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Die Bedeutung von COVID-19 (Coronavirus) für die Versicherungssparten

Risk & Analytics
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5. März 2020

Das in Zentralchina ausgebrochene Coronavirus (COVID-19) verbreitet sich weiterhin auf der ganzen Welt. Inwiefern schützen Versicherungen vor den finanziellen Auswirkungen des COVID-19-Virus?

Das in Zentralchina ausgebrochene Coronavirus (SARS-CoV-2, COVD-19, nCoV) verbreitet sich weiterhin auf der ganzen Welt. Laut Expertenmeldungen werden in Kürze über 100.000 Menschen von einer Infektion betroffen sein. Die Auswirkungen des Coronavirus auf die Weltwirtschaft sind bereits jetzt spürbar. Die Aktienkurse reagieren auf die anhaltende Ausbreitung mit teilweise erheblichen Verlusten. Tatsächlich betrifft eine Krise dieser Größe nahezu alle Bereiche, insbesondere in Bezug auf Störungen kommerzieller und industrieller Abläufe.

Beispiele hierfür sind Betriebsschließungen, Schwierigkeiten beim Transport und damit die Aufrechterhaltung von Geschäftsabläufen und Lieferketten sowie die Rückführung von im Ausland lebenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Nicht zu unterschätzen ist auch der psychologische Faktor, welcher sich auf den Endverbraucher auswirkt.

Während derzeit Gesundheitsbehörden mit Hochdruck daran arbeiten, die Ausbreitung einzudämmen und Aufklärungsarbeit zur Übertragungsvermeidung zu leisten, stellt sich zunehmend die Frage, ob Versicherungen vor den finanziellen Auswirkungen des COVID-19-Virus schützen. Die Antwort lautet: "Es kommt darauf an."

Relevante Informationen zu den wesentlichen Versicherungssparten haben wir für Sie kompakt zusammengefasst.

Sach- und Ertragsausfallversicherung

Im Rahmen der Ertragsausfallversicherung sind der entgangene Gewinn und die fortlaufenden Kosten versichert, wenn der Betrieb beeinträchtigt wird. Voraussetzung hierfür ist ein vorangegangener Sachschaden. Bei einer Betriebsschließung mit oder ohne behördliche Anordnung aufgrund des Coronavirus fehlt es an der Verwirklichung einer versicherten Gefahr, weshalb in den herkömmlichen Sach-/und Ertragsausfallversicherungspolicen keine Deckung besteht.

Betriebsschließungsversicherung

Die Betriebsschließungsversicherung – aktuell bei Krankenhäusern und der Lebensmittelbranche im Gebrauch – deckt entgangenen Gewinn und die fortlaufenden Kosten sowie Sachschäden bei behördlich angeordneten Maßnahmen, wie z.B. die Schließung des Betriebes beim Auftreten von meldepflichtigen Krankheiten oder Krankheitserregern nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) ab. Da die Krankheiten oder Krankheitserreger in den Versicherungspolicen definiert sind, schließen die derzeit abgeschlossenen Deckungen das Coronavirus nicht ein.

Haftpflichtversicherung

Die aktuellen Allgemeinen Haftpflichtbedingungen (AHB) des GDV sehen grundsätzlich einen Ausschluss für Personenschäden vor, die aus einer Übertragung einer Krankheit des Versicherungsnehmers resultieren. Dieser Ausschluss gilt, wenn Versicherungsnehmer natürliche Personen sind, was im Industriegeschäft in aller Regel nicht der Fall ist. Daher besteht grundsätzlich Versicherungsschutz für Ansprüche Dritter wegen Personenschäden im Zusammenhang mit Corona-Erkrankungen.

Inwieweit eine Corona-Erkrankung eines Dritten auf eine betriebliche Tätigkeit des versicherten Unternehmens zurückzuführen ist und ob daraus – einen normalen Krankheitsverlauf unterstellt – ein ersatzfähiger Schaden entsteht, dürfte von den Umständen des Einzelfalls abhängig sein. Der Versicherungsschutz dürfte sich daher grundsätzlich auf die Abwehr unberechtigter Ansprüche beschränken.

Im Falle einer Erkrankung der eigenen Mitarbeiter gelten die Regelungen des Entgeltfortzahlungsgesetzes.

Können Lieferverträge gegenüber Dritten aufgrund einer Nichtverfügbarkeit von Produkten (Ausfall der Lieferkette) nicht erfüllt werden, so handelt es sich um Vermögensschäden Dritter, die über die Haftpflichtversicherung nicht versichert sind.

Produktschutz- und Rückrufversicherung

Auch die Versicherungsbedingungen zu Produktschutz- und Rückrufverträgen kennen keinen definierten Ausschluss für Viren-Kontaminationen, so dass Ansprüche/Aufwendungen im Zusammenhang mit kontaminierten Produkten die Deckungen grundsätzlich tangieren.

Deckungsvoraussetzung ist allerdings das Vorhandensein eines kontaminierten Produkts mit der Folge, dass der Genuss oder der Umgang mit diesem Produkt einen Personenschaden bzw. eine konkrete Personenschadengefahr auslöst und so eine gesetzliche Rückrufverpflichtung begründet bzw. die Behörde einen Rückruf anordnet. Nach aktuellen Erkenntnissen sind keine Fälle nachgewiesen, bei denen sich Personen auf einem anderen Wege als eine Tröpfchen-Infektion infiziert haben – etwa durch den Verzehr eines kontaminierten Produkts oder im Umgang mit kontaminierten Produkten (Spielzeug). Schadenfälle zur Produktschutzdeckungen dürften nach derzeitigem Stand daher nicht zu erwarten sein.

D&O-Versicherung

Den Organen der Unternehmen obliegen als Arbeitgeber gegenüber ihren Mitarbeitern Fürsorgepflichten in Bezug auf ausreichenden Mitarbeiterschutz, im Zusammenhang mit der Corona-Erkrankung insbesondere durch Minimierung von Erkrankungsrisiken und Beobachtung der Bedrohungsentwicklung.

Über die D&O-Versicherung besteht allerdings kein Versicherungsschutz für Ansprüche wegen Personenschäden. Denkbar sind aber Vermögensschäden wegen Außenansprüchen von Dritten, wie Sozialversicherungsträgern, oder Regressansprüche der Unternehmen selbst in Form von Innenansprüchen.

Rechtsschutzversicherung

Im Bereich der Rechtsschutzversicherungen dürfte der Fokus auf der Abwehr behördlicher Maßnahmen liegen, die auf Basis verwaltungsrechtlicher Vorschriften im Zusammenhang mit infektionsschutzrechtlichen und sonstigen gesundheitsrelevanten Vorschriften ergehen und möglicherweise rechtswidrig sind. Hierfür besteht Versicherungsschutz im Rahmen von Firmen- und Spezialrechtsschutzversicherungen in unterschiedlichem Umfang.

Denkbar scheinen auch Ermittlungsverfahren wegen möglicher Verstöße gegen Arbeitsschutzvorschriften, die unter Umständen bußgeldbewehrt sind. Auch bei diesen Verfahren besteht Versicherungsschutz in Form der Erstattung der Kosten für die anwaltliche Vertretung.

Transportwarenversicherung

Die Transportwarenversicherung ist eine All-Risk-Versicherung, die Verluste und Beschädigungen an den Gütern sowie Vermögens- und Güterfolgeschäden versichert.

Nach aktuellen Stand verursacht das Coronavirus keine Schäden an den versicherten Gütern oder deren Verpackung. Somit bietet die Transportwarenversicherung zwar Deckung für Verlust und Beschädigung, ein versicherter Schaden ist jedoch nicht vorstellbar. Dies gilt somit auch für die Güterfolgeschäden.

Anders verhält es sich jedoch bei den Vermögensschäden, welche durch unerwartete Stand- und Liegegelder oder Beförderungsmehrkosten entstehen. Für diese könnte je nach Police und vereinbarten Klauseln Deckungsschutz zumindest bis zu den vereinbarten Sublimiten bereitgestellt werden. Sollten Ihre Logistikpartner derartige Kosten in Rechnung stellen, prüfen wir die Ersatzpflicht gerne. Da diese Prüfung stets fallbezogen durchgeführt werden muss, können wir hier keine pauschale Aussage treffen.

Verkehrshaftungsversicherung

Da das Coronavirus eine höhere Gewalt bzw. ein unabwendbares Ereignis darstellen dürfte, sehen wir für die Logistikbranche keine Haftung für etwaige Vermögensschäden. Eine Beschädigung der Güter ist auch hier durch das Virus nicht zu erwarten. Bitte beachten Sie, Ihre Auftraggeber zu informieren und entsprechende Weisungen einzuholen und diese zu befolgen. Sofern Ihnen bereits Mehrbelastungen durch weitere Transportwege bzw. verlängerte Stand- und Liegezeiten bekannt sind, informieren Sie Ihre Auftraggeber entsprechend. Tun sie das nicht, könnten diese Kosten als nicht unvorhersehbar gewertet werden und gehen dann zu Ihren Lasten. Sollten Forderungen an Sie herangetragen werden, reichen Sie uns diese gerne zur Prüfung ein.

Fazit

Willis Towers Watson ist in ständigem Austausch mit den internationalen Versicherungsmärkten, inwieweit Lösungen für Pandemie- und Epidemierisiken insbesondere zur Absicherung von indirekten Konsequenzen geschaffen werden können. Neben klassischen Versicherungen kann ein parametrischer Risikotransfer hier ein Ansatz sein.

Neben der bestehenden individuellen Situation zum Versicherungsschutz ist in diesem Zusammenhang bereits an das kommende Renewal zu denken. Es ist davon auszugehen, dass Versicherungsgesellschaften für die klassischen Produkte in der Zukunft weitere Ausschlüsse formulieren werden. Je länger die Infektionswelle andauert, desto wahrscheinlicher ist es, dass das eigene Unternehmen mittelbar oder unmittelbar von den Folgen der Infektionswelle betroffen ist. Die versicherungsnehmende Wirtschaft sollte sich daher der globalen Situation bewusst sein, eine ganzheitliche Risikoüberprüfung in Betracht ziehen und entsprechende Maßnahmen ergreifen. Wesentliche Faktoren sind die Branche, Abhängigkeiten im Rahmen von Lieferketten sowie Redundanzen im eigenen Betriebsablauf. Dies kann zur eigenen Risikominderung und folglich zu Vorteilen bei Preisverhandlungen sowie Auswahl des notwendigen Deckungsumfanges in der Zukunft führen.

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