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Neue Sterbetafeln führen zu moderater Anpassung der Pensionsverpflichtungen

Erfahrungen aus den Jahresabschlüssen 2018

Retirement
N/A

Mai 2019

Die im Vorjahr veröffentlichten neuen Sterbetafeln sorgen für einen leichten Anstieg der Pensionsverpflichtungen. Die Spannbreite der Abweichungen zeigt sich jedoch größer als ursprünglich erwartet. Trotz einer modifizierten Systematik können die Tafeln weiterhin nicht für jedes Unternehmen passgenau sein.

Die im Vorjahr veröffentlichten neuen Sterbetafeln sorgen für einen leichten Anstieg der Pensionsverpflichtungen. Die Spannbreite der Abweichungen zeigt sich jedoch größer als ursprünglich erwartet. Trotz einer modifizierten Systematik können die Tafeln weiterhin nicht für jedes Unternehmen passgenau sein.

Im Jahresabschluss 2018 haben die meisten Unternehmen auf die neuen Heubeck Richttafeln 2018 Grow umgestellt. Damit wurden die 13 Jahre lang gültigen Richttafeln 2005 Grow abgelöst. Dies führte zu einem leichten Anstieg der Pensionsverpflichtungen, den Heubeck mit 0,5 bis 1,2 Prozent für die Steuerbilanz sowie mit 1,0 bis 2,0 Prozent für die Handelsbilanz sowie IFRS bzw. US-GAAP antizipierte. Nach der Erfahrung von Willis Towers Watson gilt diese Spannbreite jedoch nur für klassische Rentenzusagen, bei denen das Risiko der Langlebigkeit im Vordergrund steht.

Unterschiedsbeträge teils niedriger, teils deutlich höher als erwartet

Der Anwendungsbereich der Richttafeln ist allerdings viel weiter gefasst. Bei modernen Versorgungswerken auf Kapitalbasis werden die vorzeitigen Versorgungsfälle aufgrund von Invalidität bzw. Tod zum dominierenden Risiko. Dieses Risiko wird nun mit geringeren Wahrscheinlichkeiten angesetzt, so dass die Richttafeln 2018 Grow bei solchen Zusagen oftmals zu niedrigeren Verpflichtungswerten führen. Auflösungen von bis zu zwei Prozent sind keine Seltenheit. Bei der Bewertung von Jubiläumsgeldern kommt es dagegen oftmals zu Steigerungen um mehr als zwei Prozent. Der Grund dafür sind die deutlich reduzierten Invalidisierungsraten, so dass die Wahrscheinlichkeit der Inanspruchnahme des Jubiläums ansteigt. Durch die abgesenkten Invalidisierungswahrscheinlichkeiten ergeben sich auch bei der Bewertung von Sterbegeldern interessante Effekte. Leistungen werden dort nur bei Tod im aktiven Beschäftigungsverhältnis fällig. Durch die abgesenkten Invalidisierungswahrscheinlichkeiten steigt die Zahl der Aktiven und somit auch die Wahrscheinlichkeit für die Inanspruchnahme von Sterbegeldleistungen. Hier beobachtet Willis Towers Watson teilweise Zuwächse über fünf Prozent.

Altersfaktoren von beitragsorientierten Leistungszusagen prüfen

Bei der Betrachtung der Einzelergebnisse kann der Unterschied in den zweistelligen Prozentbereich gehen. Dies gilt insbesondere für Invalidenrentner – hier ist die Lebenserwartung deutlich angestiegen. Aber auch bei der Bewertung von (jungen) Aktiven sind erhebliche Veränderungen möglich. Dies hat beispielsweise Auswirkungen auf Zusagen, bei denen Beiträge mittels fester Altersfaktoren in Kapital- oder Rentenbausteine umgewandelt werden. Sowohl Zins als auch Biometrie werden in den Faktoren über den Zeitverlauf konstant gehalten. Nicht nur vor dem Hintergrund eines zunehmend volatileren Zinsumfeldes lohnt es sich somit, die Altersfaktoren von beitragsorientierten Leistungszusagen regelmäßig zu überprüfen.

Auswirkungen auch auf Versorgungsausgleich

Die Heubeck-Richttafeln werden nicht nur bei der Bewertung von Versorgungszusagen auf betriebliche Altersversorgung, sondern häufig auch beim Versorgungsausgleich und bei Verrentungsoptionen eingesetzt. Regelmäßig wird dabei in den Regelungen auf die Verwendung der „anerkannten Regeln der Versicherungsmathematik“ verwiesen. In diesen Fällen sind seit Anerkennung der neuen Heubeck-Richttafeln durch das BMF-Schreiben vom 19.10.2018 diese anzuwenden. Dies führt zu moderat sinkenden Renten.C

Fazit

Der Übergang auf die Richttafeln 2018 Grow führte überwiegend zu einem Anstieg der Pensionsverpflichtungen. Verglichen mit anderen Einflussgrößen (z. B. Rechnungszins) sind die Auswirkungen eher gering. Dennoch sollten die Unternehmen insbesondere auch bei der Neu- und Umgestaltung von Versorgungszusagen das Thema Biometrie im Auge behalten. Sowohl für die Unternehmen als auch für die Versorgungsberechtigten können sich unmittelbare Auswirkungen ergeben.

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