Mit Hauptinhalt fortfahren
Artikel | Benefits!

Nachgefragt: Mit Projektmanagement und Pragmatismus

Pensionsfonds-Übertragung in engem Zeitfenster meistern

Retirement
N/A

15. Mai 2020

Interview mit Diana Custodis, Leiterin der Versicherungsabteilung bei innogy.


Die Übertragung der Pensionsvermögen für 10.000 innogy-Betriebsrentner auf den Willis Towers Watson Pensionsfonds war präzise geplant und sorgfältig abgestimmt. Benefits! fragt nach.

Frau Custodis, M&A-Situationen sind meist gekennzeichnet durch hohen Zeitdruck, komplexe Abstimmungen mit den Behörden und weiteren Beteiligten. Bei innogy musste unter hohem Zeitdruck eine Lösung für das Management der Pensionsverpflichtungen gefunden werden. Wie hat innogy diese Herausforderung bewältigt?

Nach der Ankündigung der angestrebten Übernahme der innogy durch E.ON wurde schnell deutlich, dass die bisherige Muttergesellschaft von innogy nach dem Kontrollwechsel keine Dienstleistungen im Zusammenhang mit der betrieblichen Altersversorge mehr für innogy erbringen durfte. Bis zum frühestmöglichen Termin der geplanten Übernahme mussten daher alternative Lösungen erarbeitet und für die Umsetzung vorbereitet werden.

Innogy selbst hat keine Expertise in der Verwaltung des Pensionsvermögens und verfügt auch nicht über die entsprechenden rechtlichen Plattformen. Es war absehbar, dass der Aufbau eigener Aktivitäten bei innogy wirtschaftlich nicht sinnvoll und innerhalb des zur Verfügung stehenden Zeitfensters auch nicht möglich war.

Relativ schnell wurde deutlich, dass vor diesem Hintergrund die Übertragung von Pensionsvermögen und Treuhandvermögen auf einen externen Anbieter die beste Lösung ist, um auch nach dem Kontrollwechsel die reibungslose Fortführung der bAV sicherzustellen.

Wichtigster Erfolgsfaktor für die Abstimmung und Umsetzung einer Lösung war die kooperative Zusammenarbeit aller involvierter Parteien. Zunächst ist die gute Zusammenarbeit mit dem Alteigentümer RWE sowie dem potentiell neuen Eigentümer E.ON hervorzuheben. Alle Schritte wurden gemeinsam erarbeitet oder abgestimmt. Unter den gegebenen Umständen war dies besonders komplex, da jede Aktivität durch kartellrechtliche Experten begleitet wurde und es Einschränkungen in der Zusammenarbeit gab. Deshalb war ein exzellentes Projektmanagement besonders wichtig.

Welche Aufgabenteilung hat sich hierfür als sinnvoll erwiesen?

Wir haben die Entscheidung getroffen, zunächst auf die Pensionsfonds- und Treuhandplattformen eines externen Anbieters zurückzugreifen. Wir waren zuversichtlich, dass diese Umsetzung mit Willis Towers Watson trotz des engen Zeitplans auf Grund der hohen fachlichen Expertise von Willis Towers Watson gelingt. Mit E.ON wurde vereinbart, dass das dortige, interne Pensions-Team bereits unmittelbar nach dem Kontrollwechsel Aufgaben des Asset-Managements für innogy übernehmen wird. E.ON verfügt über langjährige Expertise auf dem Gebiet des Pension- und Asset-Managements und konnte ebenfalls sicherstellen, dass bestehende Prozesse weitestgehend unverändert bleiben. Diese Kombination ist für innogy die kosteneffizienteste und sicherste Lösung.

Was sprach für die letztendlich mit Willis Towers Watson umgesetzte modulare Lösung?

Wichtig ist eine Projektorganisation, die eine reibungslose Zusammenarbeit der involvierten Stakeholder sicherstellt.

Der Vorteil der mit Willis Towers Watson umgesetzten Lösung besteht darin, dass sich für die Rentner der innogy-Gruppe nichts ändert, dass viele Prozesse zunächst gleich bleiben konnten und die Lösung flexibel ist mit Blick auf künftige Integrationsschritte im E.ON-Konzern. Auf Grund der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit und der Notwendigkeit, den Anbieterwechsel zeitgleich mit dem Kontrollwechsel vorzunehmen, wurde für die Erst-Umstellung die weitgehende Beibehaltung der Prozesse angestrebt. Wir wollten sicherstellen, dass die Umstellung am „Tag 1“ der Übernahme und die Zusammenarbeit zwischen Willis Towers Watson, E.ON, innogy und anderen Beteiligten reibungslos funktioniert.

Es gab ein detailliertes „Drehbuch“, das mit allen Beteiligten abgestimmt war. Willis Towers Watson hat uns geholfen, jeden Prozessschritt sorgfältig vorzubereiten und insbesondere die Abstimmung mit der BaFin orchestriert. Das Vorgehen musste auch mit den innogy-Tochtergesellschaften abgestimmt und deren Zustimmungen eingeholt werden. Auch mussten zahlreiche Verträge neu gestaltet werden, da Willis Towers Watson als neuer Prozesspartner hinzukam. Was sich einfach anhört, war jedoch sehr komplex. Ein bestehendes Haus umzubauen ist in einigen Punkten kniffliger, als einen Neubau umzusetzen.

Was ist Ihr Fazit aus dem Übertragungsprojekt? Welchen Tipp würden Sie an Kollegen geben, die ähnliche Projekte planen?

Es ist wichtig, eine gute Projektorganisation zu etablieren, die eine reibungslose Zusammenarbeit der involvierten Stakeholder sicherstellt. Wichtig ist auch die Auswahl eines Partners, der über die notwendige Expertise im regulatorischen Umfeld erfolgt. Insbesondere bei Projekten dieser Komplexität und unter hohem Zeitdruck ist es wichtig, dass alle Beteiligten offen sind für praktikable Lösungen.

Diana Custodis ist Senior Projekt Manager Group Finance bei innogy. Sie verfügt über 25 Jahre Berufserfahrung im Finanzbereich der Energieversorgungsunternehmen E.ON, RWE und innogy. Frau Custodis leitete fünf Jahre die Abteilung Corporate Finance der RWE und hat in dieser Funktion alle großen M&A-Aktivitäten des Unternehmens begleitet. Sie war sieben Jahre Finanzvorstand der slowakischen Tochtergesellschaft der RWE.

Download
Titel Dateityp Dateigröße
Benefits! Magazin – Mai 2020 PDF 3.9 MB
Ihr Kontakt

Leiter Legal / Tax / Accounting Retirement

Themenverwandte 
Lösungen

Contact Us