6,8 Millionen Euro.

Die analysierte Gesamtdirektvergütung für ein Jahr setzt sich aus folgenden Bestandteilen zusammen: dem festen Grundgehalt, dem ausbezahlten Bonus, aufgeschobenen Bonuszahlungen (Deferral) sowie aus der langfristig gewährten variablen Vergütung.

Der Anteil der fixen Vergütung ist in Ländern wie der Schweiz am niedrigsten, obwohl dort die höchste Gesamtdirektvergütung bezahlt wird. Hohe Gesamtdirektvergütungen bestehen in der Regel zu mindestens zwei Dritteln aus variablen Bestandteilen. Der Anteil der gewährten Long-Term-Incentive-Pläne (LTI) ist mit 47 Prozent in Großbritannien am höchsten. „Eine höhere Vergütung geht mit höheren variablen und insbesondere langfristigen Elementen und somit auch mehr Risiko einher“, erläutert Helmuth L. Uder, Leiter des Beratungssegments Talent & Rewards bei Willis Towers Watson. Die durchschnittliche Vergütungsstruktur im DAX entspricht mit Blick auf die mehrjährigen Vergütungselemente dem europäischen Schnitt.

Die höchste Gesamtdirektvergütung eines deutschen CEO liegt auf Platz neun

Den ersten Platz mit Blick auf die Gesamtdirektvergütung belegte 2015 Rakish Kapoor, CEO von Reckitt Benckiser, mit knapp 21 Millionen Euro. Danach folgen Carlos Brito, CEO von Anheuser Busch, mit knapp 14 Millionen Euro und Sergio Ermotti, CEO der UBS, mit 13,1 Millionen Euro. Einziger deutscher CEO unter den vorderen zehn Plätzen ist Dr. Dieter Zetsche von Daimler mit 9,7 Millionen auf Rang neun.

Die deutschen Unternehmen zählen allerdings gemessen an ihrer Marktkapitalisierung nicht zu den größten Unternehmen Europas und finden sich hier erst ab dem 17. Platz wieder. Gemessen an Umsatz und Mitarbeiteranzahl ändert sich das Bild aber: Daimler ist mit Platz vier das umsatzstärkste deutsche Unternehmen unter den Eurotop 100. Zudem belegen nach Mitarbeiteranzahl die Deutsche Post, Siemens und Daimler den ersten, dritten und fünften Rang in der Liste der Eurotop 100.

Nach Branchen betrachtet ergeben sich deutliche Unterschiede. Am besten zahlen unter den größten europäischen Unternehmen die Pharma- und die Konsumgüterindustrie (plus 81 und plus 31 Prozent im Vergleich zum Median der Eurotop 100-Unternehmen).

Boni im DAX rückläufig und häufig aufgeschoben in der Auszahlung

Bei der Bemessung des Bonus stehen in Europa Gewinn- und Renditegrößen im Vordergrund. Diese werden häufig um nicht-finanzielle Leistungskennzahlen und die individuelle Leistung ergänzt. Während die Höhe der ausbezahlten Boni in den Unternehmen anderer europäischer Länderindizes entweder stabil geblieben (FTSE-100-Unternehmen) oder angestiegen (CAC 40, AEX, SLI) ist, ging sie in den DAX-Unternehmen zurück. 58 Prozent der europäischen und 53 Prozent der DAX-Unternehmen sehen für die kurzfristigen variablen Vergütungssysteme einen Aufschub der Auszahlung vor. „Diese verpflichtenden Deferrals schaffen mehr Nachhaltigkeit und Langfristigkeit bei der Vergütung“, erklärt Stephanie Schmelter, Manager im Bereich Executive Compensation bei Willis Towers Watson.

Cash-Pläne in Deutschland beliebt

Bei der langfristig variablen Vergütung sind bei den DAX-Unternehmen Performance Share Units gemeinsam mit Cash-Plänen am stärksten verbreitet. „In Deutschland geht der Trend weiterhin zur Kombination von zwei verschiedenen LTI-Instrumenten. In keinem anderen europäischen Land werden zudem Long-Term-Cash-Pläne so häufig verwendet wie hier“, sagt Schmelter. Allerdings gewinnen aktienbasierte LTI-Pläne wieder an Beliebtheit.

Regulatorik weiterhin bestimmendes Thema

Die regulatorischen Entwicklungen setzen nach wie vor die Rahmenbedingungen für die europäische Vorstandsvergütung. Insbesondere die Abstimmung über Vergütungsmodelle in Hauptversammlungen (Say-on-Pay), Vergütungsbegrenzungen oder der Fokus auf die Entwicklung des langfristigen Unternehmenswerts werden weiterhin in der europäischen Politik viel diskutiert. Auch der anhaltende Druck auf die Offenlegungspraxis sowie der steigende Einfluss von Aktionären und Proxy Advisors, die institutionelle Investoren durch eine Abstimmungsempfehlung unterstützen, wirken sich zusätzlich auf die Gestaltung der Vergütungsmodelle aus. „Negative Abstimmungsempfehlungen der Proxy Advisor konzentrierten sich im vergangenen Jahr vor allem auf das Thema ,Pay-for-Performance‘. Außerdem werden sich auch die Auswirkungen der Brexit-Entscheidung bemerkbar machen“, sagt Helmuth L. Uder, Leiter des Beratungssegments Talent & Rewards bei Willis Towers Watson. Die neue britische Premierministerin hat bereits vorgeschlagen, übermäßige hohe Vorstandvergütungen einzudämmen und unter anderem die Transparenz bei der Vergütung weiter zu verbessern sowie ein Vergütungsverhältnis zwischen CEO und durchschnittlichem Arbeitnehmer einzuführen.

Enthaltene Unternehmen aus Deutschland

Unter den deutschen Unternehmen wurden SAP, Siemens, Bayer, Deutsche Telekom, BASF, Daimler, Allianz*, Henkel, BMW*, Deutsche Post, Munich Re, Linde, E.ON und die Deutsche Bank untersucht. Die diesjährige Studie „CEO pay landscape in the Eurotop 100“ ist die vierte in Folge und analysiert die im FTSE Eurotop 100 gelisteten Unternehmen, die ihren Vergütungsbericht bis zum 31. Juli 2016 veröffentlicht haben. In der Auswertung wurden ausschließlich CEOs berücksichtigt, die über das gesamte Geschäftsjahr im Amt waren und deren Vergütungsinformationen vollständig verfügbar waren.

*Nicht in der Analyse der Vergütungshöhe enthalten.

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