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Update: DAX-Pensionswerke trotzen dem Niedrigzinsumfeld

Willis Towers Watson Studie „DAX-Pensionswerke 2016”

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28. März 2017

Trotz wechselhaften wirtschaftlichen Umfelds blieb der Ausfinanzierungsgrad der DAX-Pensionswerke in den letzten Jahren nahezu stabil. Willis-Towers-Watson-Studie

FRANKFURT AM MAIN, 28. März 2017 — Die Pensionsverpflichtungen der DAX-Unternehmen sind 2016 um 9,7 Prozent auf 397 Mrd. Euro gestiegen (2015: 362 Mrd. Euro). Für den Anstieg sorgte der IAS-Rechnungszins, der im Median um 70 Basispunkte auf 1,8 Prozent gesunken war. Die Pensionsvermögen wuchsen dank guter Erträge und substanzieller Dotierungen im gleichen Zeitraum um 6,1 Prozent auf 250 Mrd. Euro (2015: 236 Mrd. Euro). Damit blieb der spezifische Ausfinanzierungsgrad mit 63 Prozent auch in dem herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld nahezu konstant (2015: 65 Prozent). Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „DAX-Pensionswerke 2016“ von Willis Towers Watson, die auf den Geschäftsberichten der 30 DAX-Unternehmen, einschließlich der Anhangsangaben zu den Pensionsverpflichtungen sowie weiteren öffentlich zugänglichen Daten, beruht.

„Die guten Erträge auf die Pensionsvermögen zeigen, dass die DAX-Unternehmen im Anlage- und Risikomanagement gut aufgestellt sind. So ist es ihnen gelungen, ihre Pensionswerke solide durch ein herausforderndes wirtschaftliches Umfeld zu steuern“, erklärt Dr. Thomas Jasper, Leiter Retirement bei Willis Towers Watson.

Finanzierungsstrategien langfristig konstant

Der bAV-Experte weist auf einen weiteren Punkt hin: „Obwohl das Marktumfeld in den vergangenen zehn Jahren durchaus wechselhaft war, lag der Ausfinanzierungsgrad, also das Verhältnis von Pensionsverpflichtungen und spezifisch reservierten Pensionsvermögen, immer relativ konstant bei etwa 60 bis 65 Prozent. Der restliche Verpflichtungsumfang ist durch das Unternehmensvermögen gedeckt. An dieser langfristig konstanten Aufteilung lässt sich ablesen, dass die Unternehmen ihre bAV-Finanzierungsentscheidungen fundiert getroffen haben und konsequent fortführen.“ Jasper führt weiter aus: „Die Unternehmen entscheiden sich – je nach Geschäftsmodell und der damit verbundenen Finanzierungsstrategie – zum Teil für spezifisch reservierte, aus dem restlichen Unternehmensvermögen ausgegliederte Pensionsvermögen. Zum Teil setzen sie auch auf eine unternehmensinterne Finanzierung der Pensionsverpflichtungen. Sie nutzen damit den zielführenden Gestaltungsspielraum, den das deutsche Betriebsrentenrecht ihnen bietet – das kommt der bAV insgesamt zugute.“

Planvermögen mit guten Erträgen und substanziellen Dotierungen

Auf der Anlageseite konnten die DAX-Unternehmen mit ihrer Kapitalallokation eine gute Rendite in Höhe von 9,7 Prozent verbuchen: Darüber hinaus stärkten die Unternehmen ihre Pensionswerke mit Dotierungen in Höhe von 10,6 Mrd. Euro. Insgesamt stieg das Planvermögen auf 250 Mrd. Euro. Dr. Heinke Conrads, Director Actuarial Consulting bei Willis Towers Watson, erläutert: „Die Unternehmen setzen nach wie vor nicht zuletzt auf die bAV als Pluspunkt für die Mitarbeitergewinnung und -bindung und investieren deshalb substanzielle Beträge für die Alterssicherung ihrer Mitarbeiter. Auch daran lässt sich die Bedeutung der betrieblichen Altersversorgung für die Unternehmen ablesen.“

Verpflichtungsumfang zinsbedingt gestiegen

Im Jahresverlauf 2016 sank der Rechnungszins, der für die Bewertung der Pensionsverpflichtungen zugrunde gelegt wird, um 70 Basispunkte auf 1,8 Prozent. In der Folge stieg der Wert der in den Geschäftsberichten für die Pensionsverpflichtungen anzugeben ist, um 9,7 Prozent auf 397 Mrd. Euro. Da die spezifisch für die Pensionszahlungen reservierten Vermögenswerte nicht in gleichem Maße wuchsen, sank der Ausfinanzierungsgrad – das Verhältnis von Pensionsverpflichtungen und Pensionsvermögen – leicht auf 63 Prozent (2015: 65 Prozent). Der Betrag der für die Zukunft zugesagten Rentenzahlungen ändert sich dadurch nicht.

„Im internationalen Vergleich setzen die DAX-Unternehmen stärker auf die unternehmensinterne Finanzierung ihrer Pensionsverpflichtungen. In Großbritannien oder den USA hingegen besteht beispielsweise eine Pflicht zur Ausfinanzierung“, sagt Conrads. „Daher liegt der Ausfinanzierungsgrad dort traditionell höher.“ Bei den Fortune-1000-Unternehmen sind es aktuell 80 Prozent.

Mittelstand setzt traditionell stärker auf unternehmensinterne Finanzierung

„Beim Blick auf die Pensionswerke der größten Unternehmen in Deutschland sollte man jedoch nicht aus den Augen verlieren, dass die bAV auch im Mittelstand eine lange Tradition hat“, berichtet bAV-Experte Jasper. Der Mittelstand in Deutschland ist bislang Pensionsverpflichtungen in Höhe von etwa 25 Mrd. Euro eingegangen, denen – im Vergleich zu DAX-Unternehmen – weniger spezifisch reserviertes Pensionsvermögen gegenüber steht. „Hier ist die unternehmensinterne Finanzierung deutlich stärker verbreitet“, so Jasper. Angesichts des Niedrigzinsumfelds erwägen mehr als drei Viertel der Unternehmen im Mittelstand eine Neuausrichtung ihres innenfinanzierten Versorgungswerks, wie eine weitere Studie, die Mittelstandsstudie von Willis Towers Watson, zeigt. „Hier sind für die kommenden Jahre also viele Veränderungen zu erwarten“, erklärt Jasper.

bAV-Reform: Positive, aber erklärungsbedürftige Impulse

Für die Neueinführung von betrieblichen Pensionsplänen wird das geplante Betriebsrentenstärkungsgesetz einige positive Impulse bieten. Jasper kommentiert: „Jetzt ist es an den Unternehmen, diese Impulse im Sinne einer weiteren Verbreitung der bAV zu nutzen.“ Der bAV-Experte begrüßt insbesondere die Möglichkeit des so genannten Opting-out. Solche bAV-Modelle, in denen die Mitarbeiter automatisch für die Beteiligung am Pensionsplan angemeldet werden, jedoch austreten können, sofern sie dies wünschen, wurden in Deutschland bislang selten in die Praxis umgesetzt. „Sie können jedoch wesentlich zu einer weiteren Verbreitung der bAV beitragen und treffen auch auf das Interesse der Mitarbeiter“, so Jasper. Auch die reine Beitragszusage ohne Garantien kann – gerade im Niedrigzinsumfeld – aus Unternehmenssicht eine zielführende Lösung sein. Sie steht aber weniger im Einklang mit den Interessen der Mitarbeiter, die Sicherheit und Garantien bevorzugen. Jasper betont: „Bei der Gestaltung von Pensionsplänen sollte auch die Mitarbeiterperspektive berücksichtigt werden, damit sie die Mitarbeiterbindung und -gewinnung tatsächlich wirksam unterstützen können. Das stellt Pensionspläne ohne Garantien vor nicht zu unterschätzende kommunikative Herausforderungen.“

Viele bestehende bAV-Probleme werden durch die Reform allerdings nicht gelöst. Die Unternehmen, die bereits Pensionspläne anbieten, reagieren daher auch verhalten auf den Reformentwurf. Fast zwei Drittel (61 Prozent) sagen, dass die Reform die bAV wohl „weder stärken noch schwächen“ werden, wie eine Umfrage von Willis Towers Watson ergab. „Hier besteht weiterer Reformbedarf“, so Jasper. Der bAV-Experte mahnt allerdings, bei der Veränderungsdebatte nicht aus den Augen zu verlieren, dass bereits sehr viele Unternehmen sehr gute betriebliche Pensionspläne anbieten. „Der Deutsche bAV-Preis 2017 hat gerade wieder einmal gezeigt, dass in den vergangenen Jahren sehr vielfältige, gelungene und treffsichere bAV-Modelle in den Unternehmen implementiert wurden – sowohl in DAX-Unternehmen, als auch im Mittelstand.“

Hintergrundinformationen zur Studie

Die Studie „DAX-Pensionswerke 2016“ basiert auf den Geschäftsberichten der DAX-Unternehmen, einschließlich der Anhangsangaben zu den Pensionsverpflichtungen sowie weiterer öffentlich zugänglicher Daten. Per 24. März 2017 haben 30 Indexmitglieder ihre Zahlen für das Geschäftsjahr 2016 vorgelegt. Die der Auswertung zugrunde liegende Willis-Towers-Watson-Datenbank ermöglicht Vergleiche bis ins Jahr 1999.

Glossar

Pensionsverpflichtungen: Die Pensionsverpflichtungen umfassen den Wert der Leistungen, insbesondere Rentenzahlungen, die Unternehmen an ihre aktuellen und künftigen Betriebsrentner zu leisten haben. In den Bilanzen werden die künftigen Zahlungen mit dem Wert erfasst, den das Unternehmen heute zahlen müsste (Barwert), wenn es die Verpflichtung sofort vollständig ausfinanzieren wollte. Der heutige Gegenwert der Verpflichtung (Barwert) wächst durch Zins und Zinseszins bis zum Auszahlungsdatum auf die Höhe des versprochenen Auszahlungswerts an. Dabei orientiert sich der Zinssatz an der Umlaufrendite von Anleihen guter Bonität (Rechnungszins).

Ändert sich diese Umlaufrendite, ändert sich auch der für die Berechnung des Barwerts zugrunde zu legende Zinssatz. In der Folge ändert sich auch der in der Bilanz anzusetzende heutige Gegenwert der Pensionsverpflichtungen – er steigt, wenn der Rechnungszins sinkt bzw. er sinkt, wenn der Rechnungszins steigt.

Der Betrag der für die Zukunft zugesagten Rentenzahlung ändert sich dadurch nicht.

Rechenbeispiel: Ein Unternehmen sagt einem heute 55-jährigen Mitarbeiter zu, ihm bei Rentenbeginn mit 65 Jahren einmalig ein Kapital in Höhe von 10.000 Euro auszuzahlen. Bei einem Rechnungszins von 3,5 Prozent müsste es heute hierfür (unter der Annahme, dass die Leistung mit Sicherheit nach zehn Jahren abgerufen wird) eine Zahlungsverpflichtung in Höhe von 7.089 Euro in seiner Bilanz ansetzen. Beträgt der Rechnungszins hingegen nur niedrigere 2 Prozent, müsste es einen deutlich höheren Verpflichtungsumfang (8.203 Euro) – immerhin 16 Prozent mehr angeben. Trotz der unterschiedlichen Verpflichtungsangaben in der Bilanz lautet das künftige Zahlungsversprechen weiterhin auf 10.000 Euro.

Zusätzlich fließen – je nachdem, ob das Unternehmen seinen Mitarbeitern beispielsweise eine lebenslange Rente oder eine einmalige Kapitalzahlung im Ruhestand versprochen hat – weitere Faktoren, wie etwa die statistische Lebenserwartung, in die Berechnung ein.

Pensionsspezifische Vermögenswerte / Planvermögen:Als so genanntes Planvermögen gelten die Vermögenswerte, die explizit für die Zahlung der Pensionsverpflichtungen reserviert und insolvenzgeschützt vom Vermögen des Unternehmens getrennt sind (Anforderungen nach dem Rechnungslegungsstandard IAS 19). Vermögenswerte, die allein durch die Bildung von Pensionsrückstellungen im Unternehmen gebunden wurden, zählen nach diesen strengen Vorschriften nicht als Planvermögen.

Ausfinanzierungsgrad (Deckungsgrad):Der Ausfinanzierungsgrad ist der Quotient aus Planvermögen und Pensionsverpflichtungen. Verändern sich diese Werte in gegenläufiger Richtung, beeinflusst dies den Ausfinanzierungsgrad. In der Langzeitbetrachtung zeigt sich, dass der Ausfinanzierungsgrad im Jahresvergleich meist geringfügig schwankt. Jedoch haben Unternehmen in der vergangenen Dekade die speziell für die Zahlung künftiger Betriebsrenten reservierten Vermögenswerte stetig ausgebaut – ein Trend, der nach Einschätzung von Willis Towers Watson weiter anhalten wird.

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