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Artikel | Risk Perspectives

Robuste Entscheidungen in anspruchsvollen Versicherungsmärkten – Produkthaftpflicht und Rückruf im Fokus

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21. Dezember 2020

Unternehmen geraten zunehmend unter Entscheidungsdruck bei der Verlängerung ihrer Versicherungsverträge im Bereich Produkthaftpflicht und Rückruf. Wie man vorhandene Optionen optimal nutzen kann, war Thema eines Expertengesprächs.

Frank Hering: Versicherungen mit einer weitreichenden Absicherung von Produkthaftpflicht-/Rückrufrisiken waren bis vor zwei, drei Jahren noch leicht und günstig zu haben. Allerdings hat sich das Blatt gewendet: Die geforderten Prämien und Selbstbehalte gehen nach oben, gleichzeitig streichen die Versicherer die Deckungssummen zusammen, insbesondere in bestimmten Industrien.

Sylvester Lahmann: Dies trifft viele Unternehmen in einer kritischen Lage: Die politischen Maßnahmen im Rahmen der COVID-19-Pandemie haben ganze Branchen in die Verlustzone geschickt; für deutlich höhere Prämien und Rückstellungen fehlt gerade im Mittelstand einfach das Geld.

Nadine Kügler: Um dennoch wirtschaftliche Versicherungen einkaufen zu können, müssen sich Unternehmen jetzt noch intensiver fragen: Welche versicherbaren Risiken kann und will ich selbst tragen? Passt meine heutige Versicherung zu meiner Risikoexponierung? Wie wirken sich mögliche Schadenszenarien auf meine „Key Financials“ aus? Und schließlich: Welche Versicherungslösung ist für mein Unternehmen die wirtschaftlich sinnvollste?

Sylvester Lahmann: Diese Fragen kann ein Unternehmen jedoch nur dann beantworten, wenn es seine Risikoexponierung kennt – also weiß, in welcher finanziellen Bandbreite sich ein Risiko realisieren und damit zu einer Abweichung relevanter Finanzkennzahlen von ihren Planwerten führen kann.

Frank Hering: Die Unternehmen müssen dazu vor allem relevante Risiken faktenbasiert eingrenzen, deren finanziellen Auswirkungen im Rahmen unterschiedlicher Szenarien beschreiben und dazu belastbare Konfidenzniveaus angeben.

Nadine Kügler: Auch mittelständische Unternehmen können die genannten Fragen und Themen recht einfach und pragmatisch klären und dann klar entscheiden, welche Versicherungslösung für sie die beste ist. Unsere entsprechenden Erfahrungen haben wir ja in einem typisierten Fallbeispiel zusammengeführt.

Sylvester Lahmann: Unser Musterunternehmen ist die Anonymus AG, ein Hersteller von Metallteilen, der Unternehmen in der Automobilbranche und der Energietechnik beliefert. Die Anonymus AG macht einen Umsatz von 630 Mio. Euro, sie plant mit einem EBITDA von 88,2 Mio. Euro, und aktuell kauft das Unternehmen eine Produkthaftpflicht-/Rückrufkostenversicherung von 60 Mio. Euro ein.

Frank Hering: Die Anonymus AG kämpft allerdings seit ein paar Monaten mit einem Corona-bedingten Absatzeinbruch; das Unternehmen muss sein Geld also zusammenhalten und seine Liquidität schonen. In dieser Lage hat der Versicherer jedoch nicht nur eine höhere Prämie gefordert, sondern beabsichtigt auch, die Versicherungssumme auf 50 Mio. Euro zu reduzieren.

Sylvester Lahmann: Also, was tun? Damit die Anonymus AG diese Fragen beantworten kann, haben wir mit Experten des Unternehmens in einem Workshop erst einmal gemeinsam unterschiedliche Produkthaftplicht-/Rückrufszenarien beschrieben und solche Szenarien identifiziert, die für das Unternehmen besondes kritisch sein können.

Frank Hering: Entscheidend dabei waren das Wissen und die Einschätzungen der internen Unternehmensexperten aus unterschiedlichen Blickwinkeln (Finanzen, Einkauf, Recht, Qualität etc.): Welche Szenarien treten wie oft auf? Wie groß sind die jeweiligen Schäden im schlechtesten, im besten und in einem realistischen Fall?

Nadine Kügler: Danach haben wir mit Blick auf die Szenarien und auf relevante Versicherungsparameter wie Prämien, Deckungssummen und Limite stochastische Simulationen durchgeführt. Die Ergebnisse waren zum Teil recht überraschend. Wir konnten etwa zeigen, dass der Jahresschadenaufwand über alle Produktgruppen hinweg knapp 75 Mio. Euro beträgt, bei einem Sicherheitsniveau von 99 Prozent.

Sylvester Lahmann: Auffällig war auch, dass je nach Produktgruppe nur etwa zwischen 44 und 52 Prozent der Kosten überhaupt versichert sind, weil die Nachfertigung und die Nachlieferung von Teilen vom Versicherungsschutz ausgenommen sind: Das Unternehmen trägt also ein sehr hohes Risiko selbst, viel höher als es allen „Stakeholdern“ vorher bewusst war.

Nadine Kügler: Weil vom errechneten Jahresschadenaufwand also nur etwa 40 Mio. Euro versicherbar sind, konnte das Unternehmen die Versicherungssumme auf diesen Betrag reduzieren und lag damit sogar noch unter der Forderung des Versicherers. Zudem wurde klar, dass wegen einer zu geringen Prämienersparnis ein höherer Selbstbehalt nicht sinnvoll ist.

Sylvester Lahmann: Die Anonymus AG konnte insgesamt auf Basis klarer Fakten an ein paar wichtigen Stellschrauben drehen, um sich einen angemessenen Schutz zu wirtschaftlich vertretbaren Kosten einzukaufen.

Frank Hering: Solche Projekte fordern übrigens auch immer mehr CFOs und Aufsichtsräte; denn sie können damit klar belegen: Sie werden ihrer Verantwortung gerecht, gut zu wirtschaften, ohne den Schutzbedarf ihres Unternehmens zu gefährden. Generell schaffen sich die Unternehmen mit einer risikobasierten Versicherungsstrategie eine stärkere Position gegenüber den Versicherern – sie müssen nicht mehr jede Forderung schlucken, sondern können ihre eigenen Interessen erfolgreich ins Spiel bringen.

Ihre Kontakte

Frank Hering
Managing Director, Head of Client Management,
Corporate Risk and Broking

Nadine Kügler

Sylvester Lahmann
Senior Account Manager

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