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Survey-Report

Auswirkungen der Einführung von 1e-Plänen auf die Basiskasse

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Von Elena Selivanova und Brenda Duruz-McEvoy | 29. Oktober 2018

In diesem Artikel zeigen wir, dass diese Befürchtungen bei einer ausgewogenen Ausgangssituation der Basiskasse (jeweilige Pensionskasse ) in vielen Fällen gegenstandslos sind.

Übersicht

In 2017 hat der Gesetzgeber die Möglichkeit geschaffen, Risiken (insbesondere die Langlebigkeit und die Anlagerisiken) im Rahmen der Einführung eines 1e-Plans zum Teil auf die Arbeitnehmer zu übertragen. Der Arbeitnehmer kann diesen Teil seiner beruflichen Vorsorge passend zu seiner persönlichen Risikobereitschaft und Risikofähigkeit anlegen und von den erzielten Anlagerenditen profitieren.

Die Einführung eines 1e-Plans ist für die bisherige Pensionskasse, im folgenden Basiskasse genannt, mit Mittelabflüssen verbunden: Altersguthaben werden anteilig übertragen, laufende Beiträge über der 1e-Grenze entfallen. Auf den ersten Blick scheint dies die Basiskasse zu schwächen.

In diesem Artikel zeigen wir, dass diese Befürchtungen bei einer ausgewogenen Ausgangssituation der Basiskasse in vielen Fällen gegenstandslos sind: Der Wegfall eines Teils der Verpflichtungen überkompensiert die Mittelabflüsse. Sollte – wie politisch diskutiert – die 1e-Grenze moderat reduziert werden, verstärken sich diese positiven Effekte.

Definition eines Modellbeispiels

Die Ergebnisse unserer Analyse der Auswirkungen der Übertragung auf einen 1e-Plan stellen wir anhand eines repräsentativen Modellbeispiels vor. Im Folgenden vergleichen wir die Ergebnisse der Modellrechnungen für die bilanziellen Auswirkungen auf die Basiskasse vor und nach einer Übertragung auf einen 1e-Plan.

Für den Vergleich haben wir die folgenden zentralen regulatorischen Risikokennzahlen für Pensionskassen ausgewählt:

  • Deckungsgrad nach Art. 44 BVV 2
  • Relation zwischen der effektiven Wertschwankungsreserve und der Zielwertschwankungsreserve
  • Sollrendite gemäss der Verteilung von Aktiven und Rentnern ohne Änderungen in der Kostenstruktur

Ferner analysieren wir, wie sich die Ausgangssituation bei der Basiskasse auf die oben genannten Kennzahlen auswirkt. Abschliessend gehen wir auf die Auswirkungen einer allfälligen Reduktion der Lohnobergrenze für die Übertragung auf einen 1e-Plan von CHF 126‘900 auf z. B. CHF 100‘000 ein.

Abb. 1: Auswirkungen auf die Risikokennzahlen der Basiskasse: Ergebnisse (Geldangaben in Mio.CHF)

Lohnobergrenze für die anteilige Übertragung von Altersguthaben: 126.9 kCHF Anteil Rentner im Vorsorgekapital: 30 % Status Quo Nach Übertragung
A Verfügbares Vermögen 5,079 4,830
B Versicherungstechnische Verpflichtungen
Vorsorgekapital aktive Versicherte
Vorsorgekapital Rentner
Versicherungstechnische Rückstellungen
C Technischer Überschuss (Verlust)
4,617
3,000
1,316
301
462
4,342
2,752
1,316
274
488
Lohnobergrenze für die anteilige Übertragung von Altersguthaben: 100 kCHF
Anteil Rentner im Vorsorgekapital: 30 %
Status Quo Nach Übertragung
D Deckungsgrad gemäss Art. 44 BVV 2: A / B
E Effektive vs. Ziel-Wertschwankungsreserve
F Sollrendite
110.0 %
61 %
2.53 %
112.1 %
72 %
2.54 %

Analyse der Ergebnisse

Die untersuchten Bespiele zeigen, dass sich der Deckungsgrad der Basiskasse durch die Übertragung auf einen 1e-Plan verbessert. Je besser die Ausgangssituation ist, desto grösser sind die Auswirkungen: In den untersuchten Bespielen verbessert sich der Deckungsgrad bei einem Deckungsgrad von 110 Prozent bzw. 115 Prozent im Basisszenario auf 111.2 Prozent bzw. 116.6 Prozent.

Dieses Ergebnis ist auf den ersten Blick überraschend.
Gründe dafür sind:

  • Bilanzverkürzung und Auflösung der Deckungskapitalien in gleicher Höhe
  • anteilige Auflösung der technischen Rückstellungen für aktive Versicherte
  • höhere Gewichtung des Überschusses aufgrund der Bilanzverkürzung

Diese Ergebnisse sind auch aus wirtschaftlicher Sicht nachvollziehbar: Mit einer Übertragung von anteiligen Guthaben fallen Garantien für aktive Versicherte weg. Aufgrund der sukzessiven Absenkung der Umwandlungssätze nehmen die Garantien ausserdem mit dem Alter der Versicherten zu. Die 1e-berechtigten Versicherten haben i. d. R. ein höheres Alter als der Durchschnitt im Bestand. (Der Altersunterschied zwischen dem Bestandsdurchschnitt und den 1e-berechtigten Destinatären beträgt bei repräsentativen Grossbeständen ca. 6 Jahre.) Deshalb fällt die anteilige Auflösung von Rückstellungen im Vergleich zur Auflösung von Altersguthaben sogar leicht überproportional aus. Die Mittel aus der Auflösung von Rückstellungen und der anteilige Überschuss bleiben in der Basiskasse und verbessern so ihre Risikofähigkeit.

Eine Absenkung der Lohnobergrenze für die anteilige Übertragung führt ausserdem zu einer weiteren Homogenisierung des Bestands: Die durch die höheren Beiträge und Lohnsteigerungen im Alter bedingten höheren Leistungszuwächse fallen weg. (Dabei nehmen wir an, dass die Grenze immer noch so hoch liegt, dass keine neuen Rückstellungen, z. B. zur Erfüllung der BVG-Minimum-Garantie, gebildet werden müssen.) Dadurch verbessert sich die Risikofähigkeit der Basiskasse weiter.

Fazit

Die Analyse der quantitativen Auswirkungen der Einführung von 1e-Plänen inkl. der Übertragung der anteiligen Altersguthaben auf die Bilanz der Basiskasse ergibt die folgenden zentralen Ergebnisse:

  • Verbesserung des Deckungsgrads, in typischen Beispielen um ca. 1 bis 2 Prozent
  • Höhere Quote bei der Stellung der Wertschwankungsreserve
  • Neutrales Ergebnis für die Sollrendite

Die Analyse der Netto Cash Flows als Indikator für die langfristigen Auswirkungen auf die Basiskasse zeigt, dass nach ca. 15 Jahren trotz der tieferen Beiträge aus dem Bestand ein besseres Netto-Ergebnis generiert wird.  Grund dafür sind die deutlich tieferen künftigen Rentenzahlungen.

In den meisten europäischen Ländern wurde in den letzten Jahren zumindest teilweise ein Risikotransfer auf die Arbeitnehmer durchgeführt. Dabei wurden üblicherweise Zusagen mit Garantien durch Beitragszusagen ersetzt. Das Schweizer 1e-Modell bietet die einzigartige Möglichkeit, die Risikooptimierung in der Basiskasse mit der Flexibilisierung für den Arbeitnehmer zu kombinieren. Schlussendlich würde eine moderate Absenkung der Lohnobergrenze für 1e-Pläne bei einer ausgewogenen Ausgangssituation der Basiskasse zu einer weiteren Verbesserung der Risikofähigkeit führen.

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