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Bleibt der M&A-Versicherungsmarkt unbeeindruckt von der COVID-19-Krise?

Mergers and Acquisitions|Risk & Analytics
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23. Juni 2020

Ein starker Wettbewerb wirkt sich kurzfristig positiv für die Käufer von M&A-Versicherungspolicen aus. Wird das auch so bleiben?

Die ersten Lockerungsmaßnahmen sind bereits umgesetzt und viele Unternehmen scheinen wieder aufzuatmen. Dies liegt allerdings vor allem an den staatlich finanzierten Hilfspaketen. Denn die Experten sind sich recht einig: Die wirtschaftlichen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie werden noch lange zu spüren sein. Das Ausmaß der Rezession und zum Beispiel die Anzahl künftiger Insolvenzen sind derzeit kaum absehbar.

Der Markt in der Corona-Krise

Ähnlich schwierig ist derzeit abzusehen, welche mittel- bis langfristigen Auswirkungen die Pandemie auf den M&A-Versicherungsmarkt haben wird. Aufgrund des Rückganges an M&A-Aktivitäten und einer entsprechend geringeren Nachfrage nach M&A-Versicherungen sind die Auswirkungen aus Sicht des Prämienzahlers zumindest kurzfristig eher positiv.

Nach dem kurzen und starken Abbremsen des Transaktionsmarktes nimmt dieser nun doch langsam wieder Fahrt auf und auch die Nachfrage nach M&A-Versicherungen, vor allem nach Warranty-and-Indemnity-Versicherungen (W&I) und Steuerpolicen, steigt.

Während Willis Towers Watson international wieder eine erhöhte Nachfrage nach W&I-Lösungen verzeichnet, war in den letzten Wochen eine deutlich verminderte Nachfrage im Verhältnis zum Vorjahreszeitraum wahrzunehmen. Es gab wenig Industrien bzw. Branchen, in denen die M&A-Prozesse mit W&I-Lösung ohne nennenswerte Verzögerungen voranschritten; dies waren: Real Estate, erneuerbare Energien, Technologie und Pharmazie. Im Gegensatz dazu sind Transaktionen in anderen Bereichen wie zum Beispiel im Hotel- und Gastgewerbe wenig überraschend größtenteils zunächst ausgesetzt und verschoben worden.

Durch die international verminderte Anzahl an Transaktionen, die an den M&A-Versicherungsmarkt herangetragen werden, bei gleichzeitig stetig wachsendem zur Verfügung stehenden Versicherungskapital, mussten die Versicherer preisgünstige Angebote vorlegen, um bei Ausschreibungen zum Zuge zu kommen. Während der UK-Markt hier größere Prämienabriebe zeigte, lag die Prämienreduktion in Deutschland zwar etwas niedriger, aber immer noch sehr attraktiv für den Kunden.

Mit dem aktuell wachsenden Wettbewerb verzeichnet Willis Towers Watson nicht nur eine positive Entwicklung im Bereich der Prämien, sondern ebenfalls einen gesteigerten Risikoappetit einiger Versicherer. Andere Versicherer sehen in der aktuellen M&A-Situation lediglich eine temporäre „Lage“ und verbleiben bei ihrem bisherigen Risikoappetit.

Verglichen mit den klassischen Industrieversicherungssparten, vor allem zum Beispiel im Bereich der Organhaftung (D&O-Versicherung), in denen zum Teil dramatische Prämiensteigerungen sowie ein substantiell reduzierter Risikoappetit zu erkennen sind, ist dies eine durchaus positive Entwicklung aus Sicht der Versicherungsnehmer.

Rückgang von COVID-19-Ausschlüssen

Nach einem anfangs generell recht umfangreichen COVID-19-Ausschluss bei den meisten M&A-Versicherern hat sich der Markt in den letzten Wochen augenscheinlich wieder etwas entspannt. Die meisten Versicherer bestehen nicht mehr auf einen harten Ausschluss, sondern beurteilen im Underwriting-Prozess genauer, ob ein dealspezifischer Ausschluss im Einzelfall notwendig ist. Dies hängt vor allem ab von der Industrie bzw. Branche und den jeweils zu versichernden Garantien im Kaufvertrag. Hierbei wird ein besonderes Augenmerk gelegt auf die wesentlichen Verträge, die Versorgungsketten, die Mitarbeiter und die Geschäftskontinuität. Willis Towers Watson ist dabei stets darauf bedacht, Ausschlüsse auf die Bereiche zu reduzieren, in denen sie sozusagen unvermeidlich sind.

Im Underwriting-Prozess legen Versicherer aktuell vor allem einen gesteigerten Wert darauf,

  • dass die Käuferin im Rahmen des Offenlegungsprozesses über die Auswirkungen der Corona-Pandemie mit aktuellen und detaillierten Unterlagen durch die Verkäuferin informiert wird
  • und dass sich die (Kauf-) Vertragsparteien während der Verhandlung (intensiver) mit dem Thema COVID-19 beschäftigt haben.

Ein solches Verhalten sollte in der aktuellen Zeit jedoch für alle Prozessbeteiligten auch selbstverständlich sein.

Bei Transaktionen, die bereits vor März 2020 zeichneten, allerdings noch nicht vollzogen wurden, verzögert sich das Closing meist aufgrund der zum Teil schleppend publizierten behördlichen Vollzugsbedingungen. Generell verlängern Versicherer das Long-Stop-Date, jedoch nach einer intensiveren Prüfung als sonst. Allerdings haben wir bei den von uns in Deutschland begleiteten Transaktionen kaum festgestellt, dass Long-Stop-Dates nicht gehalten und verschoben wurden.

Ein ungewisser Ausblick

Sobald der weltweite Lockdown sich weitreichender lockert, erwarten einige Versicherer erhöhte Schadensmeldungen auf Basis existierender Policen von COVID-19-belasteten Unternehmen. Vereinzelt haben Versicherer bereits angedeutet, die Prämien bald wieder zu erhöhen. Es bleibt abzuwarten, ob der restliche Versicherungsmarkt hier dann nachzieht oder Wettbewerbsvorteile durch niedrigere Prämien nutzt.

Sicherlich kann das in Deutschland sowie in ganz Europa sehr niedrige Prämienniveau bei gleichzeitig sehr geringen Selbstbehalten und einem gesteigerten Schadenaufkommen zu einer Konsolidierung bzw. Reduzierung des M&A-Versicherungsmarktes führen. Aber eventuell bewirkt diese Pandemie auch eine Umverteilung der Versicherungskapazität und dadurch eine Stabilisierung des Prämienniveaus.

Fazit: W&I-Markt mit guten Gelegenheiten

Die aktuell einzigartige Situation – wenige laufende Transaktionen und ein entsprechend umkämpfter M&A-Versicherungsmarkt – birgt gute Gelegenheiten, M&A-Versicherungslösungen zu günstigen Prämien und weiten Deckungsbedingungen abzuschießen.

Willis Towers Watson erwartet vorerst auch weiterhin eine wettbewerbsfähige M&A-Versicherungslandschaft in einem Markt, der gut positioniert ist, um die Erholung des M&A-Deal-Flows zu unterstützen – und dies auch bei den vermehrt zu erwartenden Transaktionen notleidender Unternehmen sowie bei Veräußerungen von Minderheitsbeteiligungen. Für die Unternehmen lohnt es sich also, Angebote unterschiedlicher Versicherer einzuholen und sich für ein besonders günstiges zu entscheiden. Ein erfahrener Broker mit einem breiten Marktzugang kann dabei schnell und gezielt helfen.

Ihre Kontakte

Head of M&A Germany and Austria, Corporate Risk and Broking

Director, M&A Germany and Austria, Corporate Risk and Broking

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