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Pressemitteilungen

DAX-Pensionswerke in volatilem Marktumfeld stabil gemanagt

Studie von Willis Towers Watson

Retirement|Investments
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26. März 2019

Pensionsverpflichtungen der DAX-Firmen gesunken. Geänderte Indexzusammensetzung und Kapitalmarkt drücken Pensionsvermögen. Ausfinanzierungsgrad dennoch nahezu konstant.

FRANKFURT AM MAIN, 26. März 2019 — Die Pensionsverpflichtungen der DAX-Unternehmen sind 2018 um 4,7 Prozent auf 364 Milliarden Euro (2017: 382 Milliarden Euro) gesunken. Etwas stärker gaben die Pensionsvermögen nach: um 5,4 Prozent auf 244 Milliarden Euro (2017: 258 Milliarden Euro). Die Veränderungen sind zum einen auf größere Unternehmenstransaktionen sowie eine geänderte Zusammensetzung des DAX zurückzuführen. Zum anderen führte eine schwierige Lage am Kapitalmarkt zu negativen Erträgen aus den Pensionsvermögen. Der spezifische Ausfinanzierungsgrad blieb dank eines sorgsamen Managements der Pensionswerke dennoch nahezu stabil. Er sank 2018 im Vergleich zum Vorjahr um einen Prozentpunkt auf 67 Prozent. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie „DAX Pensionswerke 2018“ von Willis Towers Watson.

„Die DAX-Unternehmen setzen auf eine gute bAV im Wettbewerb um gute Mitarbeiter – und sie managen ihre Pensionswerke professionell. Das zahlt sich gerade in engen Personalmärkten und einem volatilen Kapitalmarktumfeld aus“, sagt Dr. Heinke Conrads, Leiterin Retirement Deutschland und Österreich bei Willis Towers Watson. Conrads führt aus: „Mitarbeiter erwarten, dass ihr Arbeitgeber sie bei der Altersversorgung unterstützt. Unternehmen, die darauf eingehen, haben es leichter, Mitarbeiter zu gewinnen und sie auch langfristig im Unternehmen zu behalten. Die Bedeutung einer guten bAV als wirksames Instrument der Personalpolitik ist in jüngster Zeit noch einmal deutlich gestiegen. Und gerade in schwierigeren Zeiten am Kapitalmarkt bewährt sich eine wetterfeste Aufstellung der Pensionswerke.“

bAV als bedeutender Posten in der Bilanz

Im Durchschnitt belaufen sich die Pensionsverpflichtungen auf rund 15 Prozent und die Pensionsvermögen auf rund zehn Prozent der Bilanzsumme der DAX-Unternehmen. Dass die bAV einen sehr hohen Stellenwert bei Unternehmen hat, ist darüber hinaus an den hohen Dotierungen abzulesen: Insgesamt wurden 2018 rund 11,8 Milliarden Euro in die Pensionswerke dotiert – etwas weniger als 2017 (13,0), aber mehr als 2016 (10,6 Milliarden Euro). 

Neue Impulse durch BRSG

Im Zuge des Betriebsrentenstärkungsgesetzes (BRSG) planen zahlreiche Unternehmen, ihre betriebliche Altersversorgung anzupassen. Dabei wurde die neue reine Beitragszusage viel diskutiert. Allerdings zeigen sich die Unternehmen im Hinblick auf eine konkrete Umsetzung bislang sehr verhalten. Reformbedarf besteht auch nach dem BRSG weiterhin. So verharrt z.B. der steuerliche Rechnungszins mit sechs Prozent seit vielen Jahren deutlich über dem Marktniveau. 

Lebenserwartung steigt – Pensionsverpflichtungen steigen mit

Angepasst wurden 2018 hingegen die Berechnungsgrundlagen für die bAV auf Basis neuer Statistiken. Weil die Lebenserwartung der Menschen weiter steigt, steigen auch die Pensionsverpflichtungen – allerdings um überschaubare ein bis zwei Prozent. Hanne Borst, Leiterin Actuarial Consulting bei Willis Towers Watson Deutschland erläutert: „Die allgemeinen Sterbetafeln bilden eine robuste Berechnungsgrundlage. Insbesondere größere Unternehmen schauen sich aber ihre Belegschaften genau an und erarbeiten unternehmensindividuelle Berechnungsgrundlagen, um die Zahlungsströme bestmöglich planbar zu machen.“ Fünf DAX-Unternehmen haben im Jahresabschluss 2018 unternehmensspezifische Richttafeln angewandt.

Hintergrundinformationen zur Studie

Die Studie „DAX-Pensionswerke 2018“ basiert auf den Geschäftsberichten der DAX-Unternehmen, einschließlich der Anhangsangaben zu den Pensionsverpflichtungen sowie weiterer öffentlich zugänglicher Daten. Per 25. März 2019 hatten 28 Indexmitglieder ihre Zahlen für das Geschäftsjahr 2018 vorgelegt. Bei Linde und Wirecard, deren aktuelle Daten noch nicht veröffentlicht sind, hat Willis Towers Watson die Vorjahreswerte berücksichtigt und damit Hochrechnungen durchgeführt. Die der Auswertung zugrunde liegende Willis-Towers-Watson-Datenbank ermöglicht Vergleiche bis ins Jahr 1999.

Glossar

Pensionsverpflichtungen: Die Pensionsverpflichtungen umfassen den Wert der Leistungen, insbesondere Rentenzahlungen, die Unternehmen an ihre aktuellen und künftigen Betriebsrentner zu leisten haben. In den Bilanzen werden die künftigen Zahlungen mit dem Wert erfasst, den das Unternehmen heute zahlen müsste (Barwert), wenn es die von den begünstigten Mitarbeitern bereits erdiente Verpflichtung sofort vollständig begleichen wollte.

Der heutige Gegenwert der Verpflichtung (Barwert) wächst durch weitere erdiente Komponenten sowie durch Zins und Zinseszins bis zum Auszahlungsdatum auf die Höhe des versprochenen Auszahlungswerts an. Dabei orientiert sich der in der internationalen Bilanzierung anzusetzende Zinssatz an der Umlaufrendite von Anleihen guter Bonität (Rechnungszins). 

Ändert sich diese Umlaufrendite, ändert sich auch der für die Berechnung des Barwerts zugrunde zu legende Zinssatz. In der Folge ändert sich auch der in der Bilanz anzusetzende heutige Gegenwert der Pensionsverpflichtungen – er steigt, wenn der Rechnungszins sinkt bzw. er sinkt, wenn der Rechnungszins steigt. 

Der Betrag der für die Zukunft zugesagten Rentenzahlung ändert sich dadurch nicht.

Rechenbeispiel: Ein Unternehmen sagt einem heute 55-jährigen Mitarbeiter zu, ihm bei Rentenbeginn mit 65 Jahren einmalig ein Kapital in Höhe von 10.000 Euro auszuzahlen. Bei einem Rechnungszins von 3,5 Prozent müsste es heute hierfür (unter der Annahme, dass die Leistung mit Sicherheit nach zehn Jahren abgerufen wird) eine Zahlungsverpflichtung in Höhe von 7.089 Euro in seiner Bilanz ansetzen. Beträgt der Rechnungszins hingegen nur niedrigere 2 Prozent, müsste es einen deutlich höheren Verpflichtungsumfang (8.203 Euro) – immerhin 16 Prozent mehr angeben. Trotz der unterschiedlichen Verpflichtungsangaben in der Bilanz lautet das künftige Zahlungsversprechen weiterhin auf 10.000 Euro.

Zusätzlich fließen – je nachdem, ob das Unternehmen seinen Mitarbeitern beispielsweise eine lebenslange Rente oder eine einmalige Kapitalzahlung im Ruhestand versprochen hat – weitere Faktoren, wie etwa die statistische Lebenserwartung oder die Inflation, in die Berechnung ein.

Pensionsspezifische Vermögenswerte / Planvermögen: Als so genanntes Planvermögen gelten die Vermögenswerte, die explizit für die Zahlung der Pensionsverpflichtungen reserviert und insolvenzgeschützt vom Vermögen des Unternehmens getrennt sind (Anforderungen nach dem Rechnungslegungsstandard IAS 19). Vermögenswerte, die allein durch die Bildung von Pensionsrückstellungen im Unternehmen gebunden wurden, zählen nach diesen strengen Vorschriften nicht als Planvermögen.

Ausfinanzierungsgrad (Deckungsgrad): Der Ausfinanzierungsgrad ist der Quotient aus Planvermögen und Pensionsverpflichtungen. Verändern sich diese Werte in gegenläufiger Richtung, beeinflusst dies den Ausfinanzierungsgrad. In der Langzeitbetrachtung zeigt sich, dass der Ausfinanzierungsgrad im Jahresvergleich meist geringfügig schwankt. Jedoch haben Unternehmen in der vergangenen Dekade die speziell für die Zahlung künftiger Betriebsrenten reservierten Vermögenswerte stetig ausgebaut – ein Trend, der nach Einschätzung von Willis Towers Watson weiter anhalten wird.