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Risk Perspectives Special – Aktuelle Entwicklungen zum Brexit und Auswirkungen auf die Versicherungswirtschaft

15. März 2019
| Deutschland

Das Unterhaus des britischen Parlamentes hat kürzlich die nachgebesserte Vereinbarung zum Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union abgelehnt. Somit ist das Risiko eines ungeregelten Brexits deutlich gestiegen, auch wenn der Zeitpunkt hierfür ungewiss ist. 

Herausforderungen für die Versicherungswirtschaft

Die Europäische Union hat vor vielen Jahren vereinfachte Regelungen geschaffen, die grenzüberschreitende Vertragsverhältnisse zwischen Versicherungsgesellschaft und Versicherungsnehmer ermöglichen. In diesem Zusammenhang fällt oft der Begriff „Passporting“. Diese Form der Dienstleistungsfreiheit droht mit dem Brexit zu kippen. Somit könnten Vertragsverhältnisse mit

  • Risikobelegenheit in Großbritannien und Versicherungsgesellschaft in der Europäischen Union oder
  • Risikobelegenheit in der Europäischen Union und Versicherungsgesellschaft in Großbritannien

nicht ohne Weiteres fortgeführt werden. 

Maßnahmen seitens der Versicherungsmärkte, Regierungen und Aufsichtsbehörden 

Part VII-Transfer: Diverse Versicherungsgesellschaften, die bisher aus Großbritannien heraus Risiken in Kontinentaleuropa versichern konnten, haben in 2018 erheblichen Aufwand betrieben, um den Versicherungsschutz unverändert fortführen zu können. Im Rahmen eines Portfoliotransfers wurde der jeweilige Bestand auf neu gegründete Gesellschaften im europäischen Festland übertragen. Für diesen sogenannten Part VII-Transfer wurden seitens des Londoner High Courts grundsätzliche Richtlinien erlassen. Die Freigabe erfolgte je Transfer von den Aufsichtsbehörden, so dass eine individuelle Freigabe der versicherungsnehmenden Seite nicht erforderlich war. Falls Sie auf Ihren aktuellen Versicherungsdokumenten Veränderungen in der Gesellschaftsform oder Adresse von Risikoträgern feststellen, ist dies häufig die Begründung. 

Übergangsregelung der BaFin & das Steuerbegleitgesetz: Der Bundestag hat mittlerweile das Brexit-Steuerbegleitgesetz beschlossen. Hierdurch wird unter anderem die BaFin ermächtigt, Versicherern aus Großbritannien die Fortführung von bestehenden Versicherungsverträgen für eine Periode von bis zu 21 Monaten zu gewähren. Es handelt sich de facto um eine Verlängerung des oben genannten Passporting für maximal 21 Monate.

Temporary Permissions Regime & Third Country Branch: Großbritanniens Aufsichts- und Regulationsbehörden haben mit dem Temporary Permissions Regime eine Übergangsregelung für Bestandsverträge geschaffen. Versicherungsgesellschaften können sich über eine Internetplattform für die Genehmigung als Versicherungsanbieter aus einem Drittland, wie es z. B. Deutschland aus Sicht von Großbritannien wäre, bewerben. Die Anmeldung genügt hier, um „bis auf Weiteres“ Bestandsschutz für laufende Verträge sicherzustellen. Viele der großen deutschen Versicherungsgesellschaften haben die Anmeldung bereits vorgenommen. Erlangt der jeweilige Versicherer eine Third Country Branch Zulassung für seine Gesellschaft in Großbritannien, so kann er gemeinsam mit dieser als einheitlicher Risikoträger agieren. Dies führt dazu, dass auch nach der Übergangsregelung Bestandsverträge fortgeführt und auch neue Verträge gezeichnet werden können.

Financial Interest Clause: Mit dieser Klausel können Problemstellungen des Brexits teilweise gelöst werden. Bei sogenannten Freedom of Service (FoS) Versicherungspolicen, die Versicherungsschutz innerhalb des europäischen Wirtschaftsraumes bieten, sichert diese Klausel das Finanzinteresse an einem Risiko in Großbritannien auch nach dem Brexit ab. Eine solche Regelung birgt jedoch Risiken. So können Versicherungsbesteuerung durch Veränderung der Risikobelegenheit und Hürden bei der Schadensauszahlung entstehen.

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Wir helfen Ihnen, die undurchsichtige Verhandlungsfolge der politischen Parteien, heterogene Sichtweise und Handhabung des Versicherungsmarktes, Neugründung von Versicherungsgesellschaften und regulatorische Veränderungen zu überblicken.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist es nicht möglich, eine für alle Varianten passende Lösung zu formulieren. Umso wichtiger ist es, dass Sie einen Partner in Versicherungsfragen haben, der sich individuell mit ihrer Risikosituation beschäftigt und maßgeschneiderte Lösungen findet.

In den vergangenen 6 Monate haben wir unsere Kundenverbindungen mit Blick auf die bestehende Versicherungsprogrammstruktur, den Risikoträgern und unternehmerischen Planungen überprüft und bei Bedarf individuelle Handlungsempfehlungen erarbeitet. Darüber hinaus haben wir für bestimmte Kundensegmente Grundsatzregelungen mit Versicherern vereinbart, die einen unveränderten Versicherungsschutz sicherstellen.

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