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Coronavirus: Deckungsschutz Transportversicherung

Frequently Asked Questions (FAQs)

Marine|Risk & Analytics
COVID 19 Coronavirus

2. April 2020

Sie fragen sich, welchen Versicherungsschutz die Transportversicherung im Rahmen der Corona-Krise bietet? Wir liefern Antworten zu den am häufigsten gestellten Fragen.

Die Auswirkungen des Coronavirus treffen uns gerade alle in voller Härte und werfen immer wieder Fragen hinsichtlich der Deckung im Rahmen der Transportversicherung auf.

Wir liefern Ihnen bereits ein paar Antworten auf häufig gestellte Fragen und weisen Sie auf Obliegenheiten hin, die Sie unbedingt beachten sollten, um möglichen Versicherungsschutz nicht zu gefährden.

Greift die klassische Transportversicherung bei Schäden, die durch verzögerte bzw. verspätete Lieferung entstehen?

Die Transportversicherung deckt das versicherte Interesse an den zu transportierenden bzw. lagernden Gütern gegen Verlust und Beschädigung. Dies bedeutet, dass der Versicherer zunächst prüfen wird, ob die versicherten Güter auf der Reise durch ein versichertes Ereignis beschädigt oder verloren gegangen sind. Nur wenn diese Frage mit Ja beantwortet werden kann, wird eine Prüfung der möglichen versicherten Kostenpositionen erfolgen. Nach heutiger Erfahrung muss man jedoch feststellen, dass das Virus keinen direkten Schaden am Gut verursacht, so dass die klassische Transportversicherung keine Deckung für Schäden durch verzögerte bzw. verspätete Lieferung bietet.

Wie sieht es aus, sofern eine Erweiterungsdeckung für Güterfolgeschäden und reine Vermögensschäden abgeschlossen wurde?

Bei der Deckungserweiterung für Güterfolgeschäden sind Schäden versichert, die auf einem Sachschaden am Gut beruhen. Da, wie bereits erwähnt, bislang nicht bekannt ist, dass das Virus einen direkten Schaden am Gut verursacht, wird die reine Güterfolgeschäden-Absicherung hier ebenfalls nicht greifen.

Bei der Versicherung von reinen Vermögensschäden werden finanzielle Verluste abgedeckt, die auf Basis von Schäden entstehen, die durch eine am Transport beteiligte Partei (z. B. Spediteur) zu verantworten ist, z. B. Nichteinhaltung von Lieferfristen, was insbesondere bei Just-in-time-Vereinbarungen mit ihren Kunden von Bedeutung ist. Da die Verzögerungen oftmals nicht im Einflussbereich der beteiligten Partei liegen, sondern vielmehr auf staatlichen oder wirtschaftlichen Verhältnissen beruhen, wird die Deckungserweiterung für reine Vermögensschäden im Regelfall nicht greifen. Hier sollte jedoch eine Einzelfallprüfung zusammen mit uns als Ihrem Makler erfolgen.

Werden über die Transportversicherung Schäden abgesichert, die durch Zahlungsunfähigkeit und Zahlungsverzug des Reeders, Charterers oder Betreibers des Schiffes entstehen oder auf sonstigen finanziellen Auseinandersetzungen mit den genannten Parteien beruhen?

Grundsätzlich sind solche Ereignisse über die Transportversicherung gedeckt. Voraussetzung jedoch ist, dass die Insolvenz sich auf die versicherten Güter in Form von Verlust oder Beschädigung, also wieder als Sachschaden auf die versicherten Güter, auswirkt.

Sind Beförderungsmehrkosten gedeckt, die durch das Verbringen der versicherten Ware an einen anderen Ort als den ursprünglichen Bestimmungsort entstehen?

Auch hier gilt wieder zunächst die Frage zu klären, ob durch das Coronavirus ein Verlust oder eine Beschädigung der versicherten Güter droht. Wie vorgenannt, scheint dies auf Basis der bisher gewonnenen Erfahrungen nicht der Fall zu sein. Die drohende Verzögerung aufgrund verlängerter Abwicklungszeiten oder angeordneter nicht geplanter Zwischenlagerungen sowie notwendiger Umleitungen sind nicht Gegenstand der Versicherung, da sie nicht zum Verlust oder zur Beschädigung der Ware führen werden.

Was passiert, wenn versicherte Güter verschollen sind oder durch Behörden bzw. hohe Hand entzogen, angehalten bzw. zurückgehalten werden?

Hierbei besteht unseres Erachtens grundsätzlich Versicherungsschutz wie im Falle eines Totalverlustes. Ein direktes Einwirken der hohen Hand auf die versicherten Güter muss jedoch vorliegen und entsprechende Meldefristen (zwischen 20 Tagen und 6 Monaten) sind zu beachten. Bislang haben wir jedoch keine Kenntnis davon, dass ein solcher Fall bereits aufgetreten ist. Wir empfehlen hier unbedingt eine Einzelfallprüfung, die wir gern für Sie durchführen werden. Hierdurch wollen wir ausschließen, dass Ihr Versicherer keine Einwände geltend macht, dass bereits bei Transportbeginn der Entzug bzw. die Beschlagnahme der Güter bekannt war oder sehr wahrscheinlich erschien.

Können Sie im Regelfall von Ihrem Spediteur oder einem Verfrachter Schadenersatz fordern, wenn beispielsweise ein Schiff aufgrund der Corona-Situation nicht in Häfen einlaufen kann?

Die Verzögerung der Reise sowie mittelbare Schäden aller Art sind in der Warenversicherung ausgeschlossen. Für Seeverladungen werden ohnehin aufgrund der Seefrachtbedingungen keine festen Terminvereinbarungen akzeptiert, so dass ein Verschulden dem Spediteur vermutlich nicht nachzuweisen ist.

Gibt es Obliegenheiten hinsichtlich anzeigepflichtiger Gefahrerhöhungen, die von Ihnen zu beachten sind?

Ja, es gibt Anzeigepflichten gegenüber dem Versicherer, die Sie unbedingt beachten sollten. Diese sind im Einzelnen:

  • Der Transportvertrag bietet für im Verlauf des Transportes vorkommende Lagerungen – sogenannte transportbedingte Lagerungen – automatisch Versicherungsschutz. Diese von Ihnen nicht beeinflussbaren Lagerungen, z. B. Zollaufenthalte und dergleichen, sind üblicherweise mit einer Dauer von 60 Tagen versichert und darüber hinaus, solange sie keine Kenntnis von der Überschreitung dieser Frist haben. Sollten Sie von Ihrem Spediteur oder Transportdienstleister eine Mitteilung erhalten, dass im Zuge der jetzt auftretenden Logistikprobleme es zu längeren transportbedingten Lagerungen kommt, sprechen Sie uns bitte an. Gern werden wir für Sie prüfen, ob hier der Versicherer informiert werden muss. Sprechen Sie uns bitte auch an, wenn Ihr Spediteur Sie darüber informiert, dass es in Folge eines ausgefallenen Transports zu einer hohen Wertkonzentration Ihrer Güter, z. B. am Abgangshafen, kommt.
  • Von den transportbedingten Lagerungen zu unterscheiden sind die „normalen“ Lagerungen, die unabhängig vom Transport vorgenommen werden. Sofern diese Lagerungen über ihren Transportvertrag mitversichert sind, bitten wir Sie, die vereinbarte Höchstversicherungssumme für diese Lagerungen im Auge zu behalten. Es ist denkbar, dass es durch den gestörten Transportfluss zu höheren Lagerwerten als üblich kommen kann. Sofern hierbei die vereinbarten Versicherungssummen überschritten werden, müssen die Überschreitungen angezeigt werden. Bitte informieren Sie uns hierzu rechtzeitig.
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