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Artikel | Benefits!

Entgeltumwandlung: Stetig trotz Förderung und Herausforderungen

Kommunikation wichtiger denn je / Studie

Retirement
N/A

Von Heiko Gradehandt | 17. Mai 2021

Arbeitgeberbeiträge, Niedrigzins und Corona-Krise – Unternehmen müssen Eigenvorsorge-Angebote anpassen und ihren Mitarbeitern vermitteln.

Unternehmen lassen ihre Mitarbeiter bei der Altersversorgung nicht allein: Ein vom Arbeitgeber eingerichtetes Angebot der betrieblichen Altersversorgung durch Mitarbeiterbeiträge ist Standard: In 87 Prozent der Firmen sind Regelungen für die Umwandlung von Entgelt in Altersvorsorgeansprüche etabliert, wie eine aktuelle Umfrage zeigt. Hierfür hatte Willis Towers Watson bAV-Verantwortliche aus rund 80 Unternehmen aller Größen und Branchen befragt.

Dennoch bleibt das Entgeltumwandlungsangebot vielfach ungenutzt: immer noch greifen nur in 35 Prozent der Unternehmen mehr als die Hälfte der Mitarbeiter zu. Drei Viertel der Unternehmen sehen auch keine Veränderung durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG). Der erwartete Schub bei den Teilnahmequoten durch das BRSG bleibt also weiterhin aus. Die Diskussion um ein Obligatorium dürfte daher anhalten, zumal die mit dem BRSG geschaffene Möglichkeit des Opting out bei den Arbeitgebern auf wenig Gegenliebe stößt: Nur elf Prozent haben die automatische Teilnahme der Mitarbeiter mit Widerspruchsmöglichkeit eingeführt, 60 Prozent stehen ihr skeptisch gegenüber. Mitarbeiter sehen das anders: Mehr als 70 Prozent sind froh, dass sie automatisch in einen Plan aufgenommen wurden (Global Benefits Attitudes Survey 2019/2020).

Die Arbeitgeber setzen also weiterhin mit ihren Angeboten auf die Freiwilligkeit und treffen dabei aktuell auf vielfältige Herausforderungen.

Aktuelle Herausforderungen: Pandemie und Niedrigzins

Die zu Jahresbeginn durchgeführte Umfrage zeigt die Entgeltumwandlung von der Covid-Krise noch unbeeinträchtigt: Mehrheitlich sahen die Unternehmen im Jahr 2020 keine Auswirkungen der Pandemie auf die Entgeltumwandlung und erwarten dies auch für 2021 nicht. Sogar eine verstärkte Nachfrage, insbesondere nach Risikoabsicherungen, sahen 15 Prozent. In gleichem Umfang werden aber auch Verminderungen der Beiträge erwartet. Digitale Formate für die Information und Beratung haben natürlich an Bedeutung gewonnen und werden auch in Zukunft verstärkt eingesetzt. Dies sollte als Chance für die Erhöhung der Teilnahmequote gesehen werden.

Bevorzugter Durchführungsweg für die Entgeltumwandlung – außer bei den Großunternehmen – ist weiterhin die Direktversicherung. Fast zwei Drittel (61 Prozent) der Unternehmen nutzen sie und gehen davon aus, dass sich daran auch in Zukunft nichts ändern wird. Damit sehen sich die Unternehmen aber mit besonderen Herausforderungen konfrontiert. Bedingt durch die andauernde Niedrigzinsphase führen die Anbieter in immer kürzeren Abständen Produktinnovationen ein, um im aktuellen Umfeld noch attraktive Möglichkeiten anbieten zu können. Damit einher gehen verminderte Garantieversprechen. Vertraute, klassische Produkte mit Zins- oder Beitragsgarantien stehen kaum noch zur Verfügung.

Sicherheitspräferenz, aber Produktgeber setzen auf verminderte Garantien

Doch gerade die lang vertrauten Produkte werden von den Unternehmen noch mehrheitlich (53 Prozent) angeboten. Der Fokus liegt unverändert auf Sicherheit und Garantien. Dies schätzen auch Arbeitnehmer: zwei Drittel der Arbeitnehmer setzen bei der Altersvorsorge auf Sicherheit und nicht auf Rendite wie der Global Benefits Attitude Survey 2019/2020 von Willis Towers Watson (GBAS) zeigte. Entsprechend herrscht bei den Unternehmen eine hohe Skepsis bezüglich der Entwicklung hin zu verminderten Garantieversprechen: 44 Prozent sehen dies sehr kritisch, 26 Prozent wollen entsprechende Produkte gar nicht anbieten.

Dennoch werden die Anbieter im anhaltenden Niedrigzinsumfeld am Trend zu kapitalmarktnäheren Lösungen festhalten, um Produkte noch attraktiv gestalten zu können. Deshalb werden sich die Unternehmen mit diesen Produkten auseinandersetzen müssen. Zumal auch bei jungen Arbeitnehmern das Interesse an Renditechancen zunimmt: nur 51 Prozent der unter 25-jährigen setzen bei der Altersvorsorge auf Sicherheit, wie der GBAS zeigt.

Aufklärung tut not – fehlendes Verständnis ist wesentliches Vorsorge-Hindernis

Die Produktwelt erhöht aber die Komplexität des Angebotes und trifft damit auf eines der wesentlichen Hemmnisse bei der Entgeltumwandlung: Fehlendes Verständnis der Produktangebote und generelle Skepsis gegenüber Versicherungsangeboten gehören aus Sicht der Arbeitgeber zu den wesentlichen Hinderungsgründen bei der Teilnahme an der Entgeltumwandlung. Letztere hat im Vergleich zur Umfrage 2019 sogar an Bedeutung gewonnen – möglicherweise eine Reaktion auf die Marktentwicklungen der vergangenen Monate.

Die Anbieter müssen hier für beide Zielgruppen in Aufklärungsarbeit investieren, um Verständnis und Transparenz zu schaffen und zu fördern. Vermittler und Berater sollten hier eine wesentliche Unterstützungsfunktion übernehmen, spielen diese doch weiterhin für die Arbeitgeber insbesondere bei der Mitarbeiterkommunikation eine wesentliche Rolle. Und ihnen sollte es auch zukommen, den aus Sicht der Unternehmen weiterhin vorherrschenden Hinderungsgrund für die Teilnahme an der Entgeltumwandlung mit verständlicher Darstellung zu beseitigen: das fehlende Wissen über ihren Versorgungsbedarf.

Fazit

Das Engagement der Unternehmen in Bezug auf die arbeitnehmerfinanzierte bAV ist weiterhin hoch und dennoch tut sich bei den Teilnahmequoten nichts.

Mangelndes Verstehen von Vorsorgebedarf und Lösungsangeboten wird zwar als der wesentliche Hinderungsgrund identifiziert, dessen Überwindung mit schlüssigen Kommunikationskonzepten aber noch zu selten angestrebt. Gerade mit zunehmender Komplexität der Produkte ist es wichtig, diese verständlich zu vermitteln, damit sie von den Mitarbeitern wahrgenommen und genutzt werden.

Mit verstärkten Kommunikationsmaßnahmen sowie attraktiven Zuschüssen sollten Arbeitgeber deshalb zu verstärkter Teilnahme motivieren, um sich ihre Gestaltungsfreiheit bei der bAV zu erhalten und ein etwaiges gesetzliches Obligatorium zu vermeiden. So können sie mit ihrem Engagement in Sachen bAV bei Mitarbeitergewinnung und -bindung weiter punkten.

Autor

Senior Director Retirement

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