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Mitarbeiterbefragungen mit ungenutzten Potenzialen

Talent
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Januar 2019

Willis Towers Watson hat mit dem „Befragungsmonitor 2018“ zum sechsten Mal in Folge danach gefragt, wie Unternehmen in Deutschland die Meinungen ihrer Mitarbeiter einholen. Mit Ariane Köhler haben wir uns über die Ergebnisse unterhalten.
Q – Frau Köhler, Unternehmen haben vielfältige methodische und technische Möglichkeiten, Mitarbeiterbefragungen durchzuführen. Nutzen die Unternehmen ihre Chancen?

A – Ariane Köhler: Unsere Studie zeigt hier ein zweigeteiltes Bild. Neuere Entwicklungen würden es Unternehmen ermöglichen, neben der klassischen Vollbefragung auch regelmäßige, themengebundene Befragungen selbstständig durchzuführen. Dafür ist natürlich eine Listening-Strategie hilfreich, um Befragungsmüdigkeit vorzubeugen. Leider nutzen die wenigsten Unternehmen diese Möglichkeiten in sinnvoller Kombination. Nur 41 Prozent der teilnehmenden Unternehmen verfügen über eine Listening-Strategie bzw. arbeiten daran. Self-Service-Lösungen werden auch nur von 41 Prozent der Befragungsteilnehmer genutzt, und nur 48 Prozent steuern ihre Befragungsaktivitäten zentral.

Q – Wie steht es dabei um die klassische Vollbefragung?

A – Köhler: Sie ist nach wie vor beliebt, 79 Prozent der Teilnehmer nutzen sie. Die meisten Unternehmen haben jedoch erkannt, dass die klassische Vollbefragung nicht mehr ausreicht: Nur sechs Prozent der Studienteilnehmer wollen sie künftig als einziges Befragungsinstrument nutzen. 38 Prozent der Teilnehmer planen, Vollbefragungen um Pulse-Checks zu ergänzen, und 22 Prozent der Unternehmen spielen mit dem Gedanken, umfassende Vollbefragungen durch schlanke Pulse-Checks zu ersetzen.

Q – Gerade in großen Unternehmen wird es immer aufwändiger, Befragungen mit Blick auf Zielgruppen, Themen und Timing zu koordinieren.

A – Köhler: Eine Listening-Strategie hilft, die Befragungsaktivitäten aufeinander abzustimmen. Vier von zehn teilnehmenden Unternehmen haben dies mittlerweile auch erkannt.

Q – Eine Strategie steht für eine lange Linie. Planen die betreffenden Unternehmen also mit einer weiteren zeitlichen Perspektive?

A – Köhler: Interessanterweise ist genau das Gegenteil der Fall. Unternehmen, die gerade eine Listening-Strategie entwickeln, planen ihre Befragungen oft nicht einmal ein Jahr im Voraus. Und Unternehmen mit Listening-Strategie haben einen noch deutlich engeren Planungshorizont. Dies liegt wohl auch daran, dass Unternehmen zunehmend agil sein wollen und dafür schneller wissen möchten, wie Mitarbeiter aktuelle Themen und Veränderungen bewerten.

Q – Mit „Strategie“ im eigentlichen Sinn hat das nicht viel zu tun.

A – Köhler: Das stimmt, dabei wäre eine weite Perspektive wichtig, um kulturelle Entwicklungen in den Blick zu nehmen. Neue Unternehmensstrategien und Geschäftsmodelle erfordern eine neue Kultur. Doch Unternehmenskulturen verändern sich nicht von heute auf morgen, sondern langfristig. Wie gut die Mitarbeiter neue kulturelle Werte annehmen und lebendig werden lassen, kann nur mit Befragungen gemessen werden, die früh sowie methodisch solide und differenziert geplant werden.

Q – Nutzen die Unternehmen dann wenigstens ihre Listening-Strategie, um noch mehr Befragungsvarianten miteinander zu kombinieren?

A – Köhler: Auch hier ergibt unser Befragungsmonitor ein ernüchterndes Bild. Unternehmen mit einer Listening-Strategie gelingt es nur wenig mehr als Unternehmen ohne eine solche Strategie, vielfältige Befragungsvarianten in ihre Befragungspraxis zu integrieren. Thematische Messungen, Messungen mit Blick auf unterschiedliche Beschäftigungsphasen oder zur Überprüfung von Initiativen und Befragungen spezieller Zielgruppen spielen zum Beispiel hier wie da kaum eine Rolle.

Q – Was sollten Unternehmen also tun?

A – Köhler: Es ist vor allem entscheidend, Mitarbeiterbefragungen mit einem weiten Zeithorizont zu planen. Diese echte strategische Perspektive hilft, längere Entwicklungslinien in den Blick zu nehmen und im Rahmen eines Gesamtkonzepts gezielt die Vielfalt innovativer Befragungsmöglichkeiten einzusetzen. Generell geht es darum, mit Weitblick festzulegen, welche Zielgruppen zu welchen Themen wann befragt werden sollen und welche Synergien sich dabei ergeben. Aktionismus führt nicht weiter, eine weitreichende Planung jedoch schon.

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