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Pensionsvermögen: Investition in illiquide Anlagen

Höhere Ertragskraft durch Illiquiditätsprämie

27. November 2017
| Deutschland

Pensionseinrichtungen haben den großen Vorteil langfristiger Verpflichtungen sowie eines gut planbaren Liquiditätsbedarfs. Diesen Zeitfaktor sollten sie für sich nutzen. Illiquide Anlageklassen verfügen über ein attraktives Risiko-Rendite-Profil.

Die strategischen Allokationen von Planvermögen sind weiterhin stark von traditionellen Assetklassen wie Anleihen, Aktien und kleineren Immobilienpositionen dominiert. Mit solchen traditionellen Allokationen mit starkem Fokus auf liquiden Anlagen stehen Pensionseinrichtungen im direkten Marktwettbewerb mit allen institutionellen Investoren – inklusive großer internationaler Akteure. Pensionseinrichtungen haben aber den großen Vorteil langfristiger Verpflichtungen sowie eines gut planbaren Liquiditätsbedarfs. Analog kann daher in der Anlage verstärkt in illiquide Assetklassen investiert werden, die die gleichen Charakteristika wie „langfristig“ und „planbar“ aufweisen. Im Bereich illiquider Strategien besteht, mit Ausnahme des Immobilienmarktes, ein deutlich geringerer Wettbewerb und die Erträge sind gut über den Anlagehorizont prognostizierbar. Zusätzlich ist der Ertrag illiquider Kreditstrategien gegenüber klassischen Anleihen höher, da er sich aus der Vergütung des übernommen Kreditrisikos sowie der Illiquiditätsprämie zusammensetzt.

Deutsche Pensionseinrichtungen sind durch ihre langjährige Erfahrung im Bereich Immobilien mit Illiquidität im Portfolio vertraut, nutzen jedoch bisher nur zögerlich andere Strategien im illiquiden Spektrum. Die verstärkte Nachfrage hat zu sehr hohen Immobilienbewertungen geführt. Die Konsequenz: alternative Kreditstrategien, wie die direkte Unternehmens- oder Immobilienfinanzierung, sollten zur Diversifizierung stärker berücksichtigt werden.

Solche Kreditstrategien sind oft mit Realwerten besichert, da zum Beispiel bei Immobilienkrediten bei einem Ausfall der Durchgriff auf die finanzierte Immobilie gegeben ist. Ebenfalls bei direkten sowie indirekten Unternehmenskrediten („Direct Lending“ bzw. „Senior Loans“) sind diese mit dem Anlagevermögen des Schuldners unterlegt. Die Besicherung spiegelt sich auch in deutlich höheren Wiedereinbringungsquoten („Recovery Rates“) bei Ausfall wider. Dieser defensive Charakter schlägt sich auch in einer geringeren Volatilität und einem höheren Diversifikationsaspekt nieder. Portfolien mit einer Allokation im illiquiden Anlageuniversum haben im Vergleich zu Portfolien mit konventionellen Bond-Allokationen ein besseres Risiko-Rendite-Profil. Als letztes Argument für eine stärke Berücksichtigung im Rahmen der Anlage von Planvermögen ist die Größe des illiquiden Kreditmarktes zu nennen. Dieser ist im Vergleich zum Markt notierter (liquider) Anleihen um rund 50 Prozent größer (siehe Grafik) und wird aufgrund der abnemenden Kreditvergabe durch die Banken (Auswirkung von Basel III) künftig weiter zulegen. Als Wehrmutstropfen für die Investition im illiquiden Bereich ist anzumerken, dass diese Strategien generell einerseits im Verständnis und andererseits in der Umsetzung komplexer sind. Daher geht die höhere Komplexität mit einer höheren Governance-Anforderung an die Entscheidungsgremien einher.

Hinweis für die Praxis

Eine eingehende Portfolioanalyse des langfristigen Liquiditätsbedarfs ist Voraussetzung, um die mögliche Allokation in illiquide Strategien zu bestimmen. Zur Befüllung der ermittelten Quote ist eine profunde Selektion der vorhandenen Strategien nach Maßgabe interner und externer Vorgaben durchzuführen und auf Implementierbarkeit zu überprüfen. In diesem Zusammenhang muss auch das vorhandene Governance-Budget berücksichtigt und gegebenenfalls für die Analyse, Auswahl und Umsetzung externe Dritte zu Rate gezogen werden.

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