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Pressemitteilung

Ausserordentliche Situation - Blick in die Zukunft für Schweizer Pensionskassen

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12. Mai 2020

Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie sind noch unbekannt. Erste Auswirkungen auf die Schweizer Pensionskassen sind aber bereits absehbar, wie eine Analyse von Willis Towers Watson aufzeigt. Diese fasst sowohl die Sicht von Mitarbeitenden, Investoren, Arbeitgebern und Pensionskassen zusammen.

ZÜRICH, 12. Mai 2020 In den letzten Monaten wurde die Weltwirtschaft wie auch die Schweizer Wirtschaft auf den Kopf gestellt. Die Unterstützung durch Zentralbanken und staatliche Massnahmen war beispiellos, um die Wirtschaft zu stützen. In der Schweiz wurden viele reguläre Aktivitäten seit gestern wieder aufgenommen, die langfristigen Auswirkungen der Pandemie sind aber unbekannt.

Die Schweizer Pensionskassen sind das Herzstück unseres schweizerischen Sozialsystems, und die für ihre Verwaltung Verantwortlichen müssen weiterhin langfristig denken und gleichzeitig sicherstellen, dass kurzfristige Entscheidungen getroffen werden. Willis Towers Watson hat die Situation der Pensionskassen aus verschiedenen Blickwinkeln analysiert.

Die Analyse im Überblick:

Sicht der Mitarbeiter

Das schweizerische Pensionskassengesetz bietet viele Garantien und Schutzmechanismen für Schweizer Arbeitnehmer und ihre Familien - und das ist bis heute unverändert geblieben. Das angesammelte Alterskapital jedes Arbeitnehmers ist garantiert, selbst wenn die Pensionskasse im Jahr 2020 negative Renditen aufweist. Ausgenommen davon sind 1e Pläne, in welchen der Mitarbeiter das direkte Anlagerisiko trägt. Diejenigen, die sich bereits im Ruhestand befinden, haben ebenfalls einen Schutz für die Zahlung ihrer Rente. Die Leistungen bei Tod oder Invalidität - zum Schutz der Erwerbsbevölkerung und ihrer Familien - bleiben zu 100% bestehen.

Arbeitnehmer, die gezwungen sind, in Kurzarbeit zu arbeiten, behalten ihren Schutz in der Schweizer Pensionskasse zu 100%, auch wenn ihr Gehalt gekürzt wird. Im Falle von Arbeitslosigkeit (d.h. Verlust des Arbeitsplatzes) werden die Leistungen des Arbeitnehmers jedoch grundsätzlich tiefer sein. Wie auch die Arbeitnehmer, die kurz vor der Pensionierung oder dem Kauf eines Hauses stehen, sollten sie ihre persönliche Situation genau überprüfen, und sicherstellen, dass sie alle Flexibilitäten und Optionen kennen.

Was die Mitarbeiterkommunikation anbelangt, so gibt es keine unmittelbare zwingende Kommunikation für die Schweizer Pensionskasse, aber wir empfehlen allen Parteien, sich gemeinsam zu engagieren, da sich die Mitarbeiter um ihre Altersvorsorge (einschliesslich derer in 1e-Plänen) Sorgen machen.

«Mittelfristig gesehen wird diese Krise weiterhin Druck auf die Schweizer Pensionskassen und ihre Kostenstruktur ausüben.»

Urs Bannwart,
Director Pension Brokerage, Switzerland

«Mittelfristig gesehen wird diese Krise weiterhin Druck auf die Schweizer Pensionskassen und ihre Kostenstruktur ausüben. Bei den künftigen Altersrenten ist der wichtigste Parameter der Rentenumwandlungssatz. Es ist zu erwarten, dass er weiter sinken wird, was sich auf die Höhe der Leistungen für die künftigen Rentner auswirken wird. Pensionskassen, welche mit einer Unterdeckung ins nächste Jahr starten, können beginnen zusätzliche Sanierungsbeiträge von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu verlangen - diese Massnahme könnte dieses Mal mehr zum Zuge kommen als noch bei der letzten Finanzkrise», fasst Urs Bannwart, Director Pension Brokerage bei Willis Towers Watson Switzerland zusammen.

Standpunkt zu Investments

Die jüngste Krise besteht in einer Neubewertung der Vermögenswerte ausgehend von den Markthöchstständen im Jahr 2019, was dazu beigetragen hat, dass die Schweizer Pensionskassen das Jahr in einer günstigen Position abschliessen konnten und den Versicherten 2019 eine gute Verzinsung gutgeschrieben wurde. Die Krise hat auch gezeigt, dass die Staatsanleihen, nachdem sie sich anfänglich gut gehalten haben, ihre vorgesehene Rolle als sicherer Hafen in dieser Krise nicht vollständig erfüllt haben. «Dies könnte in der Zukunft eine Herausforderung darstellen, da die Kreditrisiken weiter zunehmen und die traditionelle Beziehung zwischen Aktien und Anleihen verändern könnten», hält Urs Bannwart fest

Obwohl die jüngsten Auswirkungen auf die Schweizer Pensionskassen für das Jahr 2020 negativ sind (abhängig vom bestehenden Portfolio), hat das hohe Finanzierungsniveau zu Beginn des Jahres (durchschnittlich 115%) wirklich dazu beigetragen, den Schaden zu mildern, und die meisten Schweizer Pensionskassen dürften heute immer noch über 100% Finanzierungsniveau liegen.

Obwohl die Welt nach einer Pandemie wahrscheinlich anders aussehen wird, mit einem System mit höherer Rendite und höherem Risiko und einer langsameren Weltwirtschaft, waren die letzten Wochen positiv, und das Schlimmste liegt möglicherweise hinter uns, obwohl noch viele Herausforderungen vor uns liegen.

Für Schweizer Pensionskassen sollten die folgenden Punkte leicht zu beurteilen sein. Der Liquiditätsbedarf sollte überprüft werden, und die Anleger sollten vorausschauend planen, um zu vermeiden, dass sie gezwungen sind, unterbewertete Vermögenswerte zu ungünstigen Zeiten zu verkaufen. Die verschiedenen Liquiditätsquellen und der Neuausgleichsbedarf sollten auf der Grundlage des Finanzierungsanteils priorisiert werden. In allen Fällen sollten formelle, mechanische Prozesse am besten unangetastet bleiben, um im Durchschnitt das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Es sollte sichergestellt werden, dass alle kurzfristigen Investitionsmöglichkeiten (z.B. Bargeldpositionen) geprüft und berücksichtigt werden. Schliesslich sollte sichergestellt sein, dass die Bereitschaft für künftige Krisen überprüft wird. Dazu gehört die Reduktion der Abhängigkeit von der Entscheidungsfindung einzelner Personen hin zu gruppengesteuerten Prozessen, um die Entscheidungsfindung und die Ergebnisse auf der Grundlage von Risikominderungsstrategien zu verbessern.

Standpunkt des Arbeitgebers

Für den Arbeitgeber besteht die kurzfristige Priorität darin, ein gutes Verständnis für den Gesundheitszustand der Vorsorgelösung zu haben, indem er das Finanzierungsniveau und die Wahrscheinlichkeit einer Unterfinanzierung prüft. Der Arbeitgeber muss weiterhin alle erforderlichen Beiträge an die Pensionskasse zahlen (ohne Verzögerung). Darüber hinaus sollten Arbeitgeber erwägen, eine bestehende Arbeitgeber-Beitragsreserve zu nutzen, um entweder arbeitgeber- oder arbeitnehmerbezogene Beiträge oder beide zu zahlen. Letzteres ist vorübergehend erlaubt. Schliesslich können Arbeitgeber ihre Vorsorgelösung überprüfen und sich mit Mitbewerbern vergleichen. Eine ordnungsgemässe Führung im Stiftungsrat hilft dem Arbeitgeber, einen besseren Überblick über künftige Ereignisse und Entscheidungen zu erhalten.

«Bei denjenigen, die von der internationalen Rechnungslegung betroffen sind, gehen wir davon aus, dass die Diskontsätze schnell nach oben und unten schwanken werden, und für die meisten Arbeitgeber ist eine Nachverfolgung ab dem Datum ihrer Offenlegung vorgeschrieben», sagt Urs Bannwart.

Standpunkt der Schweizer Pensionskasse

Die erste Priorität besteht darin, den Fortbestand der Pensionskasse sicherzustellen. Es liegt in der Verantwortung des Stiftungsrates deren Leistungsfähigkeit zu gewährleisten und die Verwaltung der Pensionskasse zu überwachen - virtuelle Sitzungen werden eingesetzt, um die Sicherheit und den Betrieb zu gewährleisten.

Kurzfristig müssen grundlegende Funktionen wie die Rentenzahlungen, die Kommunikation mit den Mitgliedern und mit dem Arbeitgeber aufrechterhalten oder sogar verstärkt werden. Es ist wichtig, die finanzielle Stabilität zu kontrollieren und die Entwicklung des FRP/DTA 4 zu verstehen, da dies ein zentraler Parameter für die Verbindlichkeiten der Stiftung und ihres Finanzierungsniveaus ist.

Schliesslich sollten die Pensionskassen alle ihnen zur Verfügung stehenden Instrumente nutzen, um diese Situation zu bewältigen und die Stiftung bei Bedarf zu schützen. Um solche datengetriebenen Entscheidungen zu treffen, könnten einige Szenarien durch die Änderung von Schlüsselparametern (technische Grundlagen, Vermögensniveau, Umwandlungssätze, demographische Veränderungen) getestet werden.

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