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MARKTspot 2019 – Die aktuelle Situation im Versicherungsmarkt

Industrieversicherungen im Fokus

Casualty|Property
N/A

Von Fabian Desch | 6. Juni 2019

Das Versicherungsjahr 2018 war geprägt durch negative Schaden-Kosten-Quoten in der Sachversicherung – primär ausgelöst durch Naturgefahren wie Orkantief Friederike. Standardisierung, Digitalisierung und Automatisierung bleiben neben der Profitabilitätssteigerung ein wichtiges Thema in der Versicherungsbranche.

Allein die Naturgefahren Sturm, Hagel und Starkregen belasteten in 2018 die Sachversicherung mit einer Schadenshöhe von 2,7 Milliarden Euro. Gleich zu Beginn des Jahres verursachte der Orkan Friederike Schäden in einer Gesamthöhe von über einer Milliarde Euro. Mit drei Prozent Verschlechterung der Combined Ratio im Vorjahresvergleich in der Schaden- und Unfallversicherung weist auch die Gesamtentwicklung keine positive Tendenz aus.

Ausblick

Für das Jahr 2019 ist von weiteren Prämienerhöhungen in der Sachversicherung auszugehen. Insbesondere in den als kritisch bewerteten Branchen Chemie, Holzverarbeitung und Recycling sowie in der Lebensmittelindustrie ist mit teilweise erheblichen Prämienerhöhungen zu rechnen. Die Reduzierung von Kapazitäten durch den Zusammenschluss von Versicherungsunternehmen sowie vollständige Marktaustritte von einzelnen Risikoträgern werden diese Entwicklung zusätzlich verstärken. Die Ankündigung von Stephen Catlin, mit Convex einen weiteren Risikoträger zu etablieren, ist hier ein positives Signal. Insbesondere durch optimierte Kostenstrukturen und Automatisierung sieht Catlin Potential.

Die versicherungsnehmende Industrie kann dieser grundsätzlichen Entwicklung entgegenwirken, indem Schadenverhütungsmaßnahmen, die Umsetzung von Brand- und Risikostandards sowie eine professionelle Bedarfsanalyse die notwendige Aufmerksamkeit erhalten.

Das herausfordernde Spannungsfeld für Versicherer zwischen Ertrags- und Wachstumsbemühungen zeigt sich auch in anderen Sparten. Wenngleich sich im Verhältnis die Prämieneinnahme zu Schadenzahlungen im Haftpflichtbereich leicht positiv entwickelt, hat sich auch hier die Combined Ratio verschlechtert. Zudem kommen durch die ersten Urteile im Zusammenhang mit genetisch veränderten Organismen neue Haftungsrisiken auf die Versicherer zu, deren Ausmaße nur schwer abzusehen sind. Anders als in der Sachversicherung sind in den Haftpflichtsparten nur selektiv Prämienerhöhungen zu erwarten. 

Interessant ist die Entwicklung im europäischen Vergleich. Hier zeigen sich teilweise erhebliche Unterschiede in der Trenderwartung für das Jahr 2019. Auch wenn die jeweilige Ausgangsbasis unterschiedlich ist, zeigt sich in der Gesamtheit eher eine erwartete Prämienerhöhung.

Regulatorische Anpassungen

Die 2018 umgesetzte IDD-Richtlinie verankerte unter anderem ein gesetzliches Regelwerk zur Weiterbildung in der Versicherungsindustrie. Wiederholte Missachtung der Versicherungsvermittlungsverordnung kann sogar zu Lizenzentzug führen. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn Personen, die mit der Versicherungsvermittlung betraut sind, nicht mindestens 15 Stunden an zertifizierten Ausbildungsmaßnahmen teilnehmen. Grundsätzlich ist diese Maßnahme aus Kundensicht zu begrüßen, da sich hierdurch auf Sicht in der Breite das notwendige Fachwissen dauerhaft verbreitet. 

Neben der notwendigen Fachlichkeit auf der Maklerseite waren es aufgrund der politischen Unsicherheiten bezüglich des Brexits insbesondere Marktkenntnisse, die eine möglichst reibungslose Fortführung betroffener Versicherungslösungen jeglicher Ausgangsszenarien sicherstellen. Da auch in 2019 das Risiko eines ungeregelten Brexits vorerst bestehen bleibt, sind die Auswahl der Risikoträger sowie der Geltungsbereich von Versicherungsverträgen diesbezüglich sorgfältig zu überprüfen. 

Kostenreduzierung durch Digitalisierung

Neben den versicherungstechnischen Maßnahmen zur Profitabilitätssteigerung bleibt die Kostenreduzierung durch Standardisierung, Digitalisierung und Automatisierung ein wichtiges Thema der Versicherungsindustrie. Insbesondere in der Industrieversicherung findet die digitale Transformation jedoch weiterhin nur langsam statt. Es genügt nicht, bestehende Produkte und Prozesse zu digitalisieren, um gewünschte Effekte zu erzielen. So müssen Produktwelten und Underwriting-Prozesse vollständig neu gedacht werden. Unter Einbeziehung von Künstlicher Intelligenz wird der Aufbau digitaler Ökosysteme notwendig sein, um die selektiven und individuellen Bedarfssituationen und Risikoprofile möglichst kostengünstig zu bewerten.  

Neue Gefahren durch Industrie 4.0

Die steigende Relevanz von Onlinepräsenz und -handel führt zu globalen Wachstumschancen. Im gleichen Maße steigen jedoch auch die Risiken. Neben der wachsenden Anzahl von Cyber-Angriffen bildet das Reputationsrisiko ein hohes Schadenpotenzial. Ertragsausfälle und erhebliche Marketingkosten können die Folge sein. Prominente Beispiele hierfür gibt es aus der Vergangenheit. Nestlé, Schufa, Deutsche Bahn oder ING-DiBa wurden Opfer von Shitstorms, welche sich unkontrolliert ausbreiteten und erhebliche Kosten für das entsprechende Marketing verursachten. Unternehmen, die maßgebliche Umsätze im Endverbrauchersegment erzielen, ist eine genaue Analyse dieser Risikopotentiale zu empfehlen. 

Durch die digitale Transformation und der steigenden Relevanz von Analytik bei der Risikobewertung verändern sich die Profile von gesuchten Fachkräften respektive kommen neue hinzu. Der in der gesamten Branche vorherrschende Mangel an Fachkräften wird somit durch neue Konkurrenz aus der Banken- und IT-Branche zusätzlich verstärkt. 

Dieser Wandel bedarf einer konsequenten Mitarbeiterentwicklung innerhalb der Unternehmen, damit notwendige Fähigkeiten erlernt und nicht vollständig auf dem Arbeitsmarkt eingekauft werden müssen. Gleichwohl wird allein dies nicht ausreichen, so dass Know-how über Partnerschaften oder Personalaufbau ergänzt werden muss.

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