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Artikel | Risk Perspectives

Digital Risk Summit 2020: neue Risiken – neue Chancen

Risk & Analytics
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16. Juni 2020

Zusammenfassung des ersten Tages des Digital Risk Summits 2020 von Willis Towers Watson.

Pandemien und globales Risikomanagement

„Wir hätten besser auf die Covid-19-Pandemie vorbereitet sein können.“ Dr. Marcus Winter, Head of Reinsurance Development bei der Munich Re, verwies mit dieser Kritik auf die zunehmende Zahl an Epidemien und Pandemien: Die generelle Risikolage war klar. Doch wie können wir besser mit Ausbrüchen umgehen?

Wir sollten, so Dr. Winter, die Verläufe von Epidemien und Pandemien und deren wirtschaftliche Schäden analysieren und entsprechende Modelle bilden. Dann ließen sich branchen- und regionenspezifische Lösungen entwickeln. Weil Epidemien und Pandemien weite Teile der Welt eine längere Zeit betreffen können, sei die Versicherungswirtschaft allein jedoch überfordert. Hilfreich seien Public Private Partnerships, über die schnell medizinische Hilfe finanziert werden kann, um Ausbrüche umgehend zu begrenzen. Und letzten Endes komme es auf ein konstruktives Zusammenspiel an von Politik, Wissenschaft, Unternehmen und der Versicherungswirtschaft. Lesen Sie hier ein Interview mit Dr. Marcus Winter.

Auswirkungen von Covid-19 auf die Industrieversicherungsbranche

Die Corona-Krise setzt die Industrieversicherer aufgrund erheblicher Verluste am Kapitalmarkt, prognostizierter Schadenzahlungen in Höhe von 100 Mrd. US-Dollar und deutlicher Umsatzrückgänge unter Druck: „Die Pandemie wird die Tendenzen des letzten Renewals noch verstärken. Die Corona-Krise könne zum größten Verlustereignis der Branche anwachsen“, sagte Fabian Desch, Deputy Head of Broking bei Willis Towers Watson.

Fabian Desch rechnet damit, dass Prämien durch den Kumuleffekt und steigende Rückversicherungsprämien auch in Deutschland weiter steigen und Kapazitäten markant reduziert werden. Zudem formulieren Versicherer derzeit Ausschlüsse, die mit einem Pandemieereignis in Verbindung stehen. „Es wird sich in den kommenden Monaten zeigen, welche Ausschlussformulierungen am deutschen Markt umsetzbar sind.“ Was sich weiterhin für das kommende Renewal abzeichnet, ist eine veränderte Bewertung von Risiken und Branchen. Ein betriebliches Kontinuitätsmanagement, eine Digitalisierungsstrategie oder ein etwaiges Insolvenzrisiko haben zukünftig einen höheren Stellenwert.

Liquiditätsoptimierung in Covid-19-Zeiten

Trotz umfassender staatlicher Hilfsprogramme kämpfen viele Unternehmen mit einer angespannten Liquidität; ihnen fehlt das Geld für wichtige Investitionen oder sogar, um ihre laufenden Kosten zu decken. Sven Krause, Head of Trade Credit, Surety & Political Risks bei Willis Towers Watson, rät Unternehmen deshalb, jetzt ihre Liquiditätsplanung zu überprüfen sowie „Liquiditätsfresser zu vermeiden und Liquiditätspuffer zu vergrößern“.

Diese Herausforderungen könnten Unternehmen auch mit einem gezielten Versicherungsmanagement angehen, so Krause. Kosten ließen sich etwa mit einer Anpassung von Versicherungsprämien auf Basis der Planzahlen für das laufende Jahr reduzieren. Und folgende Maßnahmen würden für mehr Liquidität sorgen: die Verlagerung von Bürgschaftslinien auf Kautionsversicherer, die Nutzung von asset-based lending und die Vorfinanzierung von Versicherungsprämien. Sven Krause: „Unternehmen stehen wirkungsvolle Instrumente zur Verfügung, um jetzt ihre Liquidität zu optimieren.“

Risiken und Verantwortung in Pakistan

Einen Szenenwechsel bot Marco Feelisch, Geschäftsführer und Mitgründer von Buckle & Seams, einem Hersteller hochwertiger Herrentaschen – weg von der Wirtschaftskrise in Deutschland und hin zu den Herausforderungen bzw. Risiken eines jungen Unternehmens in Pakistan.

Der Anspruch des Unternehmens, Qualität zu fairen Preisen zu bieten, bedeutet ein Kostenrisiko; dies konnten Marco Feelisch und sein Geschäftspartner reduzieren, indem sie auf Zwischenhändler verzichten und auf einen Online-Handel setzen. Die schlechten Arbeits- und Lebensbedinungen in Pakisten bedeuten jedoch auch ein Reputationsrisiko – allerdings: „Wir tragen durch unsere enge Partnerschaft mit der Anum Schule zu einer besseren Bildung und Zukunft für Mädchen in Pakistan bei, zweitens stellen wir sicher, dass unsere Produktionsmitarbeiter unter Bedingungen arbeiten, die ihnen und ihren Familien einen höheren Lebensstandard ermöglichen.“ Verantwortungsbewusstsein macht so aus Risiken Chancen.

Risiken und Chancen der Transformation von Haniel

Nach einer erfolgreichen Konsolidierung ist das Familienunternehmen Haniel mit einer strategischen Neuausrichtung wieder auf Wachstumskurs. Über die entsprechenden Risiken und Chancen hat sich Frank Hering, Managing Director Corporate Risk & Broking bei Willis Towers Watson, mit Thomas Schmidt unterhalten, dem CEO von Haniel.

„Wir richten unser Portfolio jetzt konsequent auf Nachhaltigkeit aus“, beschrieb Thomas Schmidt die neue Linie. Frank Hering: „Birgt Nachhaltigkeit nicht auch das Risiko, mal auf Gewinnchancen verzichten zu müssen?“ Dazu Thomas Schmidt: „Wir sind uns sicher, mit nachhaltigen Geschäftsmodellen überdurchschnittliche Renditen erwirtschaften zu können.“ Neben der Verbindung von Nachhaltigkeit und Performance setzt Haniel auch auf ein neues Führungsmodell, das den Unternehmen der Gruppe generelle Leitlinien vorgibt, ihnen jedoch genügend Freiraum lässt, ihre Chancen zu nutzen. Frank Hering: „Sie haben viel geändert. Wie haben Sie das Risiko gemeistert, dass vielleicht nicht alle mitziehen?“ – „Wir haben einen Team-Spirit geschaffen und die neue Strategie gemeinsam erarbeitet“, so Thomas Schmidt. „Bereits jetzt zeigen sich die ersten Erfolge – wir sehen sehr zuversichtlich in die Zukunft.“ Lesen Sie hier das ganze Interview.

Ihre Kontakte

Mathias Pahl
Head of Corporate Risk and Broking

Frank Hering
Head of Client Management

Fabian Desch
Deputy Head of Broking Western Europe

Sven Krause
Head of Trade Credit

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