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Artikel

Von Mythen und Gerüchten bis hin zur InsurTech (R)Evolution

Insurance Consulting and Technology
IFRS 17 Solutions|Mergers and Acquisitions

6. November 2019

Bereits zum dritten Mal in Folge fand am 29. Oktober 2019 das Willis Towers Watson P/C Lab für Versicherer in Köln statt. Der Tag war gespickt mit vielen spannenden Vorträgen unterschiedlicher Unternehmensvertreter, überraschenden Insights sowie praktischen Tipps rund um den Alltag von Aktuaren in der Nicht-Lebensversicherung. .

IFRS17 – Viel Lärm – um sehr wenig?

Karsten Wantia, Senior Director - Willis Towers Watson

Die Umsetzung des neuen Rechnungslegungsstandards für Versicherungsverträge, kurz IFRS 17, ist ein vielschichtiges Projekt. Für beteiligte Aktuare ergibt sich eine ganze Reihe von Chancen, zum Projekterfolg beizutragen und dabei gleichzeitig viel über die Materie und das eigene Unternehmen zu lernen.

Von der mikroskopischen Ebene der Datenbeschaffung, über die Methodik und Prozesse bis hin zur makroskopischen Perspektive – anhand des Beispiels der Bewertung von Rückversicherung erläuterte Karsten Wantia, was IFRS 17 für die Versicherungsindustrie bedeutet. Dabei stand stets die spannende Frage im Vordergrund, wie man als Projektmitarbeiter nicht nur zum Gelingen beiträgt, sondern was man daraus für das eigene Berufsleben lernen kann.

Karsten Wantia auf dem PC Lab Event
Karsten Wantia

Senior Director, Willis Towers Watson

Allianz – Implementierung von Unify

Philipp Link, Reserving Aktuar P&C - Allianz Deutschland AG

Wie lassen sich Prozesse im Reserving-Aktuariat automatisieren? Welche Komponenten werden dafür benötigt? Und welche Aufgaben übernimmt dabei mit welchem Potenzial der Workflowmanager? Diesen Fragen ging Philipp Link in seinem Vortrag über die Implementierung von Unify als Workflowmanager im Reserving-Aktuariat der Allianz auf den Grund. Die Live-Demo eines repräsentativen Unify-Workflows, der den Datenimport nach ResQ durchführt, diente dabei als Veranschaulichung der eingangs gestellten Fragen. Dabei lag der Fokus auf der individuellen Steuerung des Imports von Elementar-Großereignissen und Großschäden zur Erzeugung der entsprechenden Dreiecke.

Philipp Link beendete seine Präsentation mit einem Überblick, welches Potenzial der Workflowmanager Unify für das Reserving-Aktuariat der Allianz konkret hat. Automatisierte und von Unify gemanagte Prozesse sind bei der Allianz im Rahmen der IRFS-4-Reserverierung produktiv im Einsatz. Eine zusätzliche Workflow-Erweiterung ist geplant, um den End-to-End-Prozess bis ins Accounting abzubilden. Perspektivisch wird außerdem diskutiert, Unify auch zur Organisation des Solvency-II-Abschlusses einzusetzen.

Datenaufbereitung für Pricing und Monitoring – ein regelmäßiger Prozess

Anas Yaagoub, Director - Willis Towers Watson

In hohem Maße automatisiert, standardisiert und jederzeit auf Knopfdruck verfügbar – in Zeiten von Digitalisierung, Big Data und künstlicher Intelligenz sind die Erwartungen an die Datenaufbereitung im Pricing-Aktuariat sehr hoch. Die Realität sieht aber häufig anders aus. Zahlreiche Datenquellen, viele Fragestellungen und historische Entwicklungen haben nicht nur ein Flickwerk an Programmen zur Folge, das nur sehr wenige Mitarbeiter kennen und verstehen, sondern auch eine lange Dauer bei der Datenaufbereitung. In seinem Vortrag zeigte Anas Yaagoub an einem Beispiel für das Monitoring, wie die Steuerung der Datenaufbereitung mit der Willis Towers Watson Software Unify aussehen kann. Der Fokus lag dabei auf entscheidenden Verbesserungen bei den Themen Automatisierung, Governance, Geschwindigkeit und „Key-man-risk“.

M&A Projekte – ein Überblick

Stephan Westphal, Director – Willis Towers Watson

Das Thema Mergers & Acquisitions (M&A) ist und bleibt ein spannendes Feld für Aktuare. Das wird auch durch die Performance von Versicherungsaktien deutlich – denn trotz aller Probleme wie der Niedrigzinsphase, geringen Wachstumsmöglichkeiten in Europa und erhöhtem Kosten-/Preisdruck lieben Investoren die Versicherungsindustrie. Ein Grund dafür ist ganz klar der hohe freie Cashflow, beziehungsweise die hohen Dividenden, die die Branche trotz aller Probleme sehr zuverlässig auszahlt. In seinem Vortrag erörterte Stephan Westphal unter anderem die Gründe für die konstant hohen M&A-Aktivitäten im Versicherungssektor. Zum einen ist organisches Wachstum nur sehr begrenzt möglich und anorganisches Wachstum durch M&A oft die einzige Option. Zum anderen zwingt der erhöhte Kostendruck Unternehmen, verstärkt Synergien und Skaleneffekte zu realisieren in der Annahme, dass größere Einheiten kostengünstiger produzieren können. Westphals Fazit: Auch künftig sind signifikante M&A-Aktivitäten zu erwarten. Sowohl Käufer als auch Verkäufer versuchen dabei kontinuierlich, ihre Wettbewerbsposition zu verbessern. Aus Käufersicht kommt es dabei vornehmlich auf verschiedene Due-Diligence-Bereiche an, in denen Aktuare signifikanten Mehrwert bieten können.

Stephan Westphal auf dem PC Lab Event
Stephan Westphal

Director, Willis Towers Watson

Die InsurTech (R)Evolution

Dr. Niki Winter – Willis Towers Watson

In seinem Vortrag beschäftigte sich Niki Winter mit der Entwicklung der InsurTech-Szene. Hierzu beschrieb er zunächst die unterschiedlichen Schwerpunkte bei den bisherigen Startup-Aktivitäten. So wurden bei der ersten Gründungswelle vornehmlich die Vertriebsschnittstellen besetzt, während sich die zweite Welle eher den prozessualen und datengetriebenen Themen widmete. Bei der dritten und damit bisher letzten Gründungswelle stand die Gründung von vornehmlich digital agierenden Versicherern im Fokus. Basierend auf diesem „historischen“ Rückblick entwickelte Winter dann drei mögliche Szenarien, die am Ende einer vierten Welle von Gründungen stehen könnten. Eine intensive Diskussion dieser Szenarien mit dem Auditorium rundete den Vortrag ab.

Custom Methods am Beispiel des Reservierungsrisikos in ResQ

Dr. Karola Kombrink, Reserving Aktuar & Cordula Wießell, Senior Reserving Aktuar - Hannover Rück SE
Dr. Tobias Heinrich, Director - Willis Towers Watson

Mit Scripting Funktionalität und Custom Methods haben Anwender die Möglichkeit, die Standardfunktionalität der Software ResQ gemäß ihren individuellen Anforderungen zu erweitern. Gerade zu Zeiten, in denen IFRS 17 oder auch die Bestimmung von Solvency II Technical Provisions unternehmensweit standardisierte, effiziente und revisionssichere Prozesse erfordern, bieten sich zunehmend Möglichkeiten, mehr aus ResQ zu machen.

So auch für die Hannover Rück SE, wie Dr. Karola Kombrink und Cordula Wießell von der Hannover Rück SE sowie Dr. Tobias Heinrich, Willis Towers Watson, darlegten: Für die Parametrisierung des Reservierungsrisikos kommen aktuariell anerkannte Methoden mit unternehmenseigenen Anpassungen zum Einsatz, die als Custom Method in ResQ implementiert sind. Die Risikobetrachtung erfolgt somit im gleichen Tool wie und zusammen mit der deterministischen Reserveanalyse. Im gewohnten „Look-and-feel“ von ResQ lassen sich die Auswirkungen auf Risikokennzahlen aufgrund von Änderungen an Daten oder Parametrisierungsentscheidungen unmittelbar in der Methode nachvollziehen und grafisch veranschaulichen. Die Ergebnisse der Parametrisierung liegen gebündelt in ResQ vor und können leicht für die weitere Verwendung, zum Beispiel in der internen Modellierung, automatisiert ausgelesen werden. Als ein unmittelbarer Vorteil der zentralen Organisation des Prozesses in ResQ erlaubt es die Custom Method zur Veränderungsanalyse, die Überleitung der Ergebnisse hinsichtlich einzelner Änderungen von Daten und Parametrisierung zu erfassen und zu verstehen.

Mythen und Gerüchte rund um Radar Live – Wir bringen die Wahrheit ans Licht

Dr. Gero Nießen, Senior Director & Jan Ropers, Director &
Stefanie Schriek, Director - Willis Towers Watson

Eine etwas andere Form der Präsentation wählten Stefanie Schriek, Jan Ropers und Gero Nießen zur Darstellung des Themas Mythen und Gerüchte rund um Radar Live. Als Kollegen der Sicher ist sicher AG stellten sie eine virtuelle Mittagspause nach, in der die Fachabteilungen Pricing, Reserving und IT über den bevorstehenden Einsatz von Radar Live diskutieren. Neben den Vorzügen der deutlichen Effizienzsteigerung bei der Einführung neuer Tarife kamen unter anderem auch unterschiedliche Implementierungsmöglichkeiten – vom Hosten im eigenen Rechenzentrum über Cloud-Lösungen bis hin zum Hosting durch Willis Towers Watson – zur Sprache. Beeindruckend sind auch die umfassenden Governance- und Skalierungsmöglichkeiten der Software. Ebenso wurde dargestellt, wie Versicherer mit Radar Live die Digitalisierung ihrer Vertriebe unterstützen können sowie die Möglichkeit, auch komplexeste Modellstrukturen aus dem Machine-Learning-Bereich in Radar Live abzubilden.

Dr. Gero Niessen auf dem PC Lab Event
Dr. Gero Nießen

Senior Director, Willis Towers Watson

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