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Anlagen von Schweizer Pensionskassen: Haben sich die Spielregeln geändert?

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Von Michael Valentine und Jérôme Franconville | 12. Mai 2021

Welche Folgen hat das alles für unsere Anlagen, wenn wir 2021 und darüber hinaus erfolgreich anlegen wollen?
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    Bewegte Zeiten

    Nach einem unglaublich turbulenten Jahr 2020 fragen sich langfristig orientierte, institutionelle Anleger, was die Veränderungen, die wir alle neulich in unserer Arbeitswelt und in unserem gesellschaftlichen Leben erlebt haben, für ihre Anlagen bedeuten.

    In unserem Webinar "360° Benefits Academy - Investment" Anfang des Jahres haben wir uns mit der drängenden Frage beschäftigt, die sich unseren Kunden (insbesondere Schweizer Pensionskassen) stellt: Welche Folgen hat das alles für unsere Anlagen, wenn wir 2021 und darüber hinaus erfolgreich anlegen wollen?

    Vorab, eine kurze Antwort auf die Frage zu den Spielregeln; auch heute gelten noch die gleichen Grundregeln, nämlich den Fokus legen auf die Entwicklung der Verbindlichkeiten und die Erzielung angemessener und solider Renditen über längere Zeithorizonte. Mit dem gestiegenem Tempo und der höheren Komplexität der Marktentwicklungen, insbesondere bezüglich der Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren (ESG), die sich ebenfalls als relevant für die finanziellen Ergebnisse erwiesen haben, besteht jedoch die Notwendigkeit, die Art und Weise, wie diese Renditen erzielt werden, zu überdenken und zu überarbeiten.

    Unabhängig davon, ob Covid-19 direkt verantwortlich ist oder nicht, haben die Marktentwicklungen der letzten Monate die Problembereiche innerhalb bestehender Anlageklassen und traditioneller Investmentansätze, zum Beispiel bei marktkapitalisierungsgewichteten Indizes, verschärft.

    Das typische Portfolio einer Schweizer Pensionskasse, mit 38% in Liquidität und Obligationen, 30% in Aktien und 32% in Immobilien und alternativen Anlagen* spiegelt die günstigen historischen Bedingungen der letzten Jahrzehnte wider (demografischer Wandel, technologischer Fortschritt, Entstehung eines neuen Wirtschaftsgiganten, in Form von China). Als Folge sind hohe Klumpensiken vorhanden und tiefe Renditen zu erwarten.

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    Welche einzelne Massnahmen können ergriffen werden?

    Im Folgenden bedienen wir uns einer vereinfachten Unterteilung des Portfolios in "einkommens- / sicherheits-orientierte" und «rendite-orientierte» Vermögenswerte, oder schlicht in Obligationen und Aktien:

    Herkömmliche Obligationen, welche fast 40 % des Gesamtvermögens ausmachen, liefern voraussichtlich keine oder nur gering positive Renditen, sind Zinsrisiken ausgesetzt (im Falle einer Inflation oder eines hohen Wirtschaftswachstums) und bergen zudem ein erhebliches Kreditrisiko (Rekordverschuldung). Folgende Elemente empfehlen sich:

    • Sichere Einkommensanlagen («secure Income Assets»): Diese sind Anlagen, die langfristige, vertraglich gesicherte, reale Einkommensströme abwerfen, darunter z. B. Immobilienschulden, Infrastruktur, Hypotheken, Immobilien;
    • Alternative Kredite: Wenn man über die traditionellen, börsennotierten Kreditmärkte hinausgeht, erweitert sich das verfügbare Universum an möglichen Vermögenswerten enorm; womit auch das Rendite- und Diversifizierungs-Potenzial deutlich verbessert z. B. Direktkredite, verbriefte Schuldtitel, Unternehmensanleihen in Schwellenländern, oder Spezialfinanzierungen;
    • Grüne Anleihen («green Bonds»): Anleihen, die speziell für die Finanzierung von Projekten mit positiven Auswirkungen auf die Umwelt entwickelt wurden; und
    • Diversifizierung: gut diversifiziert sein, im Bezug auf Emittenten, Sektoren und Geografie.

    Herkömmliche Aktienanlagen, die etwa 30% des gesamten Pensionkassenvermögens ausmachen, sind volatil und stark auf einige wenige sehr grosskapitalisierte Unternehmen und Technologiesektoren konzentriert. Diese Probleme können durch eine Kombination der folgenden Massnahmen abgefedert werden:

    • "Gekappte" Indizes, bei denen die maximale Gewichtung in einer einzelnen Aktie auf z. B. 5 % begrenzt wird (gegebenenfalls auch bei Anleihen anwendbar);
    • "Better Equities", wobei konzentrierte Portfolios, die jeweils nur 10-15 der vom Manager hoch favorisierten Aktien umfassen, mit unterschiedlichen Stilen, kombinieren, um ein diversifiziertes, aggregiertes Portfolio mit erheblichem Alpha-Potenzial zu bilden; und
    • Private Märkte, die von den mit Illiquidität und Komplexität verbundenen Risikoprämien profitieren.
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    Was soll am gesamten Portfolio-Management-Ansatz geändert werden?

    Auf Gesamtportfolioebene verhindert eine übermässige Granularität in der Definition von Anlageklassen, die für strategische Allokationen verwendet werden, einen dynamischen Ansatz. Dies, weil Anleger in ihren Entscheidungen eingeschränkt sind und gezwungen werden, an überbewerteten oder zu riskanten Marktsegmenten festzuhalten. Eine Lockeung der Definition einzelner Anlageklassen ist daher sinnvoll, wenn nicht sogar unabdingbar, wie z.B. alternative Kredite anstelle von mehreren separaten und unterschiedlichen Kategorien wie secured Loans, Hochzinsanleihen und Schwellenländeranleihen. Dies führt zu weniger Portfoliobausteinen, was auch den Governance-Anspruch des Portfolios entsprechend reduziert.

    Schliesslich, und das ist möglicherweise die Kernbotschaft; allen Anlageentscheidungen sollen möglichst klare, nachhaltige und in sich stimmige Glaubenssätze zugrunde liegen. Das kann z.B. heissen, bei einem Investoren, dass sich nichts ändert, während ein anderer Anleger zur Erkenntnis gelangt, das ganze Portfolio muss Schritt für Schritt dekarbonisiert werden. In einer Zeit, in der ESG- und Impact-Investing in institutionellen Portfolios rasch an Bedeutung gewinnen, ist es einfach nicht mehr passend, Klimarisiken und andere ESG-Faktoren zu wegzulassen. Diese sind historische Entwicklungen, die voll und ganz gerechtfertigt sind, und sie werden durch die wachsende politische Unterstützung, insbesondere im Kampf gegen die globale Erwärmung, nur noch stärker auftreten.

    Der ESG-Zug fährt zwar erst langsam ab, doch er gewinnt an Fahrt und ist nicht mehr aufzuhalten. Lieber jetzt einsteigen, bevor wesentliche Risiko-Erkenntnisse und Rendite-Opportunitäten verpasst werden.

* Quelle: Willis Towers Watson-Datenbank basierend auf den Jahresabschlüssen 2019 von 116 Schweizer Pensionskassen

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