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Drei Fragen an Ralph Lange zum Thema „CEO-Vergütung in Europa“

Januar 2019
| Deutschland

Willis Towers Watson hat wieder die Gesamtdirektvergütung der Vorstandschefs der nach Marktkapitalisierung führenden 100 Unternehmen in Europa ausgewertet.

Q – Deutschlands Topmanager gelten im Vergleich mit ihren europäischen Kollegen als weniger gut bezahlt. Stimmt dieser Eindruck?

A – Ralph Lange: Nicht mehr, denn die CEO-Vergütung der deutschen Eurotop-100-Unternehmen ist 2017 auf 6,35 Mio. Euro im Median gestiegen und liegt jetzt im europäischen Vergleich auf Platz drei. Mehr verdienen lediglich die CEOs in Großbritannien mit 6,38 Mio. Euro und die CEOs in der Schweiz mit 7,76 Mio. Euro. Wenn wir nur den DAX betrachten, zeigt sich auch hier ein Anstieg der Vergütung im Median – von 4,99 Mio. Euro 2016 auf 5,75 Mio. Euro 2017. Allerdings hatten wir 2017 wegen einer geringeren Zahl an CEO-Wechseln auch eine breitere Auswertungsbasis.

Q – Welche CEOs durften sich 2017 über eine besonders hohe Vergütung freuen?

A – Lange: An erster Stelle steht Dr. Severin Schwan von Roche mit einer Gesamtvergütung von 12,88 Mio. Euro. Danach folgt Carlos Brito, CEO von AB InBEV, mit einem Jahresgehalt von 12,81 Mio. Euro. Sergio P. Ermotti von der UBS Group erhielt das dritthöchste Salär, 12,52 Mio. Euro. Danach folgt auf Platz vier Joseph Jimenez von Novartis mit einer Gesamtvergütung von 11,58 Mio. Euro. Und Platz fünf geht an den CEO eines deutschen Unternehmens: Bill McDermott von SAP mit 10,79 Mio. Euro.

Q – Die CEO-Vergütungen sind nicht nur unterschiedlich hoch, sondern auch verschieden strukturiert. Welches Bild zeigt sich hier?

A – Lange: Interessant ist vor allem, dass in skandinavischen Ländern ein relativ großes Gewicht auf das Fixgehalt gelegt wird, es beträgt im Schnitt 56 Prozent der Gesamtdirektvergütung. Die geringste Rolle spielt die fixe Vergütung in der Schweiz, sie umfasst lediglich 25 Prozent der Gesamtvergütung; ähnlich sieht es in Großbritannien aus. Eine höhere variable Vergütung bedeutet dabei auch größere Chance auf ein Spitzengehalt. Wie die Vergütung ausgestaltet wird und was die CEOs dann auch erhalten, muss übrigens nach der neuen EU-Aktionärsrechterichtlinie bald deutlich transparenter gemacht werden. Hier gibt es für die Unternehmen viel zu tun.