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Artikel | Risk Perspectives

Ein Familienunternehmen geht nach vorn

Interview mit Thomas Schmidt, CEO, Franz Haniel & Cie. GmbH vom Digital Risk Summit 2020

Risk & Analytics
N/A

16. Juni 2020

Das Familienunternehmen Haniel hat sich neu ausgerichtet. Der CEO Thomas Schmidt erläutert die Risiken und Chancen.

Frank Hering: Haniel steht nach einer über 260-jährigen Firmengeschichte hervorragend da. Ihr Unternehmen kann offenbar gut mit Risiken umgehen. Worin sehen Sie heute das größte Risiko für Haniel?

Thomas Schmidt: Dass wir unsere Chancen nicht nutzen. Um so lange erfolgreich sein zu können, musste Haniel in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt schon immer mutig neue Wege gehen. Deshalb haben wir uns im vergangenen Jahr erneut strategisch neu ausgerichtet.

Frank Hering: Auch große börsennotierte Gesellschaften verfolgen immer wieder neue Strategien. Was macht Haniel als Familienunternehmen anders?

Thomas Schmidt: Haniel hat eine deutlich längere Perspektive. Wir wollen Wert für Generationen schaffen – im Sinne des Family-Equity-Gedankens für die Familie Haniel und ihr Unternehmen, aber auch für die Gesellschaft, in der wir uns engagieren. Wir nennen das „enkelfähig“ sein.

Frank Hering: Worauf zielt Ihre neue Strategie ab?

Thomas Schmidt: Unser unternehmerisches Handeln orientiert sich konsequent an der Leitidee ‚Nachhaltigkeit‘. Das heißt, wir investieren nur in Unternehmen, die bereits jetzt nachhaltig sind oder die wir auf dem Weg dahin begleiten können. Den Rahmen dafür bilden die Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen und weltweite Megatrends.

Frank Hering: Was bedeutet das konkret für Ihr Portfoliomanagement?

Thomas Schmidt: Im Ziel tragen alle unsere Portfoliounternehmen dazu bei, dass entweder Menschen ein gesundes, friedliches und glückliches Leben führen können, dass unsere Erde auch für zukünftige Generationen ein lebenswerter Ort bleibt oder alternativ dass Innovationen, Wohlstand und Wirtschaftswachstum geschaffen werden. Dafür stehen unsere Beteiligungssegmente People, Planet und Progress. Und es geht eben immer um Nachhaltigkeit.

Frank Hering: Birgt Nachhaltigkeit nicht das Risiko, auf Gewinnchancen auch verzichten zu müssen?

Thomas Schmidt: Unsere neue Strategie verbindet Nachhaltigkeit und Performance. Wir sehen darin keinen Widerspruch. Ganz im Gegenteil: Wir sind uns sicher, mit nachhaltigen Geschäftsmodellen überdurchschnittliche Renditen erwirtschaften zu können. Deshalb haben wir auch das Ziel, mittelfristig eine Gesamtrendite von über neun Prozent zu erreichen.

Frank Hering: Ein ambitioniertes Ziel…

Thomas Schmidt: … ja, aber wir werden es erreichen. Dafür sprechen unsere jüngsten wirtschaftlichen Erfolge und überraschende attraktive Angebote, uns in Fonds und Gesellschaften zu engagieren, zu denen wir vorher eher keinen Zugang hatten. Zudem bewerben sich viele kompetente Mitarbeiter bei uns, die sich mit unserer neuen Positionierung identifizieren. Unsere Historie und unser konsequentes Eintreten für mehr Nachhaltigkeit machen uns glaubwürdig.

Frank Hering: Wie setzen Sie Ihre neue Strategie operativ um? Immerhin haben Sie sehr unterschiedliche Unternehmen in Ihrem Portfolio.

Thomas Schmidt: Wir wollen als strategischer Architekt die Unternehmen in unserem Portfolio aktiv entwickeln. Dazu haben wir ein gruppenweites Führungsmodell entwickelt. Dieser Haniel Operating Way setzt einen allgemeinen Managementrahmen, der auf Kundenorientierung und operative Exzellenz ausgerichtet ist; er lässt den Unternehmen jedoch die Freiheit, ihr Geschäft weitgehend selbst zu gestalten.

Frank Hering: Wer eine neue Strategie umsetzen will, muss immer mit Widerständen rechnen. Wie sind Sie mit diesem Risiko umgegangen?

Thomas Schmidt: Entscheidend war, dass wir einen Team-Spirit geschaffen haben. Die neue Strategie wurde nicht vom Vorstand vorgegeben; Vorstand, Gesellschafter und Mitarbeiter unterschiedlicher Ebenen aus verschiedenen Bereichen haben sie gemeinsam erarbeitet – vom Auftrag, neudeutsch ‚Purpose‘ des Unternehmens, bis zu einem klaren Zielbild. Dies hat uns sehr dabei geholfen, die Veränderungsnotwendigkeit und die neue Strategie überzeugend zu kommunizieren.

Frank Hering: Hat Sie die Wirtschaftskrise im Zuge der Covid-19-Pandemie auf Ihrem Weg nach vorn gebremst?

Thomas Schmidt: Unsere Geschäftsbereiche sind davon unterschiedlich betroffen – manche leiden darunter, andere profitieren sogar von der aktuellen Lage. Unter dem Strich wird Haniel das Jahr 2020 mit einem Gewinn abschließen, unser Cash Flow kann sich sehen lassen, und wir sehen sehr zuversichtlich in die Zukunft.

Ihr Kontakt

Frank Hering
Head of Client Management

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