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Artikel | InsureBlog – was Versicherer bewegt

Insurtech-Szene: Deutschland im Standortcheck

Insurance Consulting and Technology|Reinsurance
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Von Niki Winter | 6. August 2019

Erfolgreiche Insurtech-Gründungen werden häufig mit den USA oder China assoziiert. Falsch ist dies sicherlich nicht, dominieren doch insbesondere die USA mit großem Abstand die weltweiten Investitionen in Insurtechs. 

Im Windschatten dieser Insurtech-Hotspots hat sich in den vergangenen Jahren auch in Deutschland eine aktive Insurtech-Szene entwickelt – gefördert durch Initiativen wie das InsurLab Germany in Köln oder den InsurTech Hub in München. Die Wahl des Standorts München für die europäische Niederlassung des Insurtech-Segments des US-amerikanischen Inkubators „Plug and Play“, der Unternehmen wie Google oder Paypal groß gemacht hat, verschaffte der deutschen Insurtech-Szene zusätzlich internationale Sichtbarkeit.

Das spiegelt sich auch in den Zahlen wider: Selbst wenn der deutsche Anteil von fünf Prozent an den weltweiten Insurtech-Investitionen von insgesamt 4,2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2018 verhältnismäßig gering war, sind die Gesamtinvestitionen von über 200 Millionen Euro nicht zu vernachlässigen. Darüber hinaus gingen die Plätze zwei und drei der weltweit größten Investitionen des ersten Quartals 2019 an deutsche Insurtechs. Dies wird sich in den folgenden Quartalen sicherlich nicht unmittelbar wiederholen, unterstreicht aber dennoch die wachsende Bedeutung der deutschen Insurtech-Szene.

Vergleicht man die deutsche Insurtech-Szene mit der anderer Länder, so stechen insbesondere zwei Charakteristika hervor: Zum einen ist der hohe Grad an Versicherungsexpertise in den Startups zu nennen, und zum anderen die deutlich stärker ausgeprägte Bereitschaft mit etablierten Versicherern zu kooperieren.

Vom digitalen Versicherungsordner zum technologischen Wegbereiter

Die Entwicklung der deutschen Insurtech-Szene verlief nicht gradlinig, sondern vielmehr in Wellen: Während Insurtechs der ersten Generation ihren Fokus auf den Vertrieb legten und Lösungen für die einfache Handhabung oder smart gestaltete Frontends für das Versicherungsportfolio eines Endkunden entwickelten, fungieren Insurtechs der zweiten Generation selbst als Risikoträger. Sie versuchen die Endkunden mit Produkten und Dienstleistungen zu überzeugen, die auf voll digitalisierten Prozessen in den Bereichen Tarifierung, Policierung, Vertragsverwaltung und Schadenmanagement basieren.

Insurtechs der dritten Welle sehen sich als technologische Wegbereiter und entwickeln Lösungen, die an verschiedenen Stellen der Wertschöpfungskette eines Versicherers ansetzen, um etablierte Prozesse zu optimieren oder gänzlich neue Wege zu eröffnen – sei es in der Digitalisierung der Vertriebsprozesse oder an der Maklerschnittstelle, im Datenmanagement oder in der internen Prozessoptimierung.

Wo geht die Reise hin?

Die etablierten Assekuranzen verfolgen diese Entwicklung nicht passiv vom Spielfeldrand. Viele Versicherer engagieren sich in den verschiedenen Hubs als (Gründungs-) Mitglieder und agieren als Mentoren und Kooperationspartner für Startups. Darüber hinaus gehören insbesondere Rückversicherer oder multinationale Versicherungsgruppen zu den größten Insurtech-Investoren . Intern haben nahezu alle Versicherer und Rückversicherer selbst umfangreiche Digitalisierungsprojekte aufgesetzt, konzerninterne Innovationslabs oder auch eigene Digitalversichere“ gegründet – quasi als Testfeld für neue, rein digitale Geschäftsmodelle oder die Vereinfachung von Kundenprozessen und -interaktionen.

Zwar ist es bis zur vollständigen Digitalisierung der bestehenden Geschäftsmodelle in vielen Versicherungsunternehmen noch ein weiter Weg, aber der Anfang ist gemacht. Viele Unternehmen haben sich in Kooperation mit Insurtechs bereits auf die Reise begeben. Eine Grenze des gemeinsamen Wachstums von Insurtechs und etablierten Gesellschaften ist daher Stand heute nicht in Sicht.

Man könnte nun meinen, dass sich alte und neue Player in Deutschland nebeneinander eingerichtet hätten und in gemäßigtem Tempo an ihren Digitalisierungsthemen feilen, doch diese Schlussfolgerung ist nicht ganz richtig. Zwar sehen wir zahlreiche Beispiele für die Digitalisierung bestehender Geschäftsmodelle, aber noch kein rein digitales Geschäftsmodell von Relevanz.

Den digitalen Wandel aktiv mitgestalten

Aus diesem Grund ist es ratsam, sich im digitalen Wandel weit vorne zu positionieren: Versicherer müssen jederzeit in der Lage sein, auf Veränderungen agil und flexibel zu reagieren. Denn bisher hat sich nicht herauskristallisiert, welche Technologien wirklich erfolgreich sein werden. Zwar ist das Marktgefüge hierzulande bislang fast unverändert geblieben, dennoch wird sich die Digitalisierung mit zunehmender Geschwindigkeit weiter auf die Versicherungswelt auswirken.

Kurzfristig großes Potenzial haben aus unserer Sicht agile Preissysteme: Die positive Ergebniswirkung, die diese nach ersten Erfahrungen auf den Geschäftserfolg eines Unternehmens haben, sollten Versicherer keinesfalls ignorieren. Auch standardisierte und parametrische Produkte werden einen Teil der klassischen Angebote langfristig ablösen. Auf dieses Szenario müssen sich Versicherer vorbereiten, um nicht bei null zu starten, wenn andere Anbieter bereits mit Lösungen im Markt aktiv sind.

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