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Pressemitteilungen

Reine Beitragszusage: breite Umsetzung erst ab 2021 zu erwarten

Retirement
N/A

23. Oktober 2019

Die bAV-Community zeigt sich im Hinblick auf die reine Beitragszusage im Sozialpartnermodell sehr verhalten. Erst nach 2021 werde man solche Modelle in der Breite sehen, sagen 51 Prozent.

FRANKFURT AM MAIN, 22. Oktober 2019 – Die bAV-Community zeigt sich im Hinblick auf die reine Beitragszusage im Sozialpartnermodell sehr verhalten. Erst nach 2021 werde man solche Modelle in der Breite sehen, sagen 51 Prozent. Sie werden sich gar nicht in der Breite durchsetzen, meint sogar ein gutes Drittel (38 Prozent). Dies ergab eine Umfrage im Rahmen der jährlichen bAV-Konferenz von Willis Towers Watson, die am 16. Oktober in Frankfurt stattfand. Wie die betriebliche Altersversorgung (bAV) optimal gestaltet werden kann, war eines der Schwerpunktthemen auf der Konferenz, welche die Unternehmensberatung jährlich für rund 200 bAV-Verantwortliche aus großen und mittelständischen Unternehmen ausrichtet.

bAV-Konferenz 2019
bAV-Konferenz 2019 von Willis Towers Watson 

Im Rahmen von Plenumsvorträgen und Workshops wurde die Gestaltung, Finanzierung und Administration der betrieblichen Altersversorgung in der Unternehmenspraxis diskutiert.

„Mitarbeiter wünschen sich vor allem eine sichere Altersversorgung, wie Studien von Willis Towers Watson belegen“, sagt Dr. Heinke Conrads, Leiterin Retirement Deutschland und Österreich bei Willis Towers Watson. Dies erkläre auch die Skepsis der Marktteilnehmer: „Sicherheit wird meist mit Garantien assoziiert. Dass hingegen eine bAV ohne Garantien durchaus zielführend sein kann, müssen die Tarifpartner erst einmal vermitteln – und hier scheinen sich die Player im Markt bislang schwer zu tun.“ Zwei Jahre zuvor hatte sich die bAV-Community noch optimistischer bezüglich der reinen Beitragszusage gezeigt. Auf der Willis-Towers-Watson-Konferenz 2017 hatte ein Drittel der Teilnehmer Sozialpartnermodelle in der Breite schon für das Jahr 2019 erwartet; 58 Prozent für nach 2019.

Mitarbeiter wünschen sich vor allem eine sichere Altersversorgung, wie Studien von Willis Towers Watson belegen.”

Dr. Heinke Conrads
Leiterin Retirement,
Deutschland & Österreich        

Conrads schätzt das Für und Wider der reinen Beitragszusage wie folgt ein: „Einerseits bietet eine reine Beitragszusage gerade im Niedrigzinsumfeld durchaus eine realistische Chance auf ein höheres ergänzendes Alterseinkommen. Andererseits sind hier die erforderlichen Abstimmungen komplexer, da ein Sozialpartnermodell nicht nur auf betrieblicher Ebene, sondern zwischen den Tarifparteien vereinbart werden muss. Auch dies mag für Verzögerungen bis zur Einführung des ersten Modells gesorgt haben.“ Conrads stuft die reine Beitragszusage als eine von mehreren Möglichkeiten ein und betont: „Mit den ‚klassischen‘ Gestaltungsmöglichkeiten lassen sich weiterhin gute bAV-Modelle umsetzen – wie auch in vielen Unternehmen zu sehen ist.“

Ähnlich äußerte sich Prof. Bernd Raffelhüschen vom Institut für Finanzwissenschaft der Universität Freiburg, der als Key-Note-Sprecher über Demografie und Alterssicherung referierte. Auch er kritisierte die Komplexität der bAV. Er ergänzt: „Betriebliche Altersvorsorgevermögen sollten rentierlicher investiert werden dürfen. Sie sind aktuell zu anleihelastig refinanziert, sollten aber stärker in renditestarke Realkapitalinvestitionen angelegt werden.“ Gerade versicherungsförmig durchgeführte betriebliche Versorgungsmodelle sind jedoch aufgrund gesetzlicher Vorgaben gezwungen, in niedrig verzinste Anleihen zu investieren.

Zu staatlich organisierten privaten Altersvorsorgemodellen, wie etwa der aktuell diskutierten Deutschland-Rente oder der Extrarente, äußerte sich die bAV-Community ebenfalls verhalten. Solche Modelle könnten die bAV allenfalls ergänzen (47 Prozent), aber nicht ersetzen (48 Prozent). Das ergab eine weitere Umfrage im Rahmen der bAV-Konferenz von Willis Towers Watson. Key-Note-Sprecher Raffelhüschen betonte in seinem Vortrag: „Altersvorsorge-Kapital gehört in die bAV oder in die Hände der Einzelpersonen, aber nicht in politische Hände.“ Conrads spricht sich angesichts der Umfrageergebnisse noch einmal für die bAV aus: „Für Mitarbeiter ist die bAV zunehmend nicht nur eine gute, sondern auch eine sehr wertgeschätzte Form der Altersvorsorge. Dabei ist es nicht entscheidend, ob die bAV als neue reine Beitragszusage oder in den langjährig bewährten Formen angeboten wird. Wichtig ist vielmehr, dass sie passend für das jeweilige Unternehmen und seine Mitarbeiter ausgestaltet wird. Dann entfaltet sie auch für das Unternehmen eine messbare Wirkung mit Blick auf Mitarbeiterbindung und -engagement.“

Über die Konferenz

Willis Towers Watson richtete 2019 zum 13. Mal seine jährliche bAV-Konferenz für bAV-, Personal- und Finanzverantwortliche aus Unternehmen aus. Unter den rund 200 Teilnehmern befanden sich darüber hinaus weitere bAV-Experten. In Plenumsvorträgen und Workshops wurden die Gestaltung, Finanzierung und Administration der betrieblichen Altersversorgung in der Unternehmenspraxis diskutiert und zahlreiche Praxisbeispiele, zum Beispiel von Siemens, Lanxess, ING, GE, Novartis, innogy oder Bilfinger, vorgestellt.

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