Pressemitteilung

Gutes Jahr für Vorsorgepläne von Schweizer Unternehmen trotz Anzeichen von Unsicherheit

Pension Risk Studie zum Deckungsgrad der SLI-Unternehmen

11. Juli 2018
| Schweiz

ZÜRICH, 11. Juli 2018 – In einem weiteren Jahr hoher Anlagerenditen und gleichbleibender Zinsniveaus ist der Deckungsgrad für die SLI-Unternehmen 2017 um rund 5% gestiegen. Das langsam steigende Zinsniveau in den USA und in der Eurozone sowie der zunehmende Protektionismus erschweren Prognosen zur wirtschaftlichen Entwicklung. Die neue Gesetzgebung zu den 1e-Plänen zeigt jedoch spürbare Auswirkungen auf De-Risking-Strategien von Schweizer Unternehmen.

Die international ausgerichtete Studie von Willis Towers Watson analysiert bei den 30 führenden SLI-Unternehmen in der Schweiz die Deckungssituation der Vorsorgeverpflichtungen in den Bilanzen sämtlicher leistungsorientierter Vorsorgepläne gemäss den internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS und US-GAAP inner- und ausserhalb der Schweiz.

"Wir sehen uns jedes Jahr an, wie sich die Märkte bewegen und welche Auswirkungen sich für die Vorsorgeverpflichtungen von Schweizer Unternehmen weltweit ergeben haben. Die Schweizer Unternehmen sind derzeit gut positioniert. Gemäss unserer Erfahrung ist das Thema Vorsorge für Arbeitnehmer von Bedeutung und sollte daher auch den Arbeitgebern ein wichtiges Anliegen sein", erklärt Stephan Wildner, Head of Retirement bei Willis Towers Watson in Zürich.

Trotz verbesserter Ergebnisse ist Wachsamkeit geboten

Im Vergleich zum Vorjahr sind die Vorsorgeverpflichtungen der analysierten SLI-Unternehmen um CHF 3.6 Mrd. gesunken (-1.7%). Im gleichen Zeitraum stieg das Planvermögen um CHF 0.9 Mrd. (+0.4%), sodass der durchschnittliche Deckungsgrad für die SLI-Unternehmen um 5% stieg. Änderungen an den von den Vorsorgeeinrichtungen verwendeten Rechnungslegungsmethoden und De-Risking Massnahmen der Vorsorgepläne stellten hier einige der bestimmenden Faktoren dar. 2017 waren die Vorsorgeverpflichtungen zu 85% durch die entsprechenden Planvermögen gedeckt (2016: 80%).

Bei weitgehend unveränderter Vermögensallokation und trotz vorrangig niedriger Zinsen betrugen die Anlagerenditen 2017 rund 7.8%. So halten SLI-Unternehmen ~35% ihrer Investitionen in Aktien, ~40% in Anleihen und ~25% in Immobilien und alternativen Anlageklassen.

Die Deckungsgrade der Vorsorgeverpflichtungen stiegen 2017 auf Grundlage internationaler Rechnungslegungsstandards (bei sich in der Schweiz stabilisierenden und in anderen Regionen steigenden Zinssätzen sowie hohen Anlagerenditen). "Obwohl die Anlagerenditen in den vergangenen Jahren gut ausfielen, sind die gestiegenen Marktrisiken aufgrund des aufstrebenden Protektionismus und seiner potenziellen Konsequenzen auf Ebene der Inflation nicht zu unterschätzen. Es ist daher höchst ratsam, sich die Vermögensallokation anzusehen und zu bestimmen, wie diese mit den erwarteten Fälligkeiten der Rentenzahlungen übereinstimmt", erklärt Peter Zanella, Pensionskassenexperte bei Willis Towers Watson in Zürich.

"Wenn die Zinsen steigen, wie wir es an vielen Märkten weltweit beobachten, kommt es oft zunächst zu einem Abwärtstrend bei den Anlagerenditen, wenn alle übrigen Faktoren gleich bleiben. Eine Diversifizierung des Portfolios und die Suche nach innovativen Anlageklassen mittels Risikoanalysen der Verpflichtungs- und Vermögensstruktur kann zum jetzigen Zeitpunkt genau das Richtige sein, um die zukünftige Finanzierung zu sichern", führt Peter Zanella aus.

Steigende Diskontierungssätze und rückläufige Planvermögen in Q1

Trotz des stabilen Zinsniveaus 2017 ist die durchschnittliche Rendite von Unternehmensanleihen in der Schweiz in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres um rund 15 Basispunkte gestiegen. In den USA wurden Zuwächse von rund 35 Basispunkten registriert, im Vereinigten Königreich um rund 8 Basispunkte.

Bei Vorsorgeplänen mit einer 15-jährigen Laufzeit (wie bei einem typischen Schweizer Vorsorgeplan) waren die Vorsorgeverpflichtungen infolge des steigenden Diskontierungssatzes in der Schweiz etwa 2% rückläufig. Jedoch haben sich auch die Planvermögen in der Schweiz im ersten Quartal generell um rund 1-2% verringert, vermutlich in Reaktion auf das steigende Zinsniveau ohne entsprechende Veränderung der Vermögensallokation.

Suche nach Möglichkeiten, Bilanzen zu verkleinern

Eileen Long, Pensionsversicherungsexpertin bei Willis Towers Watson in Zürich, erklärt: "Im Herbst 2017 hat das Schweizer Parlament ein Gesetz verabschiedet, das den Wegfall der gesetzlichen Mindestgrenze bei den sogenannten 1e-Plänen vorsieht. Diese Pläne können damit leichter als beitragsorientierte Pläne nach internationalen Rechnungslegungsstandards behandelt werden. Viele Unternehmen prüfen deren Umsetzung oder bieten derartige Pläne bereits an, sodass einige Verpflichtungen in ihrer Bilanz entfallen. Dies trägt zur Stabilisierung der volatilen Vorsorgeverpflichtungen bei. Ebenso stellt es eine De-Risking Strategie dar, die einige der Langzeitrisiken für Vorsorgeeinrichtungen in der heutigen Zeit eliminiert. Für viele Mitglieder bedeutet dies zudem auch mehr Flexibilität und Auswahl."

Die Schweiz steht im internationalen Vergleich gut da

Weltweit sind die Deckungsgrade 2017 gestiegen. Der durchschnittliche Deckungsgrad von (US-)Unternehmen, zusammengefasst im Willis Towers Watson Pension 100 Index, ist von 82% auf 87% gestiegen. Der Deckungsgrad der DAX-Unternehmen verzeichnete einen Anstieg von 63% (2016) auf 68%. Damit erzielen die SLI-Unternehmen mit 85% im Verhältnis zu Unternehmen in den USA ein vergleichbares Resultat und lassen ihre deutschen Kollegen deutlich hinter sich zurück.

Hintergrundinformationen zur Studie

Die Pension Risk Studie von Willis Towers Watson untersucht die Vorsorgeverpflichtungen sowie die Höhe und Entwicklung des Vorsorgeaufwands der Unternehmen des Swiss Leader Index (SLI). Dieser Index setzt sich aus den 19 SMI-Unternehmen und den zehn grössten Werten der 30 SMI Mid Cap Titel zusammen. Der SLI enthält damit die 29 wichtigsten Werte des Schweizer Aktienmarkts und umfasst die führenden börsenkotierten Unternehmen des Landes.

Willis Towers Watson hat 2017 die offengelegten Verpflichtungen aus der beruflichen Vorsorge der SMI- und SLI-Firmen gemäss den internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS und US GAAP analysiert. Die Ergebnisse unterscheiden sich daher grundlegend von den Daten, wie sie schweizerische Vorsorgeeinrichtungen nach Swiss GAAP FER26 publizieren.

Ziel der Pension Risk Studie von Willis Towers Watson ist es, einen Überblick über die Situation von Schweizer Unternehmen zu gewinnen und damit eine fundierte Grundlage für die Ausarbeitung von spezifischen Massnahmen für einzelne Unternehmen zu schaffen.