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Das digitale Aktuariat: Ich mach’s selbst

Mehr Flexibilität für Unternehmen

Retirement
N/A

8. Dezember 2020

Self-Service bietet Freiraum bei Datenkorrekturen und What-if-Szenarien. Für Bilanzgutachten braucht es weiterhin Aktuare.

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Dreiteilige Themenserie

In einer dreiteiligen Themenserie zeigen wir Ihnen, wie Sie persönlich im HR- oder Finance-Bereich von einem digitalen Aktuariat profitieren können. Die Beiträge stellen die effektivsten Handlungsfelder dar und geben Beispiele für neue Möglichkeiten – bis hin zum Aktuariat im Self-Service.

Trend zu Self-Service-Lösungen auch im Aktuariat

Der Trend zu Self-Service-Lösungen, insbesondere für Mitarbeiter, nimmt weiter zu. Diese bieten Mitarbeitern einen einfachen und intuitiven Zugang zum Thema betriebliche Altersversorgung sowie Flexibilität. Mit durchdachten und konsequent digitalisierten End-to-End-Prozessen, die alle „Touchpoints“ eines HR-Prozesses berücksichtigen, lassen sich zudem die administrativen und kommunikativen Aufwände für HR spürbar verringern.

Auch bei den Prozessen rund um die versicherungsmathematische Bewertung der betrieblichen Altersversorgung setzt sich der Wunsch nach Self-Service-Lösungen sowohl bei den Ansprechpartnern von HR als auch von Finance immer mehr durch. Und dies häufig aus den oben genannten Gründen: Es besteht der Wunsch nach mehr Flexibilität sowie spürbarer Aufwandsreduktion bei einem gleichzeitig positiven Nutzererlebnis. Das Bedürfnis nach mehr Self-Service-Lösungen belegt auch die Studie „Auditfähiger Gutachtenprozess“ (Willis Towers Watson, 2019). Rund die Hälfte der Teilnehmer (51 Prozent) wünschen sich, aktuarielle Bewertungen im Self-Service selbst durchführen zu können. Knapp 1/3 der Teilnehmer möchte alle wesentlichen Informationen rund um den Jahresabschluss via App online greifbar haben.

Wann ist „ich mach’s selbst“ sinnvoll und wo liegen die Grenzen?

Traditionell werden versicherungsmathematische Bewertungen für die verschiedenen Durchführungswege für bilanzielle Zwecke angefordert. Einzelne Prozessschritte wie die Datenmeldung oder die Bereitstellung der Bewertungsparameter können über Self-Service-Portale bearbeitet werden. Dies bietet zum Beispiel den Vorteil, dass die Daten in Echtzeit plausibilisiert werden und Korrekturen unmittelbar vorgenommen werden können. Die HR-Ansprechpartner entscheiden somit selbst, wann sie sich Zeit für die Datenmeldung nehmen und eine Wartezeit auf die Rückfragen des Aktuariats entfällt. Für bilanzielle Zwecke bedarf es jedoch zwingend eines Reviews und einer Freigabe der Ergebnisse durch ein erfahrenes Aktuarsteam.

Self Service bietet Freiraum
Self-Service bietet Freiraum bei Datenkorrekturen und What-if-Szenarien.

Quelle: Willis Towers Watson

Nicht zuletzt durch die Auswirkungen der Corona-Krise gewinnen jedoch „What-if-Szenarien“ bei vielen Unternehmen immer mehr an Bedeutung. Wie wirkt sich beispielsweise ein gesunkener Rechnungszins oder eine geänderte Inflationsaufnahme auf die Höhe der Pensionsverpflichtungen aus? In der Regel reichen hierfür schnelle Trendaussagen und Flexibilität sowie geringe Kosten stehen im Vordergrund. Ein aktuarieller Self-Service ist hierfür eine passgenaue Lösung.

Worauf kommt es an?

Aktuarielle Bewertungen sind häufig komplex, hängen von vielen Faktoren ab und erfordern ein tiefes Verständnis über alle erforderlichen Prozessschritte. Hierzu gehören die Daten über die Versorgungsberechtigten, Bewertungsparameter- und Annahmen, die korrekte Anwendung der Rechnungslegungsvorschriften ebenso wie die richtige Interpretation der Ergebnisse. Um sie als Self-Service anbieten zu können, bedarf es ähnlicher Grundsätze wie bei den oben skizzierten Mitarbeiterportalen:

  • „Keep it simple“: Bei Self-Service-Portalen für aktuarielle Berechnungen sollten für den Nutzer nur die Aspekte sichtbar und editierbar sein, die er selbst beeinflussen kann und üblicherweise auch dem Aktuar für die Berechnungen zur Verfügung stellt. Hierunter fallen die Meldung der Personendaten oder die Festlegung der Bewertungsannahmen wie Rechnungszins, Gehalts- oder Rententrends. Alle anderen Komponenten, wie der versicherungsmathematische Rechenkern, mit dem die Bewertungen durchgeführt werden, sollten im Verborgenen bleiben und für den Benutzer nicht sichtbar sein.
  • Ansprechende User-Experience: Die Anforderungen an Self-Service-Systeme unterscheiden sich von Expertensystemen – sowohl technologisch als auch bzgl. User Experience und Bedienbarkeit der Oberflächen. Der Bedarf nach aktuariellen Berechnungen entsteht erfahrungsgemäß nur punktuell. Eine intuitive Benutzerführung beginnend vom Login bis hin zur Ergebnislieferung. Sie ist essenziell, um dem Nutzer die gewünschte Flexibilität und Zeitersparnis zu bieten.
  • Durchgängiger End-to-End-Prozess: Effizienzen lassen sich nur dann heben, wenn alle Prozessschritte in einem einheitlichen System abgebildet sind und Medienbrüche sowie fehlerhafte oder falsch interpretierte Informationen vermieden werden können. Um eine Konsistenz zu den vom Aktuar z. B. im Rahmen des Jahresabschlusses bereitgestellten Werten gewährleisten zu können, müssen der Aktuar und die Self-Service-Lösung auf denselben aktuariellen Rechenkern zugreifen.

Eine App für Gutachten?

Bislang fassen viele Unternehmen die wesentlichen Informationen zu Bilanz und GuV in einem Managementreport in Präsentationsform zusammen. Im Zeitalter der Digitalisierung ist die Darstellung der wesentlichen Informationen über mobile Lösungen beispielsweise in Form einer App eine effiziente und flexible Lösung. In komprimierter und optisch ansprechender Form können etwa die Stichtagsergebnisse in verschiedenen Aggregationsstufen dargestellt werden. Manuell erstellte Präsentationen sowie das Nachreichen von fehlenden Informationen entfallen. Dies spart Zeit und Kosten, bringt Flexibilität und erhöht die sogenannte User Experience des Managements. Darüber hinaus hat man die Bewertungsergebnisse inklusive der angewendeten Prämissen stets auf Knopfdruck bei sich.

Dies sind lediglich zwei Beispiel über die vielfältigen digitalen Einsatzmöglichkeiten im Aktuariat – es gibt zahlreiche Möglichkeiten, auch im Aktuariat durch intelligente Self-Service-Lösungen den Arbeitsalltag smarter zu gestalten. Der gezielte Einsatz von Methoden der künstlichen Intelligenz oder von Chatbots bieten zudem weitere Ausbaustufen.

Ihre Kontakte

Senior Director, Head of Actuarial Consulting Germany, Retirement

Director, Head of Consulting Actuaries Rhein-Main, Retirement

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