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Pressemitteilung

Der Pensionsindex zeigt ein Defizit

Willis Towers Watson Swiss Pension Finance Watch - 3. Quartal 2019

Investments|Retirement
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11. Oktober 2019

ZÜRICH, 11. Oktober 2019 – Die Pensionsbilanzen von Schweizer Unternehmen mussten im 3. Quartal Einbussen hinnehmen, da die Diskontierungssätze einbrachen. Infolgedessen wies der Willis Towers Watson Pension Index zum ersten Mal seit dem 2. Quartal 2017 ein Defizit aus. Die Gesamtkapitalrendite, die der Rendite im 2. Quartal weitgehend entsprach, konnte die Auswirkungen des deutlichen Rückgangs der Diskontierungssätze kaum ausgleichen. Insgesamt nahm der Deckungsgrad (d. h. das Verhältnis von Pensionsvermögen zu Pensionsverpflichtungen) um rund 4 Prozent ab, wie aus dem Willis Towers Watson Pension Index hervorgeht. Er sank von 103,5 Prozent per 30. Juni 2019 auf 99,6 Prozent per 30. September 2019.

Der Pensionskassenindex wird vierteljährlich im Swiss Pension Finance Watch von Willis Towers Watson veröffentlicht und basiert auf dem International Accounting Standard 19 (IAS 19). Der Index stellt die quartalsweise Entwicklung des Ausfinanzierungsgrads unter IAS 19 dar, statt den sonst typischen Deckungsgrad der schweizerischen Vorsorgepläne anzugeben.

Unternehmen sind mit negativen Diskontierungssätzen konfrontiert

Im 3. Quartal wurde der Begriff «Diskontierungssatz» infrage gestellt. «Im 3. Quartal hat die Schweiz zum ersten Mal für die Zwecke der Rechnungslegung nach IAS 19 negative Diskontierungssätze verzeichnet», kommentiert Adam Casey, Head of Corporate Retirement Consulting bei Willis Towers Watson in Zürich. Die Diskontierungssätze zogen zwar im September wieder leicht an, sie sind jedoch bei kürzeren Durationen nach wie vor negativ und bei längeren Durationen nur knapp positiv. Negative Diskontierungssätze bedeuten, dass künftige Verpflichtungen bei der Ermittlung des aktuellen Werts nicht mehr diskontiert, sondern überhöht werden. «Es ist unmöglich, die Entwicklung der Diskontierungssätze im 4. Quartal abzusehen. Wir bereiten die Unternehmen jedoch auf die ungewöhnliche, aber reale Möglichkeit negativer Diskontierungssätze für die Bewertungen im Jahr 2019 nach IAS 19 vor. Einige von ihnen wiesen bei der Berichterstattung per 30. September 2019 tatsächlich bereits einen negativen Diskontierungssatz aus», fügt er hinzu. Es ist jetzt die richtige Zeit, sicherzustellen, dass die für Rechnungslegungszwecke der Unternehmen verwendeten Annahmen der aktuell besten Einschätzung der Entwicklung des Pensionsplans entsprechen. Anpassungen von bestimmten Annahmen, die in den letzten Jahren nicht überprüft wurden,  könnten zu einer dringend benötigten Verringerung der Verpflichtungen der Pensionskassen führen.

Unternehmen sollten sich der aktuellen Marktbedingungen bewusst sein und wissen, wie sie sich auf die Pensionspläne in ihren eigenen Bilanzen auswirken. So können sie sich frühzeitig auf bedeutende Veränderungen der internationalen Rechnungsabschlüsse vorbereiten. Die Unternehmen können auch anstreben, ihre Risiken durch die Überprüfung der Struktur ihrer Pensionspläne zu optimieren.

Bewirtschaftung der Risiken über verschiedene Zeithorizonte

Aufgrund der anhaltenden Unsicherheit an den Märkten infolge des Handelskonflikts, der politischen Instabilität und des verlängerten Konjunkturzyklus fanden Anleger die relative Sicherheit erstklassiger Anleihen attraktiv. Dadurch wurden die Renditen sogar noch weiter gedrückt. Ertragsorientierte Vermögenswerte wie Aktien liegen jedoch weiterhin im Plus, da die Zentralbanken die Geldpolitik angesichts der schwächeren Prognosen für das Wirtschaftswachstum erneut gelockert haben.

«Im 3. Quartal hat die Schweiz zum ersten Mal für die Zwecke der Rechnungslegung nach IAS 19 negative Diskontierungssätze verzeichnet»

Head of Corporate Retirement Consulting, Willis Towers Watson, Zürich

Es ist ausschlaggebend, dass sich Stiftungsräte nicht zu stark durch kurzfristige Schwankungen der Marktstimmung beeinflussen lassen. Sie sollten sich auf ihre längerfristige strategische Positionierung über verschiedene Anlageklassen hinweg konzentrieren, solange die Märkte volatil sind und eine Rezession in naher Zukunft durchaus möglich ist. Michael Valentine, Investment Consultant bei Willis Towers Watson in Zürich, rät: «Mit einem gut diversifizierten Portfolio über verschiedene Risikofaktoren können Pensionskassen die kurzfristige Volatilität am besten überstehen. Der lange Anlagehorizont der Pensionskassen kommt im Grunde einem Wettbewerbsvorteil gleich. Es besteht jedoch die Gefahr, dass er schnell abnimmt, wenn die Timingstrategie (das Market Timing) zu stark in den Mittelpunkt gestellt wird. Pensionskassen können ihre vielfältigen (durch Erträge kompensierten und nicht kompensierten) Risiken über verschiedene Zeithorizonte bewältigen, indem sie alle zwei bis drei Jahre eine ALM-Studie (Asset Liability Management) durchführen. Dabei werden nicht nur die Aspekte des Kapitalmarkts berücksichtigt, sondern auch die Portfoliostrategien an die Verpflichtungen der Pensionskasse angepasst. Ausserdem stimmt die markante Erhöhung der Zinsen bei nachhaltigen Anlageansätzen völlig mit den Zielen der Pensionskasse überein. Diese Aspekte sollten daher idealerweise bei der Ableitung von Anlageüberzeugungen zu Beginn einer ALM-Studie berücksichtigt werden.»

Der Anstieg der Pensionsverpflichtungen wurde durch die Anlagerenditen zum Teil ausgeglichen

Trotz der uneinheitlichen Entwicklung im August schlossen viele Indizes am Anlagemarkt das 3. Quartal in der Nähe ihrer Allzeithochs ab. Die im bisherigen Jahresverlauf 2019 erzielte Rendite von 12,2 Prozent des 2005 BVG-40 plus Index von Pictet, die einen soliden Ertrag von 2,2 Prozent im 3. Quartal umfasst, wurde von Unternehmen mit bedeutenden Bilanzpositionen begrüsst, da sich die Renditen der Unternehmensanleihen weiter verringern. Diese nahmen um weitere 33 Basispunkte ab und erreichten damit im Grunde ein Allzeittief für die Schweiz, die Pensionsverpflichtungen stiegen um 6,3 Prozent. Der kombinierte Effekt der gestiegenen Pensionsverpflichtungen und der minimal für Ausgleich sorgenden positiven Anlagerenditen im Berichtsquartal führte zum ersten Mal seit zweieinhalb Jahren zu einem Rückgang des Index unter die Marke von 100 Prozent.

Der Willis Towers Watson Pension Index misst die Veränderungen des Verhältnisses zwischen dem Planvermögen und den Pensionsverpflichtungen eines Stichproben-Pensionsplans mit einem Indexniveau von 100 Prozent per 31. Dezember 2006.
Der Willis Towers Watson Pension Index - Schweiz

Der Willis Towers Watson Pension Index misst die Veränderungen des Verhältnisses zwischen dem Planvermögen und den Pensionsverpflichtungen eines Stichproben-Pensionsplans mit einem Indexniveau von 100 Prozent per 31. Dezember 2006.

Hintergrundinformationen zur Studie

Der Swiss Pension Finance Watch untersucht vierteljährlich die Auswirkungen von Kapitalmarktentwicklungen auf die Finanzierung von Vorsorgeplänen in der Schweiz. Die Studie ist Teil des Global Pension Finance Watch von Willis Towers Watson, dessen Ergebnisse für die wichtigsten Pensionsmärkte der Welt bis ins Jahr 2000 zurückgehen. Die Studienergebnisse werden vierteljährlich veröffentlicht. Der Schwerpunkt liegt auf dem Anlagevermögen und den Verpflichtungen. Der Bericht deckt Vorsorgepläne in Brasilien, Kanada, der Eurozone, Japan, der Schweiz, Grossbritannien und den USA ab.

Die Auswirkungen der Kapitalmärkte auf diese Vorsorgepläne betreffen zwei Bereiche:

  • Die Auswirkungen der Anlageperformance auf das Planvermögen
  • Die Auswirkungen von wirtschaftlichen Annahmen auf die Pensionsverpflichtungen (gemäss International Accounting Standards)

Dem Modell von Willis Towers Watson liegt ein Benchmark-Pensionsplan zugrunde, der die Pensionsverpflichtungen und das Planvermögen (inkl. Vermögensmix) darstellt, die typischerweise im jeweils betrachteten Pensionsmarkt vorkommen. Anhand der Auswirkungen von Kapitalmarktentwicklungen auf das Vermögen und die Verpflichtungen wird ein Pension Index erstellt. Dieser bildet die Veränderungen im Ausfinanzierungsgrad des Benchmark-Pensionsplans ab.

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